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Börsentelegramm

Agrarmärkte zwischen Hoffen und Bangen

von , am
25.07.2014

Weizenkörner in Nahaufnahme
Weizen konnte gestern an der CBoT 3,25 ct zulegen. © Gina Sanders/fotolia.com
"Außer Spesen nichts gewesen", könnte man zum gestrigen Handelstag sagen. Zwar startete man in Übersee mit positiver Stimmung in den Handelstag und konnte marktübergreifende Gewinne verbuchen, aber diese Tendenz hielt nicht an.
 
Entweder mangelte es den Bullen an Willen oder an Kraft. Sie waren jedenfalls nicht in der Lage, die zwischenzeitlichen Zugewinne zu verteidigen. Am Ende lächelte uns wieder einmal aus den verschiedensten Ecken das rote Vorzeichen entgegen

Sojabohne: Exportzahlen stützen

Die neuerntige Novemberbohne legte gestern 9 ¼ cts/bu zu und settelte bei 10,85 ¾ US$/bu. Die wöchentlichen Exportzahlen der USA lagen bei der Bohne bei sehr strammen 2,67 mio Tonnen. Am CBoT stiegen die Kurse nach Bekanntwerden der Zahlen an, aber die Bullen direkt haben Honig saugen können ist fraglich. Derartige Exportzahlen sind zwar gestern in Verbindung mit ihrer Plötzlichkeit im Auftauchen als hoch wahrgenommen worden, aber derartige Exporte werden höchstwahrscheinlich eher die Regel denn die Ausnahme sein. Die internationale Nachfrage ist hierfür da und wird sich mit entsprechender Regelmäßigkeit im Markt zeigen. Im ersten Moment dürfte es aber nicht der bullische Überschwang gewesen sein, der die Kurse gestern forcierte, sondern das Eindeckungsinteresse der Bären. Diese nahmen erst einmal Gewinne mit, um Teile ihre gewonnen Felle nicht davon schwimmen zu lassen.
 
Nun hat also dasjenige shortseitige Eindeckungsinteresse vorgelegen, das benötigt wird, um eine solidere Bodenbildung in Angriff zu nehmen. In den letzten Tagen sprachen wir an dieser Stelle von dieser Notwendigkeit. Jetzt müssen wir sehen, wie sich die Situation weiter entwickelt. Trotz gestriger Zugewinne hat der Markt doch deutlich unter seinen Tageshochs geschlossen. Das war alles andere als ideal und nährt die Skepsis hinsichtlich der Nachhaltigkeit der Rallye.
 
Daneben gibt es mittlerweile einige Sorgen um die Witterung im Mittleren Westen der USA. Mancherorts soll es etwas trocken geworden sein, sodass sich die pflanzenbaulichen Bedingungen von ihrem Idealzustand wegbewegt haben. Zum jetzigen Zeitpunkt steckt in diesem Argument aber zuviel Panikmache, um ernst genommen werden zu können.
 
Der Raps an der Matif war außer Rand und Band. Nach einer Eröffnungsrallye von vier Euro sank man im weiteren Verlauf um den gleichen Betrag ins Minus. Diese Volatilität ging hauptsächlich auf das Auslaufen des Augustkontraktes zurück, der am Monatsende auch an sein Laufzeitende stößt. Über aktiven Spreadhandel pflanzte sich die Volatilität auf alle anderen Termine fort.

Weizen hält die Zugewinne nicht

Der Septemberweizen verlor gestern ¾ cts/bu und settelte bei 5,29 US$/bu. Am CBoT konnte man im Handelsverlauf kurzzeitig ansteigen, aber es fehlte auch hier den Bullen die nötige Entschlusskraft, die Bären in die Knie zu zwingen. Also verließ man unvollendeter Dinge die Arena. Möglicherweise war man der Ansicht, dass die Exportzahlen von 443,1 tsd Tonnen keinen ausreichenden fundamentalen Grund darstellen, um die Bären zum Duell zu fordern. So blieb es beim kleinen Scharmützel, das den Charakter eines Unentschiedens hatte.
 
Die Russen haben mittlerweile 22 % ihrer Getreidefläche gedroschen und dabei 35,6 mio Tonnen Getreide geerntet. Hierzu hat sich wenigstens das russische Agrarministerium eingelassen. Die indische Regierung beschäftigt sich derzeit mit der Frage, ob man den heimischen Markt besser mit Nahrungsmitteln versorgen soll, um der Teuerung das nötige entgegen zu setzen.
 
Das Landwirtschaftsministerium hat vorgeschlagen, bis zu 10 mio Tonnen Weizen auf den heimischen Markt zubringen, um entsprechenden Preisdruck auszuüben. Es wird erwartet, dass in Bälde eine entsprechende Regierungsentscheidung getroffen wird.
 
Die Südkoreaner suchten Weizen verschiedener Qualitäten und starteten entsprechende Ausschreibungen. Nicht alle Tender wurden sofort abgeschlossen, aber es kam recht zügig zu Mahlweizengeschäften in untergeordneter Größe. Später am Tage buchte man auch noch Futterweizen.
 
