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Börsentelegramm

Flugzeugabsturz wirbelt Agrarmärkte durcheinander

von , am
18.07.2014

Gute Witterungsbedingungen in den US-Anbaugebieten sorgen für sinkende Weizenpreise. © Rico Kammerer/aboutpixel.de
Bevor die Nachrichtenticker am späten Nachmittag den Abschuss einer zivilen Passagiermaschine über der Ostukraine meldeten, waren die agrarischen Märkte klar bärisch. Nach der Meldung raste eine marktübergreifende Schockwelle um den Globus, die allerorten die Rohstoffpreise anhob.
 
Es war bis zum Abend nicht klar, ob die Maschine nun abgestürzt war oder gar abgeschossen wurde. Beide Konfliktparteien bezichtigten sich jedenfalls gegenseitig, das Zivilflugzeug abgeschossen zu haben. Am CBoT erlebte man einen wilden, sehr volatilen Handelstag. Weizen konnte infolge von Shortcovering ordentlich zulegen und anfangs Mais und Bohne mit nach oben ziehen. Am Ende gelang es aber nur dem Maismarkt, Teile der Zugewinne zu halten, die Bohne driftete südwärts.
 
Eines lässt sich aber trotz aller negativen Preisentwicklungen der letzten Zeit festhalten. Wir haben ein Niveau erreicht, das international die Importeure auf den Plan gerufen hat, um eine große Kaufwelle auszulösen. Auf diesem Preisniveau besteht offenbar überall das Bedürfnis, kaufseitig mit von der Partie sein zu wollen. Trotzdem regiert derzeit noch die Angebotsseite (Ernte) die Preisbildung.

Sojabohne ringt um die 11,- US$/bu-Marke

Die Bohne konnte gestern ihre zwischenzeitlichen Gewinne nicht verteidigen. Am Ende des Tages hatte sie im Novembertermin 9 ½ cts verloren und mit 10,92 ½ US/bu am Tagestief gesettelt. Das war eine extrem enttäuschende Performance, denn das Preisgeschehen zeigt an, dass die Bohne derzeit nicht imstande ist, bullische Außenfaktoren in eigene Gewinne umzumünzen. Die wöchentlichen US-Exportzahlen lagen in der Bohne bei 598,6 tsd Tonnen und damit innerhalb der Markterwartung. Das zusätzliche Exportgeschäft von 708 tsd Tonnen neuerntiger Bohnen Richtung China dürfte den Markt weitaus hellhöriger gemacht haben als die neutralen Wochenexporte. Im Grundsatz sind aber Käufe der Chinesen in dieser Größenordnung zur Normalität geworden, sodass man hiervon keine lang andauernde Unterstützung erwarten sollte.
 
Daneben sieht es im Mittleren Westen weiterhin hervorragend aus, die Bedingungen verheißen eine Rekordernte. Die Südkoreaner kauften gestern 120 tsd Tonnen Sojaschrot südamerikanischer Herkunft, die am Ende des laufenden bzw. am Anfang des kommenden Jahres angedient werden sollen.

Raps: Ex-Ernte-Termin preislich rettungslos verloren

An der Matif in Paris kamen die Bullen gestern schwer unter die Räder. Erst die Meldung der abgeschossenen Maschine in den Ostukraine sorgte für eine Preisrallye, die jedoch nicht in vollem Umfang in den Schluss hinein gerettet werden konnte. Man spürte an der Matif sofort, dass Raps am wenigstens dazu imstande sein würde, die Zugewinne zu untermauern. Nach deutlichen Preiseinbußen von etwa 5,- € drehte der Markt infolge der nachrichtlichen Turbulenzen ins Plus bevor man mit einem Verlust von 3,- €/mto bei 322,75 €/to schloss.
 
In Rumänien wundert man sich über die exzellenten Rapserträge und sieht offenbar die Notwendigkeit, Aufwärtskorrekturen vorzunehmen. Hinter vor gehaltener Hand spricht man von 50%igem Aufwärtskorrekturpotential. Angesichts dieser Entwicklungen ist man versucht, eine agrarische Marktweisheit zum Besten zu geben: Kleine Ernten werden kleiner, und große Ernten werden größer.
 
