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Börsentelegramm

Agrarmärkte…wie gewonnen, so zerronnen!

von , am
06.08.2014

© landpixel
Am zweiten Tag der Woche wechselten die Vorzeichen. Der überwiegende Teil der Agrarmärkte verlangte nach der roten Farbe. Am CBoT verloren die Sommerungen Bohne und Mais infolge verbesserter Regenaussichten. Die Weizennotierungen konnten sich dieser Entwicklung entgegen stemmen und erneut anziehen. Weiteres Shortcovering war hierfür verantwortlich. Ansonsten war aber fast alles rot. Baumwolle, Orangensaft, Zucker, die Fleischnotierungen und Kaffee verloren an den internationalen Handelsplätzen.

Sojabohne besteigt den Zug Richtung Süden

Die neuerntige Novemberbohne verlor gestern am CBoT 13 ¾ cts/bu und settelte bei 10,65 ¾ US$/bu. Hauptsächlich hatte man die Verluste den verbesserten Regenaussichten im Mittleren Westen zu verdanken, denn die Vorhersagen sprachen unisono von größeren Mengen. Der August ist der ertragsbestimmende Monat für die Bohne, sodass die Wettervorhersagen hochwillkommen sind. In den verbesserten Regenaussichten sah Informa Economics aber keinen Grund, seine Schätzungen zu verändern. Nach wie vor wird die US-Bohnenernte in 2014/15 mit 3,7 Mrd. Scheffel prognostiziert, wobei man einen Ertrag von 44,5 bu/Acre unterstellt.
 
AgRural hat kürzlich mit einer Einschätzung auf sich aufmerksam gemacht, die wir bislang noch nicht an dieser Stelle wiedergegeben haben. AgRural sieht die kommende brasilianische Sojabohnenfläche in 2014/15 bei 31 mio Hektar. Diese Zahl liegt fast 5% über der Anbaufläche des letzten Jahres. Die gesamte brasilianische Sojabohnenproduktion wurde mit 94 mio Tonnen veranschlagt. Diese Prognose liegt deutlich über dem letztjährigen Ergebnis von „nur“ 85,6 mio Tonnen. Das USDA geht bislang in seinen WASDE-Reports von einer neuen brasilianischen Bohnenproduktion von 91 mio Tonnen aus.
 
AgroConsult hat die ukrainische Rapsernte mit 2,05 mio Tonnen angegeben. Die Exporte wurden mit 1,85 mio Tonnen veranschlagt. Im letzten Jahr hatte die Ukraine mit 2,35 mio Tonnen noch 300 tsd Tonnen mehr Raps produzieren können. Dieses Jahr ist es weniger geworden. Die Rapsnotierungen an der Matif mussten Federn lassen. Der Novembertermin verlor 2,25 €/to und settelte bei 325,75 €/mto. Bislang zeigten sich die Rapsnotierungen nach dem dramatischen Niedergang am 21. Juli außerstande, die wichtigsten gleitenden Durchschnitte zurück zu erobern.

Weizen: Shortcovering stützt Weizen in Übersee

Der Septemberweizen am CBoT legte gestern 8 ¼ cts/bu zu und settelte bei 5,53 US$/bu glatt. Im Kern gab es in den USA nichts Neues zu berichten. Die bekannten Faktoren waren am Werk. Das wichtigste war die Exportphantasie, die erneut dafür sorgte, dass Shortpositionen glatt gestellt wurden. Entsprechend fest gebärdeten sich die Preise an den US-Handelsplätzen. Informa Economics gab die gesamte US-Weizenernte gestern mit 1,986 Mrd. Scheffel an. Das lag leicht oberhalb der Vormonatsschätzung von 1,96 Mrd. Scheffel.
 
Die Beratungsfirma ProAgro ließ wissen, dass sie den Futterweizenanteil in der Ukraine auf 35% ansteigen sieht. Regenfälle seien hierfür verantwortlich. Dieses Statement wird allerdings teilweise durch eine Meldung des ukrainischen Agrarministeriums konterkariert, das gestern eine „Ertragswarnung“ für den ukrainischen Mais veröffentlichte. Man habe nämlich in den nächsten Wochen keinen Regen zu erwarten, sodass das Ertragspotential des Maises fraglich bliebe. Aus Russland war die Meldung zu vernehmen, dass man mittlerweile die Weizenernte zu 43% abgeschlossen habe. Damit seien 39 mio to eingefahren worden.
 
