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Börsentelegramm

Matif-Weizen im Rückwärtsgang

von , am
08.04.2015

An der europäischen Leitbörse Matif haben die Weizenkontrakte am ersten Handelstag nach Ostern weiter Federn lassen müssen. So verbilligte sich der Frontmonat (Mai) im Verlauf des Handelstages um 1,2 % beziehungsweise 2,25 Euro/t auf 191,50 Euro/t. Der neuerntige Septemberkontrakt gab um den gleichen Betrag auf 191 Euro/t glatt nach.

© landpixel
Für Kursdruck sorgen unter anderem die ergiebigen Niederschläge in den mitteleuropäischen Anbauhochburgen, die nicht nur hierzulande, sondern auch in Frankreich eine sehr ordentliche Weizenernte erwarten lassen. Andererseits sind die Böden in Rumänien, Bulgarien und Italien gebietsweise gesättigt, so dass es vereinzelt schon zu Überflutungen kommt. Das nährt in Südosteuropa die Sorge um schwache Weizenqualitäten. Auch für Russland lässt Regen Optimismus für die zu trockenen Bestände im Süden erwarten. Hier sind jedoch in den nächsten Wochen weitere Niederschläge notwendig, um nach Auswinterungen die wie üblich optimistisch geschätzte Erntemenge von 93 Mio. t zu schaffen.
 
Hebt Moskau die Exportsteuer auf?
 
Aus Moskau mehren sich Meldungen, dass die Exportzölle auf Weizen zum 30. Juni auslaufen könnten. Sollte es so kommen, hätten die Europäer ab dem Sommer wieder mit verstärkter Exportkonkurrenz zu rechnen. Auch das drückt auf die Weizennotierungen an der Matif. Wer mit den aktuell aufgerufenen Preisen - also Matif um 190 Euro/t - seine Produktionskosten decken kann, sollte jetzt über die Absicherung von Mindestpreisen - zum Beispiel mit den an der Börse gehandelten Putoptionen - nachdenken. Denn am Donnerstag erscheint der neue USDA-Report mit frischen Zahlen zum globalen Weizenmarkt. Der dürfte einmal mehr bestätigen, dass weltweit mehr als ausreichend Weizen vorhanden ist, so dass weitere Kursabschläge bei unserem wichtigsten Nahrungsgetreide programmiert sind.
 
Raps kann sich halten
 
Wenig fundamental Neues gibt es am Rapsmarkt: Die gute Niederschlagsversorgung der letzten Wochen hat bei uns eine solide Grundlage für erneut hohe Erträge gelegt. Andere Signale kommen aus der Ukraine. Dort ist aufgrund einer dezimierten Anbaufläche für 2015 mit einer deutlich kleineren Rapsmenge als im Jahr davor (minus 17 % auf 2,35 Mio. t) zu rechnen. Durch den Währungsverfall haben sich Betriebsmittel wie Diesel, Dünger oder Pflanzenschutzmittel kräftig verteuert, so dass die Anbauintensität zurückgefahren werden dürfte.
 
Die wieder einmal riesige südamerikanische Sojaernte kommt mehr und mehr in den Export. Das lässt dem an der Weltleitbörse von Chicago (CBoT) gehandelten Sojakomplex - Bohne, Schrot und Öl - wenig Luft nach oben. Gemessen daran konnten sich die in Paris gehandelten Rapsfutures zuletzt ganz gut halten. Am gestrigen Dienstag verteuerte sich der Frontmonat Mai um 25 Cent auf 364 Euro/t glatt. Neue Ernte (August 2015) verteuerte sich im Handelsverlauf um 0,75 Euro auf 356 Euro/t. Um dieses Niveau pendelt der neuerntige Raps nun schon etliche Monate.
 
Damit es zu einem Kursausbruch nach Norden kommt, muss sich schon ein handfester Wettermarkt etablieren, zum Beispiel durch Witterungskapriolen, die die Ertragserwartungen für die nächste US-Sojabohnenernte schmälern. Ein solcher Wettermarkt ist derzeit aber nicht in Sicht.
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