Die rumänische Rapsernte in 2014 wird wohl deutlich größer als eingangs angenommen. Die Druschergebnisse trudeln langsam aber sicher ein, und es wird deutlich, dass die gute Ertragslage kein regionales Phänomen ist, sondern sich über sämtliche Anbaugebiete erstreckt. Es hat fast den Anschein, als seien die fallenden Rapspreise Ursache und Wirkung ihrer selbst zugleich. Der Markt gebärdet sich immer bärischer und bärischer, und wird umso mehr bärisch, als dass einem kein Grund mehr einfallen will, noch bärischer zu werden. Frische rekordverdächtige Ernteprognosen können nicht mehr überraschen, denn wir haben ja bereits eine ganze Serie publizierter Rekordprognosen von ernst zunehmenden Analystenhäusern vorliegen. Neben den Kursen an der Börse sanken zusätzlich die Prämienniveaus am Kassamarkt und lassen keine Hoffnung auf substanziell steigende Preise zum Erntetermin mehr zu. Dieser Drops ist gelutscht!

Weizen: Kriegsangst treibt Kurse

Im Weizen hat sich der spekulative Marktanteil im Zuge des Abwärtstrends sicherlich auf der Shortseite vollgesogen, sodass eine grundsätzliche Anfälligkeit für Shortcoveringrallyes besteht. Addiert man hinzu, dass der Fortschritt der US-Winterweizenernte seinen Zenith weit überschritten hat und infolgedessen ein saisonales Erntetief fällig ist, nimmt es nicht mehr wunder, dass gerade dieser Markt am stärksten auf die Meldung aus der Ukraine reagierte.
 
Der September legte gestern 13 ½ cts/bu zu und settelte bei 5,51 ¼ US%/bu. Die wöchentlichen Exporte der USA blieben mit 320,7 tsd Tonnen hinter den Erwartungen zurück und sorgten bei den Bullen nicht für einen stimmungsaufhellenden Effekt. Die Türkei kaufte gestern im internationalen Geschäft 235 tsd Tonnen Mahlweizen, wobei hinsichtlich der Herkunft keine eindeutigen Angaben gemacht wurden. Der Liefertermin soll Juli-September sein.
 
Nachdem das russische Agrarministerium die Getreideernte des Landes am Mittwoch mit 100 mio Tonnen auswies, folgten gestern private Schätzungen. IKAR sieht die russische Getreideernte nun bei 98 mio Tonnen (zuvor 96 mio to) und SovEcon hob seine Schätzung auf 92-93 mio to an. Zuletzt wies SovEcon 89 mio to aus. Im benachbarten Kasachstan geht das Ministerium für die laufende Kampagne von einer Getreideproduktion von 18 mio Tonnen aus. Die Firma Tallage hat gestern im Rahmen seiner Strategie Grains ihre jüngsten Prognosen vorgelegt. Im Hause Tallage sieht man die europäische Weizenernte nun bei 140,5 mio Tonnen, was 1 mio to über der letzten Schätzung lag. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das eine um 4% üppigere Ernte.
 
Sollte es in der Ukraine zu einer Verschärfung des Konflikts mit Russland kommen, könnte dies natürlich das Exportpotential beider Länder einschränken. In diesem Falle würde sich die internationale Nachfrage verstärkt auf die EU richten, die zwar eine sehr gute Ernte erwartet, aber immernoch eine der knappsten Weizenversorgungsbilanzen sämtlicher Exporteure besitzt. Hieraus ergibt sich eine schwelbrandige Anfälligkeit für steigende Kurse. Insbesondere dann, wenn eine Nachricht wie gestern im Markt einschlägt.
 
An der Matif kam es zu rasant steigenden Kursen, die am Ende des Tages einen Gewinn von 4,- € im November zurückließ. Der Schlusskurs lag bei 183,- €/mto.

