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Börsentelegramm

Kälteeinbruch in den USA stützt Preise

von , am
06.01.2014

Mit Preisaufschlägen für Weizen, Mais, Soja und Raps startet der elektronische vorbörsliche Handel an den Terminmärkten in Übersee in die erste volle Handelswoche des neuen Jahres.

© kk artworks/fotolia
 
Mit Preisaufschlägen für Weizen, Mais, Soja und Raps startet der elektronische vorbörsliche Handel an den Terminmärkten in Übersee in die erste volle Handelswoche des neuen Jahres. Dies dürfte erst einmal auch die Kurse in Europa stützen. Grund für den Preisanstieg ist der extreme Kälteeinbruch in großen Teilen der USA, der nicht nur die Hauptanbaugebiete von Winterweizen betrifft sondern weit in Süden bis nach Texas und Florida reicht. Zwar ist in vielen Regionen eine Schneedecke vorhanden, jedoch sind die Temperaturen teilweise deutlich unter Minus 20 Grad Celsius gefallen. Am ersten Handelstag nach dem Jahreswechsel waren die Weizenpreise in den USA zunächst auf den tiefsten Stand seit knapp 20 Monaten gefallen und hatten sich dann erst mit der extremen Kältewelle erholt. Anhaltenden Druck auf die Preise für Mais und vor allem für Soja verursacht indessen der anhaltende Regen und die ausgezeichneten Wachstumsbedingungen in Argentinien und Südbrasilien, was eine Rekordernte in Südamerika immer wahrscheinlicher macht. Darüber hinaus rechnen US-Analysten damit, dass das USDA die endgültigen Ernteergebnisse für Mais in seinem Monatsreport nach oben korrigiert, was eine noch bessere als schon erwartete Ernte bedeuten würde.
 
Schwacher Start ins Neue Jahr
Die Weizenpreise am Terminmarkt in Chicago waren am ersten Handelstag im neuen Jahr (02. Januar) zunächst unter die psychologisch und technisch wichtige Marke von 600 Ct/bu auf nur noch 597 Ct/Buschel gefallen und damit auf den tiefsten Stand seit knapp 20 Monaten (Mai 2011). Hauptgrund für den Preisdruck war das gewaltige Angebot an sehr preiswertem Weizen vom nördlichen Nachbarn Kanada, mit dem der US-Weizen sowohl am Binnenmarkt als auch im Export konkurrieren müssen. Die extreme Kältewelle in den USA hat die Weizenpreise dann jedoch gestützt, denn immer mehr Analysten befürchten, trotz einer Schneedecke in den Hauptanbaugebieten, wegen der extrem niedrigen Temperaturen von teilweise unter Minus 20 Grad Celsius, größere Frostschäden an den Weizen-Beständen.
 
US-Preise wegen Kältewelle leicht erholt
Am Freitag (03.01) erholten sich die Weizenpreise in Chicago (SRW) für den aktuellen Märzkontrakt aufgrund der befürchten Frostschäden um rund 1,5 % auf umgerechnet 163,6 Euro/t (605,6 Ct/Bu) und der Maikontrakt kostete rund 165 Euro (611,2 Ct/bu). Im vorbörslichen elektronischen Handel notierte der Märztermin am Montag Vormittag (06.01) nochmals etwas höher bei knapp 165 Euro/t (609 Ct/Bu) und der Mai bei umgerechnet knapp 166 Euro/t (614 Ct/bu). Im Vergleich zum letzten Tiefstand vom Jahresbeginn (02.01) haben sich die US-Weizenpreise damit um knapp 2 % erholt. Dennoch lagen die Weizenpreise in Chicago für die Termine März bis September 2014 weiterhin unterhalb der Marke von 170 Euro/t (639 Ct/bu). Seit Anfang Dezember haben die US-Weizen-Preise (SRW) damit knapp 10 Prozent nachgegeben und seit Ende Oktober beträgt der Preisrückgang sogar 15 %. Trotz der jüngsten Preiserholung befinden sich die US-Weizenpreise technisch gesehen weiter unter dem 20- und unter dem 40-Tage-Durchschnitt. Der 10-Tage-Durchschnitt von 607 Ct/bu wird jedoch in etwa erreicht.
 
