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Börsentelegramm

Agrarmärkte zeigen Erholungstendenz

von , am
12.03.2014

© Mühlhausen/landpixel
Am CBoT konnten sich die Getreidenotierungen von ihren tags zuvor verzeichneten Verlusten etwas erholen. Den Weizennotierungen gelang es sogar, die Scharte des USDA-Berichts auszuwetzen und erneut die 200-Tagelinie anzugreifen. Das sollte die Bullen hoffnungsfroh stimmen. In New York konnten die Rohölnotierungen die 100,- US$/Fass-Marke nicht mehr halten. Heute Morgen geben die Notierungen weiter nach. Die Aktienmärkte neigten zur Schwäche.
 
Bohne sinkt weiter
 
Die Maibohne verlor gestern 5 ¾ cts/bu und settelte bei 14,13 US$/bu glatt. Die Verluste entstanden wohl im Zusammenhang mit den Gerüchten über chinesische Stornierungen in den USA. Nach wie vor gelten die Käufe in den USA aus dem Reich der Mitte als zu stramm, sodass man fast täglich mit weiteren Stornierungen rechnet. Dieses Mal beschränkten sich die Gerüchte aber nicht nur auf Bohnen us-amerikanischer Herkunft, sondern es waren auch Stornierungen großen Umfangs brasilianischer Ware im Gespräch. Wenn das stimmt, darf man sich die Frage vorlegen, ob wir hier nicht die ersten Auswirkungen der Kontraktionen im chinesischen Kreditmarkt sehen (Stichwort: Soybean-Banking…wir berichteten).
 
Conab wird heute seine neue Schätzung über das brasilianische Produktionspotential veröffentlichen. Das USDA hatte in seinem WASDE-Report vom Montag die brasilianische Bohnenmenge von 90 auf nun 88,5 mio Tonnen reduziert, was aber im Konvolut sämtlicher Prognosen immernoch den Spitzenplatz einnimmt. Apropos Brasilien und die dortige Bohnenkampagne. Die brasilianischen Farmer kämpfen bereits die gesamt Kampagne über mit einem ungewöhnlich aggressiven Raupenbefall. Wahrscheinlich ist der Unfriedenstifter aus Asien eingeschleppt worden und droht das Produktionspotential Brasiliens partiell wegzuknabbern. Die laufende Kampagne ist zwar größtenteils bereits geerntet und die Ertragseinbußen infolge des Raupenbefalls hielten sich in Grenzen, dennoch muss perspektivisch für die kommenden Kampagnen das Problem auf dem Radarschirm genommen werden. Die Farmer in Brasilien klagen die eigene Regierung an, die notwendigen Insektizide nicht freigegeben zu haben, die in anderen Ländern die Raupe unter Kontrolle gebracht haben. Der gesamte Regierungsapparat sei zu einem bürokratischen Monstrum verkommen, das jedwede realwirtschaftliche Effizienz unterdrücke. Wie wahr, wie wahr…das Problem beschränkt sich allerdings nicht nur auf Brasilien.
 
An der Matif kam es nach den heftigen Verlusten zu einer Erholungsrallye beim Raps. Der alterntige Mai schloss bei 410,25 €. Die neuerntigen Augustnotierungen legten 5,75 € zu und settelten bei 371,75 €. Damit ist die 200-Tagelinie zurückerobert. Der ehemalige Aufwärtstrend bleibt dennoch gebrochen! Hier bedarf es mehr, um das zerschlagene Porzellan wieder zu flicken.
 
Weizen tritt den Bären in den Hintern
 
Der Maiweizen schloss gestern 18 ¼ cts/bu im Plus und machte damit sämtliche Abschläge vom Freitag und Montag vergessen. Die Rallye am CBoT war in Umfang und Ausmaß mehr als nur nennenswert, denn die Notierungen machten nach den Verlusten auf dem Fuße kehrt und griffen die 200-Tagelinie an. Im fundamentalen Umfeld Gründe hierfür zu suchen, ist nicht einfach, denn die Nachrichtenlage beschränkte sich auf marktübliche Geschäftsvorgänge, die niemanden hinterm Ofen hervor locken konnten. Es wurde aber gemutmaßt, dass die Gewinne in Antizipation eines Berichts des ukrainischen Agrarministeriums verbucht wurden, um sich nicht von politischen Überraschungen übertölpeln zu lassen. Es ist noch unklar, mit was uns das ukrainische Ministerium beglücken wird. Geht es um eine Revision der Wintergetreideflächen oder der zu erwartenden Erträge? Will man sich zur politischen Lage äußern und Einschätzungen über etwaige Entwicklungen über den Außenhandel wagen? Viele Fragen, keine Antworten. Wir müssen einfach abwarten, was heute passiert. Bislang soll es zu keinerlei Unterbrechungen im Export gekommen sein, allerdings hat die ukrainische Währung derart stark nachgegeben, dass man von einem Crash auf Raten sprechen darf. Das könnte sich negativ auswirken.
 