Gestern kam eine Reutersmeldung, die noch einmal das bereits Bekannte hinsichtlich des Matifweizenkontraktes und seiner Andienungsfähigkeit zusammen fasste. Gestern und heute findet ein Treffen französischer Marktbeteiligten statt, um die Thematik zu erörtern. Unterschwelliges Ziel der Veranstaltung ist die Aufweichung der Qualitätsparameter, die ein Silobetreiber in gewissen Grenzen selbst zu gestalten berechtigt ist. Das hat die Matif in diesem Jahr noch einmal offiziell nach einem Expertentreffen bestätigt. Der bislang einzige lizenzierte Silobetreiber Senalia hat von seinem Gestaltungsspielraum auch Gebrauch gemacht und zusätzliche Anforderungen hinsichtlich Fallzahl und Protein gestellt. Diese beiden Parameter lässt der Matifkontrakt bewusst offen. Soufflet wird ab November ebenfalls lizenzierter Silobetreiber sein, war aber bislang mit dem Hinweis auf den ungewohnt hohen Futterweizenanteil in Frankreich noch zu keiner Einlassung hinsichtlich seiner zukünftigen Einlagerungspolitik bereit. Hier setzt nun das Treffen der Marktbeteiligten an. Offenbar gibt es im Markt den nachvollziehbaren Wunsch, aufgrund des hohen Futterweizenanteils in Frankreich die Qualitätsanforderungen aufzuweichen. Denn schließlich müsse der Matifkontrakt den Markt widerspiegeln, lautet ein Argument.
 
Einer Einschätzung eines Befragten zufolge, rechne er damit, dass die Qualitätsanforderungen weniger scharf gehandhabt würden, denn andernfalls würden sich die Silobetreiber von der Hälfte des Marktes abschneiden. Und dieser letzten Einschätzung wollen wir uns doch einmal zuwenden, da sie nicht mit der nötigen Klarheit formuliert wurde. Die Silobetreiber würden sich mit einer restriktiven Einlagerungs- und Umschlagspolitik nämlich nicht von der Hälfte des „Marktes“ anschneiden, sondern von der Hälfte des französischen Weizenangebots. Der „Markt“ besteht aber daneben auch noch aus einer Nachfrageseite! Und diese hat das Statement vollkommen ignoriert. Was nützt es einem Silobetreiber an einer französischen Exportparität, die Qualitätsanforderungen aufzuweichen, dabei aber Gefahr zu laufen, seine Konkurrenzfähigkeit auf dem internationalen Markt einzubüßen?
 
Wenn man für teuer Geld grenzwertige Ware an den Exporthafen schaffte, dort einlagerte, um hinterher festzustellen, dass man auf der Ware sitzen bleibt, hätte man sich nämlich tatsächlich vom „Markt“ abgeschnitten und nicht nur von der Hälfte des französischen Angebots! An diesem Wagnis kann kein Silobetreiber Interesse haben. Aber wir werden sehen, wie die Geschichte ausgeht, denn es ist immer möglich, dass Unbekanntes im Hintergrund stattfindet. Möglicherweise gibt es ja seitens der entsprechenden Agrarlobbygruppen bereits nichtöffentliche Unterhandlungen mit den internationalen Käufern, die sicherstellen sollen, dass auch grenzwertige Ware auf Akzeptanz stößt. Wer weiß das schon? Das Angebot an backfähigem Weizen aus der Schwarzmeerregion ist derzeit so hoch, dass die internationalen Nachfrager mit Sicherheit keine Eile verspüren, europäische Ware zweifelhafter Qualität einzukaufen. Wie sagt der Fußballkaiser immer: „Schaun mer mal“!
 
An der Matif konnten die Weizennotierungen aus dem schwachen Euro/US$-Verhältnis Honig saugen. Der schwache Euro macht die Exporte Europas im internationalen Geschäft konkurrenzfähiger. Das hob die Notierungen in Paris etwas an. Der Novembertermin legte 1,50 €/mto zu und settelte bei 174,75 €/to.

Mais verliert

Der Dezembermais am CBoT verliert 2 ½ cts/bu und settelte bei 3,67 US$/bu glatt. Die Regenaussichten drückten neben der Bohne auch den Mais. Man befindet sich bei beiden Früchten nahe der Tiefststände des Abwärtstrends und die privaten Analysten überbieten sich gegenseitig in ihren Ernteprognosen. Gestern bezifferte Informa Economics die US-Maisernte auf 13,988 Mrd. Scheffel, bei einem Durchschnittsertrag von 168 bu/Acre. FC Stone sieht die US-Maisernte bei 14,455 Mrd. Scheffel bei einem durchschnittlichen Ertrag von 172,4 bu/Acre. Das ukrainische Agrarministerium warnte gestern vor den nächsten zwei bis drei Wochen. Man erwarte in der Ukraine vorerst keine Regenfälle im laufenden Monat. Infolgedessen müsste man sich um das Ertragspotential beim Mais Sorgen machen. An der Matif ging´s beim Mais seitwärts. Der November schloss bei 154,- €/mto glatt.

