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Börsentelegramm

Agrarmärkte zeigen Festigkeit

von , am
26.11.2014

An der Chicagoer Börse ging es bei Bohne, Mais und Weizen bergauf. © Ronald Leine/aboutpixel.de
Der gestrige Handelstag war von Festigkeit bestimmt. An der Chicagoer Börse ging es bei Bohne, Mais und Weizen bergauf. Bei der Bohne gab ein weiteres Mal das Schrot den entscheidenden Aufwärtsimpuls. Mais und Weizen trieb es infolge von Shortcovering in nördliche Gefilde. Welche der Rolle der herannahende US-Feiertag gespielt hat, ist fraglich. Die Amerikaner begehen morgen ihr Thanksgiving-Fest, und es ist nicht ungewöhnlich, dass man vor langen Wochenenden, das Risiko aus den Positionen nimmt. Das könnte gut und gerne auch gestern geschehen sein. Deshalb sollte man den gestrigen Tag nicht überbewerten und genau beobachten, wie es weitergeht.

Sojabohne im Plus
 
Angesichts der Zugewinne im Sojaschrot blieb der Bohne keine Wahl. Sie marschierte nach oben und legte im Januartermin 17 ¼ cts/bu zu. Der Schlusskurs lag bei 10,51 US$/bu glatt. Der us-amerikanische Kassamarkt bleibt weiterhin knapp versorgt an Sojaschrot. Selbst die Ölmühlen im Mittleren Westen, die im Herzen des Sojagürtels liegen, haben Schwierigkeiten die Nachfrage zu bedienen. Was verarbeitet ist, wird direkt aus den Händen gerissen. Eine Bevorratung an den Ölmühlen findet noch nicht einmal auf niedrigem Niveau statt. In diesem Umfeld hat die Bohne trotz einer exzellenten US-Ernte die besten Vorraussetzungen, anzusteigen. Nachdem die Unterstützung bei 10,- US$/bu gehalten hatte, ging der Blick nach Norden.
 
Wenn es in Südamerika (Brasilien) zu einem trockenheitsbedingten Wettermarkt kommt, dann beginnt der zeitlich kritische Bereich ab Anfang Dezember vor. Wie die nebenstehenden Nieder- schlagskarten zeigen, gibt es momentan keine Spur von einer Trockenheit. Man hatte zu Beginn der Kampagne kurzfristig von zu trocknen Umständen gesprochen, aber das ist nicht mehr der Fall. Örtlich wird in dieser Woche sehr viel Regen erwartet, der sogar mehr Schaden als nützen kann.
 
An der Matif nahm man die überseeische Aufwärtstendenz zur Kenntnis und münzte sie in eigene Zugewinne um. Die entwickelte Stärke reichte aus, um die Notierungen an die 200-Tagelinie heran zu bringen. Der Januartermin hatte am Ende 2,75 € zugelegt und bei 344,75 €/mto geschlossen.
 
Weizen stabil
 
Der Dezembertermin legte gestern am CBoT 9 ¼ cts/bu zu und schloss bei 5,51 ½ US$/bu. Mit dem gestrigen Schlusskurs konnte der Dezembertermin die Marke von 5,50 US$/bu überspringen. Zum einen präsentierte sich der Mais erneut in preislich guter Laune und zum anderen sieht man den Feldauflauf des Winterweizens mit gemischten Gefühlen. Örtlich ist er zu schwach ausgeprägt, als dass man sorglos in die Zukunft schauen könnte.
 
Entsprechende Reaktionen sind an der Börse zu beobachten. Angesichts des heftigen Wintereinbruchs in den USA sollte es eigentlich nicht verwundern, dass es hier und da einen schwachen bzw. nicht optimalen Saatenstand zu beklagen gibt. Die Börse in ihrer Launenhaftigkeit handelt diesen Faktor aber, als sei es plötzlich vom Himmel gefallen. Unterm Strich sollte man die Thematik zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht überbewerten, sondern mit kühlem Kopf dem Winter entgegen sehen. Hitzköpfigkeit war noch nie ein guter Ratgeber.
 
Der meteorologische Dienst Australiens hat die El Nino-Warnstufe wieder erhöht. Nunmehr bestehe eine 70%ige Gefahr für das Eintreten des Wetterphänomens. Der Pazifische Ozean habe in den letzten Wochen wieder vermehrt Temperaturaktivität gezeigt, die es ernst zu nehmen gelte. Die Küstenregionen Australiens sind wegen der vielen Monate, die tendenziell zu trocken waren, bereits in Gefahr, Opfer von Buschfeuern zu werden. (Vgl. nebenstehende Karte) Üblicherweise spielen Buschfeuer beim Gesamtweizenertrag eine untergeordnete Rolle, aber wer weiß, was passieren wird?
 