Die EU hat Weizenexportlizenzen in Höhe von 220 tsd Tonnen vergeben, sodass nun das gesamte Exportvolumen der neuen Kampagne bei 789 tsd Tonnen liegt. An der Matif belebte sich der Optimismus und man geriet im Handelsverlauf in eine Momentumrallye als die Marke von 180,- €/mto überschritten war. Die Rallye bröckelte teilweise wieder ab, aber es reichte am Ende für ein Plus von 1,50 € im Novembertermin, der bei 181,- €/mto schloss.

Mais: Chinesen überlegen Anforderungen auszudehnen

Der Dezembermais verlor gestern 1 ct/bu und settelte bei 3,69 ¼ US$/bu. Die Maispreise gerieten gestern in Chicago unter Druck, weil eine Debatte um die chinesische Einkaufspolitik entbrannte. Das Reich der Mitte ist ein sehr aktiver Käufer von Trockenschlempe (DDG) aus der us-amerikanischen Ethanolindutstrie. Die Chinesen akzeptieren bei Maisimporten nur genehmigte Ware, d. h. dass einige Stämme genmodifizierter Ware nicht zugelassen sind. Im besonderen handelt es sich um MIR 162. Der Markt befürchtet, dass die Chinesen diesen Reinheitsanspruch (frei von MIR 162) alsbald auch auf das Dried Distillers Grain anwenden könnte. In diesem Falle bestünde die Gefahr eines sofortigen Wegbrechens der US-Exporte, was die Kalkulation der Ethanolanlagen massiv beeinflussen würde. Dann könnten der Auslastungsgrad und damit der Maisverbrauch in den US-Ethanolanlagen rasch sinken. Vor diesem Schreckgespenst nahmen die Bullen gestern Reißaus!
 
Die wöchentlichen Exportzahlen der USA lagen beim Mais in Höhe von 1,43 mio Tonnen.
 
Aus Südafrika kamen gestern Zahlen. Am Kap bezifferte man seine Maisausfuhren bis Ende Juni mit knapp 360 tsd Tonnen. Die EU vergab im Rahmen ihrer wöchentlichen Außenwirtschaftstätigkeit Maiseimportlizenzen in Höhe von 247 tsd Tonnen. Nunmehr liegt das gesamte kontrahierte Maisimportvolumen bei 789 tsd Tonnen.
 
An der Matif verlor der Novembertermin 0,25 € und settelte bei 156,75 €/mto.

Eurex: Kartoffel zwischen Volatilität und Schwäche

Die Kartoffel hat auch am Donnerstag ihre Schwächeneigung nicht abstreifen können. In einem schwankungsfreudigen Handel, der die 7,- €/dt-Marke nach unten hin testete, wurde der Apriltermin 2015 293 Mal gehandelt. Schließlich büsste er 0,10 €/dt ein und settelte bei 7,50 €/dt.
 
Die Zurückhaltung im Kassamarkt hielt an; die Industrie hielt sich weiter bedeckt. Das Mastschwein und das Ferkel blieben gestern ungehandelt. Im weißen Sortiment sah es leider nicht besser aus. Die Milchprodukte standen nicht auf der Liste der Begehrlichkeiten.

Ostrussland leidet unter Überflutungen

Die östlichen Regionen Russlands Magadan und Wladiwostock haben in den letzten Tagen schwere Niederschläge erhalten, die sich am Boden zu Überflutungen ausgewachsen haben. Interfax zitierte eine Stellungnahme eines Meteorologen, der ausführte, die betroffenen Regionen hätten die größten Juli-Regenfälle seit dem Jahre 1936 erhalten.
 
Die Straßen bilden Flussbetten, es werden Notunterkünfte eingerichtet und die Bürgermeister haben dazu aufgerufen, im Falle eines Falles die am schlimmsten betroffenen Gebiete zu verlassen. Aus landwirtschaftlicher Sicht ist die Region aber nicht sonderlich bedeutsam.

Schweinepest in Russland

In Russland ist die afrikanische Schweinepest ausgebrochen. Die Veterinärbehörden in Woronesch machten einen Großbetrieb mit mehreren Standorten aus, der offenbar als Ansteckungsherd wirkt. Die Keulung von mindestens 40 tsd Tieren wurde angeordnet, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern.

DAX marginal im Plus

Schwache Konjunkturdaten aus Frankreich hatten den DAX zu Beginn ins Negative abgleiten lassen. Freundliche Daten hinsichtlich des wirtschaftlichen Stimmungsbildes in Deutschland drehten diesen Trend aber rasch um, sodass der DAX recht früh das Marschgepäck Richtung Norden schnüren konnte.
 
Permanentes Störfeuer lieferte aber weiterhin die Krise um die Ukraine. Die eiserne Kanzlerin aus Berlin hat plötzlich eine nur noch wenig kompromissbereite Haltung gegenüber Russland eingenommen und drängte auf Sanktionen. Bislang wurde sie eher als vermittelnd und deeskalierend wahrgenommen. Offenbar bekommt die Regierung von irgendwo her Druck!
 
Am Ende des Tages hatte der DAX 40,5 Punkte zugelegt und bei 9794,06 Zählern geschlossen.
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