Mais gibt Gewinne wieder ab

Der Dezembertermin am CBoT legte gestern ¼ cts/bu zu und settelte bei 3,86 ¾ US$/bu. Die Maispreise erlagen gestern der magnetischen Wirkung der steigenden Weizenpreise und segelten in deren Windschatten nordwärts. Nach der anfänglichen Panik beruhigte man sich aber wieder und erinnerte sich der guten Produktionsbedingungen im Mittleren Westen. Der Markt gab seine Gewinne wieder her und settelte etwa auf Vortagesschlussniveau. Die wöchentlichen Exportzahlen der USA lagen beim Mais immerhin bei 1,07 mio Tonnen und damit über den Erwartungen. Kurzzeitig konnte man auf der Kaufseite des Marktes hieraus etwas Hoffnung schöpfen, aber an eine nachhaltige Preisbefestigung war nicht zu denken.
 
Neben den 235 tsd Tonnen Weizen kauften die Türken gestern noch 200 tsd Tonnen Futtergerste, die ebenfalls ab Juli angedient werden können. Im Hause Tallage hat man die europäische Maisernte gestern mit 66,4 mio Tonnen veranschlagt und verbesserte seine vorherige Prognose um 500 tsd Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr würde damit eine um 3% bessere Körnermaisernte eingefahren. Bei der Gerste geht Tallage nun von einer Erntemenge von 56,2 mio Tonnen aus, was eine Aufwärtskorrektur um 700 tsd Tonnen bedeutete. Dennoch liegt man aufgrund der geringeren Fläche 6% unter der Vorjahresernte.
 
Seit gestern kursieren Gerüchte, dass sich die Chinesen die weltweit gefallenen Preise zunutze gemacht und heimlich still und leise bis zu 2 mio Tonnen Mais international eingekauft haben. Diese Gerüchte haben sicherlich noch nicht den Charakter von Fakten angenommen, aber sie haben hundertprozentig eine solide Grundlage.
 
An der Matif legte der Novembertermin 1,50 € zu und settelte bei 165,- €/mto glatt.

Eurex: Kartoffel greift die 10,-€-Marke an und scheitert

An der Frankfurter Eurex hat der Veredelungserdapfel gestern die 10,- €/dt-Marke angegriffen. Nach optimistischem Start verzeichnete man den Höchstkurs bei 10,10 €/dt; hiernach setzte aber sogleich Verkaufdruck ein, der die Preise purzeln ließ. Bei einem Umsatz von insgesamt 150 Kontrakten büßte der Apriltermin 2015 unterm Strich 0,40 €/dt ein und settelte bei 9,50 €/dt. Der Kassamarkt war nicht willens, seinen abwartenden Charakter abzustreifen und in Tatendrang zu verfallen. Das preisbildnerische Geschehen beschränkte sich auf die Börse. Die Schweinebande und die Milchprodukte blieben bedauerlicherweise ohne Umsatz zurück.

Zucker: Thailändische Zuckerproduktion größer erwartet

Der thailändische Staat erwartet im neuen Zuckerwirtschaftsjahr eine Rekordzuckerernte im Land. Es wird erwartet, dass sich die Farmer tendenziell vom Reisanbau abwenden und vermehrt Zuckerrohr produzieren. Die staatliche Prognose liegt derzeit bei 105 mio Tonnen Zuckerrohr, die zu 12 mio Tonnen Rohzucker verarbeitet werden sollen. Das wäre ein neuer Produktionsrekord für Thailand. Der zu erwartende Mehrertrag in Thailand würde das globale Versorgungsdefizit schrumpfen lassen. An der Börse in New York durchbrachen die Notierungen des Oktobertermins erstmalig seit dem Februar dieses Jahres die Marke von 17 cts/Pfund. Nach einem Verlust von 0,15 cts/Pfund settelte der Oktobertermin bei 16,62 cts/Pfund.

DAX setzt wieder zurück

Den DAX verschreckte die russisch/ukrainische Entwicklung, zumal deutsche Unternehmen, die in Russland stark engagiert sind, wirtschaftlich zu leiden haben. Der Index gab zu Handelsschuss über 100 Punkte nach und sattelte bei 9753,88 Zählern.
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