Mais zieht an
 
Der Dezembertermin am CBoT schaffte gestern ein Plus von 6 ¾ US$/bu. Der Schlusskurs betrug 3,74 ¼ US$/bu. Der gestrige Handel wurde von Spreadaktivitäten zwischen den einzelnen Handelsmonaten dominiert. Die Fonds rollen derzeit ihre Positionen aus dem Dezember in entfernter gelegene Monate. Die Südkoreaner suchten Mais im internationalen Umfeld. Man startete entsprechende Kaufgesuche über 140 tsd Tonnen. Die Herkunft wurde so gut wie nicht eingegrenzt. An der Matif verharrte der Preis auf der Stelle. Im Januar betrug der Schlusskurs erneut 153,25.
 
China: Elfte Rekordernte in Folge? Das Reich der Mitte will in diesem Jahr die elfte Getreiderekordernte in Folge eingefahren haben. Bei Verkündigung derartiger Nachrichten werden zu Beginn stets die Kompetenz und der Weitblick der Kommunistischen Partei gelobt, als ob die Erträge einzig und allein von den Fünfjahresplänen der Führung abhingen. Richtig ist, dass die Chinesen im derzeitigen Zyklus nicht schlecht geerntet haben, weil die äußeren Umstände mitspielten. Die proklamierten zehn aufeinander folgenden Spitzenernten, die man zuvor eingefahren haben will, sind schlicht und ergreifend Mumpitz. Wir hatten in den vergangenen Jahren jede Art von Witterungsunbilden im Reich der Mitte beobachten können. Von extremer Hitze bis zu extremen Niederschlägen infolge einer noch nie dagewesenen Taifunsaison war alles dabei. Auch in China unterlagen die Ertragsniveaus entsprechenden Schwankungen. Die Serie an Rekordernten hat im propagierten Sinne niemals stattgefunden. Dessen können wir sicher sein. China war, ist und bleibt ein Nachfrageschwergewicht in einer Unzahl agrarischer Märkte; egal was man zu Hause geerntet haben will.
 
Fischmehlsituation unübersichtlich
 
In der letzten Woche sind die Preise in Asien für Proteinträger angestiegen. Die knapper werdende Angebotssituation beim Fischmehr hat die Chinesen aufhorchen lassen. Viele haben damit begonnen sich kleine strategische Reserven anzulegen. Sollte Peru aus welchen Gründen auch immer davon absehen, bald Fangquoten bekannt zu geben, könnten die Bestände rasch aufgebraucht sein. Deswegen sichert man sich bereits jetzt seinen Anteil aus den Beständen, die noch verfügbar sind. Damit ist die Situation umgeschlagen, denn vor zwei Monaten galt der Markt als gut versorgt. In den USA sind die Anbieter von Heimtiernahrung bereits dazu übergegangen, das relativ teure Fischmehl durch Geflügelkomponenten zu ersetzen. Es gibt aber Marktbeobachter, die damit rechnen, dass sich die Situation in Peru entspannen werde, und die Terminkäufe als falsch ansehen. Das macht die Situation sehr unübersichtlich.
 
Eurex-Kartoffel: Ja, sie lebt noch!
 
Die Veredelungskartoffel an der Eurex gab gestern mit 55 Kontrakten Umsatz nicht unbedingt ein Lebenszeichen von sich, aber mit etwas gutem Willen können wir den gestrigen Handelstag als Existenzmitteilung betrachten. Der Apriltermin 2015 legte im Handelsverlauf 0,10 €/dt zu und schloss bei 5,50 €/dt glatt. Die Marke von 6,- €/dt liegt aber immer noch in schier unerreichbarer Ferne. Der Kassamarkt ist tot. Wenn überhaupt, werden nur Abwehrpreise genannt. Der Schweinebereich blieb leblos. Ferkel und Mastschwein verkrochen sich umsatzlos im Stall. Im weißen Sortiment war die Butter nicht vollkommen leblos.
 
Zucker ohne Kraft
 
Die internationalen Zuckernotierungen zogen gestern keinen Hering vom Teller. Entsprechend ruhig war die fundamentale Nachrichtenlage. Dennoch gab es eine berichtenswerte Neuigkeit aus Nigeria. Das afrikanische Land befindet sich auf dem besten Wege, sich zu 100% selbst mit Zucker zu versorgen. Mit großem finanziellen Aufwand möchte man die produktive Schlagkraft der Landwirtschaft erhöhen und dabei die Zuckerproduktion von nun 20 – 30 tsd Tonnen auf dann 1,8 mio to ausweiten. In zehn Jahren will man damit am Ziel sein. Der derzeitige Jahresverbrauch an Zucker beträgt 1,2 – 1,3 mio Tonnen. Man rechnet aber mit einem Anstieg auf dann 1,8 mio Tonnen. Derart zeitlich weitreichende Dinge nehmen im Hier und Jetzt aber keinen Einfluss. In New York schwanken die Preise hin und her. Der Schlusskurs lag aber erneut bei exakt 16 cts/Pfund (Januar).
 
DAX fest
 
Die Vortagesfestigkeit konnte gestern erhalten werden. Das deutsche Aktienbarometer reihte sich ins Konzert der weltweiten Börsengewinner ein und stieß ins gleiche Horn. Am Ende standen ein Plus von 75 Punkten und ein Index von 9861 Zählern.
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