In Indien soll es auf 500 tsd Hektar Weizenfläche Hagelschlag gegeben haben, der zur Ertragsminderungen geführt hat. Die Aussagen hierüber sind aber noch recht vage, sodass es derzeit noch unmöglich ist, der nackten Aussage ein höheres Maß an Konkretheit beizulegen. Ach ja, die Crop Ratings für us-amerikanischen Winterweizen haben sich wieder etwas verbessert. An der Matif ging´s stramm bergauf, und es hat den Anschein, als wollte der alterntige Weizen seine lockere Liebschaft mit der 210,- €/mto-Marke auf eine dauerhafte Basis stellen. Der Maitermin legte 3,25 €/mto zu und settelte bei 210,25 €/mto.
 
Mais folgt bullischem Kurs des Weizens
 
Der Maitermin am CBoT legten 5 cts/bu zu und und settelten bei 4,65 US$/bu glatt. Im äußersten Süden der USA haben die ersten Farmer damit begonnen, die Felder mit Drillmaschinen zu attackieren. Die erste Maissaat befindet sich also auf direktem Weg ins Saatbett, und wir wollen alle hoffen, dass sie sich wegen vielleicht noch zu kalter Temperaturen nicht schlafen legt, sondern damit beginnt, einen Keimling zu schieben. Für die Hauptanbaugebiete des Mittleren Westens der USA befürchtet der Markt aber wegen des extremen Winters Aussaatverzögerungen. Zudem sei es im westlichen Teil des Maisgürtels zu trocken gewesen. Die Winterniederschläge kamen zu spärlich, um optimale Feuchtebedingungen herzustellen. Insbesondere Iowa und Nebraska sind hiervon betroffen.
 
CONAB wird heute die brasilianische Maisproduktion einer Überprüfung unterziehen und veröffentlicht entsprechende Daten. Das USDA hatte in seinem Report vom Montag für Brasilien eine Produktion von 70 mio Tonnen ausgewiesen und hat damit Rolle des größten Optimisten inne. Die Position der Fonds, die ehemals eine große Shorts gehalten haben, ist in den letzten Wochen ins Gegenteil gedreht. Wenn es in den USA zu Aussaatverzögerungen in nennenswertem Ausmaß kommen sollte, ist man auf der Longseite vielleicht besser aufgehoben als auf der Shortseite. An der Matif hatten die Maisnotierungen eine leicht bullische Note und schlossen im Junitermin mit 0,75 €/mto im Plus. Der Schlusskurs lag bei 183,25 €/mto.
 
Kartoffel schwach
 
Nach dem wenig überzeugenden Auftakt zu Wochenbeginn bestätigte die Veredelungskartoffel an der Eurex gestern ihre lustlose Verfassung. Bei einem Gesamtmarktumsatz von äußerst ernüchternden 43 Kontrakten war die 14,- €/dt-Marke nicht mehr zu halten. PCA in Belgien hatte zwar die Bintje-Notierungen um einen halben Euro erhöht, was aber zu keiner guten Laune führte. Stillstand an der Börse war die Folge. In Abwesenheit von Käufern hatten es die paar Bären im Markt leicht, die Kurse mit wenigen Umsätzen zu drücken. Der alterntige Apriltermin verlor 0,40 €/dt und settelte bei 13,70 €/dt. Im weißen Sortiment wurden Mai und Juni jeweils zehnmal bei 3125,- €/Tonne umgesetzt. Im Schweinebereich gab es leider keine Handelstätigkeit zu beobachten.
 
Chinesische Währung schwächer
 
Zu Wochenauftakt geriet der chinesische Yuan gen den US$ weiter unter Druck. Es wurde tiefste Kurs seit anderthalb Jahren registriert. Schwache Wirtschaftsdaten aus dem Reich der Mitte sendeten Wellen der Besorgnis durch die Märkte, was zu weiterem Kapitalabfluss führte. Der Kurs stand am Montag bei 6,1312. Letzten Freitag wurde er noch mit 6,1201 angegeben. Die chinesische Zentralbank bestimmt den Wechselkurs täglich neu, wobei man ein 1%iges Handelsband über und unter dem Fixpreis zulässt.
 
DAX berappelt sich
 
Das deutsche Aktienbarometer konnte im gestrigen Handelsverlauf wieder etwas Boden gutmachen und die 9300-Punktemarke zurückerobern. Nach wie vor spielt die Unsicherheit in Bezug auf die ukrainische Situation eine maßgebliche Rolle in der Marktpsychologie. Die angedrohten Sanktionen gegenüber Russland könnten schließlich Realität werden, und da Deutschland in den Russen bedeutende Handelspartner hat, wären negative wirtschaftliche Folgen vorprogrammiert. Das nimmt der Markt nicht auf die leichte Schulter. Dennoch ist nach wie vor die Bereitschaft zu spüren, sich an jede bullische Nachricht zu klammern, um einen Kaufgrund in die Finger zu bekommen und ihn entsprechend umzusetzen. Am Ende des Tages hatten die Bullen die Nase vorn und trieben den DAX mit einem Plus von 42,29 Punkten auf einen Indexstand von 9307,79 Zählern.

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