Eurex trumpft auf

Die Veredlungskartoffel schob sich gestern in stabiler Seitenlage weiter vor. Der Schlusskurs lag bei kaum veränderten 7,90 €/dt. Im tierischen Bereich ließ man sozusagen die Sau raus. Das Mastschwein wurde im Fronttermin August 2014 einmal bei 1,630 €/kg gehandelt. Das war ein Minus von 0,025 € oder 1,5%. Das Ferkel, traditionell als die umsatzschwächere Schweinehälfte bekannt, wurde gestern gleich auf drei unterschiedlichen Terminen gehandelt. Das war sehr erfreulich! Der Februar, März und April 2015 standen auf dem Zettel der Marktbeteiligten. Das gehandelte Preisniveau betrug jeweils 56,- €/Stck.
 
Im weißen Sortiment sah es ähnlich erbaulich aus. Allein der Magermilchkontrakt konnte auf verschiedenen Fälligkeiten 94 Mal umgesetzt werden. Das gehandelte Preisniveau war 2600,-€/Tonne. Molkenpulver wurde insgesamt auf drei Terminen fünfzehn Mal gehandelt. Das Preisniveau bewegte sich in diesem Markt bei 880,- €/to. Das war ein Minus von 10 – 38 €/to. Die gute Butter stand schließlich in nichts nach und schaffte 70 Kontrakte Umsatz. Der Preis rangierte bei 3400,- €/to. Damit gab es sowohl positive als auch negative Preisverschiebungen.

Zucker im Minus

Die jüngste Einlassung der Internationalen Zuckerorganisation und der relativ geringe Feuerschaden an einem brasilianischen Umschlageterminal in Santos (nur 15 tsd to wurden unbrauchbar) hielten auch am zweiten Handelstag der Woche die Zuckerpreise unter Druck. In New York verlor man 1% und settelte im Oktober bei 16,15 cts/Pfund.

DAX leicht im Plus

Der DAX konnte gestern nach vier Verlusttagen wieder etwas zulegen. In Frankfurt blieb ein Plus von etwa 35 Punkten. Der Schlusskurs betrug 9189,74 Zähler. Das Heer der Analysten war sich einig, dass die Stimmung trotz der jüngsten Verluste grundsätzlich freundlich zu interpretieren sei. Hierüber wollen wir nicht weiter philosophieren, sondern eine andere grundsätzliche Entwicklung thematisieren. Nachdem Ben Bernanke im März 2006 die Geldmenge als irrelevant erklärt hatte und sie aus Kostengründen nicht mehr feststellte, gab es wenigstens noch kleine Randbemerkungen in den Sitzungsprotokollen der US-Notenbank FED. Seine Nachfolgerin Janet Yellen hat nun sämtliche Kommentare in dieser Richtung eingestellt. Wir wollen ihr zugute halten, dass ihr Gedanke gewesen sein mag, dass überhaupt keine Einlassung zu dieser Thematik immernoch besser ist als die verklausulierten Orakelsprüche ihrer Vorgänger. Alan Greenspan sagte sogar einmal: „Wenn sie mich verstanden haben, dann habe ich mich nicht undeutlich genug ausgedrückt“! Dass Janet Yellen wortlos an der Geldmengenpolitik vorbei geht bedeutet aber nicht, dass sie kein verbales Betätigungsfeld hat. Im letzten Sitzungsprotokoll ließ man sich zur Arbeitsmarktsituation in den USA ein und gab folgendes zum besten: „Die Informationen, die man seit dem letzten FED-Meeting im Juni erhalten hat, unterstützten die Annahme, dass die wirtschaftliche Erholung in den USA weiter im Gange ist. Die Arbeitsmarktsituation habe sich verbessert, und die Arbeitslosenquote sei im Sinken begriffen. Jedoch zeige eine ganze Reihe von Arbeitsmarktindikatoren an, dass es trotzdem eine signifikante Unterauslastung des Faktors Arbeit gäbe“. So weit das Sitzungsprotokoll. Eine Woche vor diesem Statement hatte das US-Arbeitsministerium gesagt, dass der Arbeitskostenindex in den USA 0,7% angestiegen sei. Das war die höchste Steigerungsrate in einem Quartal seit 2008. Löhne und Gehälter seien um 0,6% gestiegen und der Kosten-Nutzenindex der Arbeit um 1%, beides mehrjährige Rekordzuwachsraten. Bliebe noch die Frage zu klären, wie es bei steigenden Löhnen eine „signifikante Unternutzung des Faktors Arbeit“ geben kann.
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