Kanadischer Brot-Weizen etwas teurer
Der in Kansas gehandelte US-Brotweizen (HRW) beendete den Handel am Freitag (03.01) für den Märzkontrakt mit umgerechnet 173,6 Euro/t (642,4 Ct/bu) und für den Mai mit 174 Euro (644,2 Ct/bu) und damit ebenfalls knapp 2 % fester als am ersten Handelstag im neuen Jahr. Beim US-Sommerweizen aus Minneapolis kostete der Märzkontrakt am US-Terminmarkt umgerechnet 170 Euro/t (630,4 Ct/bu) und der Mai 173 Euro/t (640 Ct/bu). Im elektronischen vorbörslichen Handel lagen die Weizenpreise in den USA am Montag Vormittag (MEZ) erneut leicht im Plus. Auch in Kanada haben sich die Weizenpreise mit dem anziehenden US-Markt etwas erholt. In Winnipeg wurde Brotweizen für den Märztermin mit umgerechnet knapp 127 Euro/t gehandelt (183 CAD) und der Maitermin kostete noch 132 Euro/t (191 CAD). Kanadischer Hartweizen wurde für den Märztermin mit 167 Euro (242 CAD) und für den Mai mit 170 Euro/t (246 CAD) notiert.
 
Europäischer Weizen behauptet sich
In der Europäischen Union haben sich Preise für Weizen an den ersten Handelstagen des neuen Jahres sowohl am Terminmarkt als auch an den wichtigsten physischen Handelsplätzen kaum verändert. Am Freitag (03.01) kostete der Weizen für den Januar an der MATIF 208 Euro und für den März 202 Euro/t. Gegenüber Ende Dezember (27.12) waren die Weizenpreise allerdings um 3 bis 4 Euro niedriger. Gleichzeitig hat jedoch der Euro wieder etwas nachgeben, was die Wettbewerbsfähigkeit von europäischem Weizen im Export wieder etwas verbessert hat. Während der Eurokurs am 27.12 noch bei 1,379 USD lag, waren es am 03. Januar „nur“ noch 1,36 USD. Am Kassamarkt haben die (nominellen) Weizenpreise bei geringem Umsatz zuletzt leicht nachgegeben. Am Großmarkt in Hamburg handelte man Brotweizen am Freitag (03. Januar) mit 206 Euro/t (-2). Futterweizen zur Lieferung im Januar kostete in Hamburg 201 Euro/t (-2) und A-Weizen wurde mit 209 Euro/t (-1) notiert. In Frankreich wurde Brotweizen im neuen Jahr unverändert (fob-Rouen) mit 202 Euro/t (0) notiert.
 
Maispreise in den USA bleiben unten
Die Maispreise haben sich in den USA am letzten Freitag leicht erholt. Gründe dürften ein überverkaufter Markt sowie die etwas festeren Weizenpreise sein. Die weiter verbesserten Ertragsaussichten (Regenfälle) in Südamerika dürften den Preisanstieg indessen begrenzen. Hinzu kommt, dass einige US-Analysten (Informa Economics) am kommenden Freitag mit dem anstehenden USDA-Report eine Korrektur der letzten US-Maisernte nach oben erwarten. Damit wären die aktuelle US-Produktion, die Bestände und die Versorgung noch besser als schon gedacht. Hinzu kommen die anhaltenden Befürchtungen über weitere Rücksendungen von genverändertem US-Mais (MIR 162) durch China.
 
Mais: Zur Zeit kaum Aufwärtspotential
Am US-Terminmarkt in Chicago kostete der Märztermin am letzten Freitag (03.01) umgerechnet 122,5 Euro/t (423,4 Ct/bu) und der Mai knapp 125 Euro (431,6 Ct/bu). Trotz der leichten Erholung bewegte sich der Märzkontrakt technisch gesehen weiter unter der 10-Tage-Linie (427 Ct) und lag zudem deutlich unter der 20- und 40-Tage-Linie. Technische Analysten sehen derzeit bei 418 Ct/bu (121 Euro) sowie bei 410 Ct/bu (119 Euro) die wichtigsten (nächsten) Unterstützungslinien. Seit Mitte Dezember haben die US-Mais-Preise um gut 3 Prozent nachgegeben und seit Ende September beträgt der Preisrückgang knapp 10 %. Am Monatg Vormittag (MEZ) lagen die Kontraktpreise im vorbörslichen elektronischen Handel in den USA leicht im Plus.
 
Europäische Maispreise eher schwächer
In Europa haben die Maispreise am letzten Freitag leicht nachgegeben. Die Kontraktpreise für den Januartermin lagen bei 172,50 Euro/t und für den März bei 174,75 Euro. Damit hat sich der vordere Maiskontrakt gegenüber der letzten Dezemberwoche allerdings nur wenig verändert und der Märztermin ist etwas billiger. Im Großhandel bewegten sich die Maispreise in Frankreich am Freitag zwischen 163 Euro und 168 Euro (0). An den französischen Rheinhäfen kostete Mais unverändert 178 Euro/t (0). Am Großmarkt in München (ab Station) lagen die Maispreise für Ende Dezember zwischen 180 Euro und 188 Euro und in Mannheim zwischen 185 Euro und 187 Euro (ab Station). In Hamburg wurde der Mais zuletzt für 195 Euro angeliefert. (+2).
 
Soja: Starke US-Exporte können Preise nur stabilisieren
Die Preise für Sojabohnen haben am US-Terminmarkt in Chicago am Freitag (03.01) ganz leicht zugelegt. Grund waren die erneut über den Erwartungen liegenden Exportzahlen der US-Amerikaner. Während Analysten für die letzten Jahreswoche Ausfuhren von 0,4 bis 0,9 Mio. t geschätzt hatte meldete das USDA für die letzte Woche Exporte von 0,943 Mio. t. Insgesamt haben die Amerika damit in diesem Wirtschaftsjahr schon 40,6 Mio. t Soja ins Ausland verkauft und damit rund 10 Mio. t mehr im letzten und eben so viel wie das USDA bisher für das gesamte Wirtschaftsjahr erwartet. Gleichzeitig werden die Bohnenpreise jedoch durch die Entwicklung in Südamerika in Schach gehalten. Anhaltende Regenfälle sowie nahezu optimales Wetter in Argentinien und Südbrasilien verbessern die Ernte- und Exportaussichten für die beiden südamerikanischen Länder. Damit zeichnet sich auch eine deutliche Entspannung der globalen Versorgungslage ab dem Frühjahr ab. Der Januarkontrakt für Sojabohnen beendete den Handel am Freitag (03.01) am US-Terminmarkt in Chicago mit umgerechnet 348 Euro/t (1289,2 Ct/bu) und der Märztermin kostete 343 Euro/t (1271 Ct/bu). Damit kosteten die Bohnen gut 3 % weniger als Ende Dezember und sogar gut 5 % weniger als Mitte Dezember. Die letzte Preisspitzte von Anfang September wird um 8 % verfehlt. Am Montag Vormittag (MEZ) bewegten sich die Sojapreise im vorbörslichen elektronischen Handel in den USA leicht im Minus.
 
Kanadischer Raps bewegt sich seitwärts
Die Rapspreise in Kanada haben in den ersten beiden Handelstagen des neuen Jahres behauptet bzw. leicht zugelegt. Mit umgerechnet nur noch 299 Euro/t (433,10 CAD) lag der Januartermin in Kanada (trotz des etwas schwächeren Euros) immer noch knapp unter die Marke von 300 Euro. Der Märzkontrakt wurde mit 305 Euro (450 CAD) weiterhin knapp über der 300-Euro-Marke gehandelt. Am Montag Vormittag (MEZ) lagen die kanadischen Rapsreise im vorbörslichen elektronischen Handel allerdings leicht im Plus.
 
Rapspreise in Europa kaum verändert
Die Rapspreise in Europa haben am letzten Freitag (03.01) für den vorderen Termin leicht zugelegt. Der Februartermin beendete den Handel mit 366,50 Euro und der Maikontrakt mit 362 Euro. Damit kostete der Februar-Raps in Paris rund 1,25 Euro weniger als am Vortag, aber gut 1 Euro weniger Ende Dezember. Der Maikontrakt hat gegenüber der letzten Dezemberwoche Vorwoche sogar 3 Euro verloren. Am Montag Vormittag (06.01) bewegten sich die vorderen Kurse an der Matif zunächst leicht im grünen Bereich (+1).
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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