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Börsentelegramm

Preise brechen nach oben aus, Märkte sortieren sich neu

von , am
01.07.2015

Solch einen rasanten Preisanstieg bei Getreide und Ölsaaten hat es schon lange nicht gegeben.

© tom - Fotolia.com
 
Solch einen rasanten Preisanstieg bei Getreide und Ölsaaten hat es schon lange nicht gegeben. In wenigen Tagen durchbrachen die Preise alle wichtigen technischen Marken nach oben und erreichten für dieses Wirtschaftsjahr nicht erwartete Höchststände. Der Markt hat die aktuelle und für die nächsten Monate erwartete Versorgungslage offenbar völlig neu interpretiert und die Preise an diese veränderten Bilanzen angepasst.
 
Am gestrigen Dienstag Abend veröffentlichte das US-Landwirtschaftsministerium neuen aktualisierte Daten zur Anbauentwicklung bei Weizen, Mais und Soja für die Ernte 2015 und hat die Märkte überrascht. Bei Mais, Soja und Winterweizen lagen die Aussaat-flächen zum Teil deutlich unter den Erwartungen der Analysten. (Bei Sommerweizen und Durum übertrafen die Aussaatfläche jedoch die Erwartungen)
 
Rallye bei Getreide und Ölsaaten
Außerdem zeigte der gleichzeitig veröffentlichte Quartalsbericht über die Entwicklung der US-Lagerbestände sehr deutlich unter den Markterwartungen liegende Bestände bei Mais und Sojabohnen (nicht bei Weizen). Allerdings sind diese Bestände durchweg deutlich größer als im letzten Jahr zu diesem Termin. Die Folge der beiden USDA-Reports war ein ungewöhnlich starker Anstieg der vorderen US-Maispreise um 8 % und für die neue Maisernte um 7,3 %.
 
Die Sojapreise schossen ebenfalls um 5,4 % nach oben und legten für die neue Ernte um 5,8 % zu und die Weizenpreise in Chicago kletterten um weitere 5,9 % nach oben und stiegen für die neue Ernte um 5,5 %. Auch in Europa stiegen die Preise am Dienstag bei Weizen über 200 Euro, bei Mais auf 187 Euro und bei Raps auf 397 Euro. In den USA beginnt der vorbörsliche Handel am Mittwoch zunächst mit Gewinnmittnahmen bei Weizen und Soja und stabilen Maispreisen.
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USA: Weizenpreise steigen um 5,9 %
Am gestrigen Dienstag (30.06) haben die Weizenpreise am Terminmarkt in Chicago einen gewaltigen Sprung nach oben gemacht. Der Julikontrakt für den Chicago-Weizen (SRW) legte um 5,9 % auf 614,6 Ct je Buschel (202,5 Euro/t) zu und durchbrach zudem erstmals in diesem Jahr die 600 Cent-Marke nach oben. Die neue Ernte (September) notierte 5,5 % höher bei 615,6 Cent je Buschel (202,8 Euro/t). Damit ist der Chicago-Weizen jetzt ähnlich teuer wie der Weizen an der MATIF (und im Export kaum noch konkurrenzfähig) und zudem teurer als der proteinreiche Weizen aus Kansas.
Für den in Kansas gehandelten proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter stiegen die Preise am Dienstag um 3,8 % auf 593,2 Cent je Buschel (195,4 Euro). Die neue Ernte (September) notierte 4,9 % höher bei 610,2 Cent je Buschel (201 Euro/t).
 
Am Mittwoch Vormittag (MEZ) liegen die Weizenpreise (Julikontrakt) in Chicago im vorbörslichen Handel 1,1 % im Minus bei 608 Cent je Buschel (200,3 Euro/t). Für den in Kansas gehandelten proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter geben die Preise am Mittwoch Vormittag um 1,0 % auf 587,4 Cent je Buschel (193,5 Euro) nach.
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USA: Maispreise steigen um 8 %, Soja klettert um 5,4 %
Am gestrigen Dienstag (30.06) sind die Maispreise am Terminmarkt in Chicago um 8,0 % auf 414 Cent je Buschel (146 Euro/t) nach oben geschossen. Die neue Ernte (Dezember) notierte 7,3 % höher bei 431,4 Cent je Buschel (152,4 Euro/t). Am Mittwoch Vormittag (MEZ) liegen die vorderen Maispreise in Chicago im vorbörslichen Handel erneut 0,2 % im Plus bei 415 Cent je Buschel (146,6 Euro/t).
 
Die Sojabohne (Julikontrakt) ist am gestrigen Handelstag um 5,4 % auf 1056,2 Cent je Buschel (348 Euro/t) gestiegen. Die neue Ernte (November) notierte 5,8 % höher bei 1037,2 Cent je Buschel (342 Euro/t). Am Mittwoch Vormittag (MEZ) liegen die vorderen Sojapreise 0,3 % im Minus bei 1053,4 Cent je Buschel (347 Euro).
 
Für Sojaschrot (Julikontrakt) sind die Preise am Dienstag um 5,2 % auf 359,5 USD/st (355 Euro/t) gestiegen. Für Sojaöl (Julikontrakt) haben die Preise am Dienstag um 1,5 % auf 33,56 Ct/lb (663 Euro/t) zugelegt.
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Weizenpreise erstmals in diesem Jahr über 200 Euro
Am Dienstag (30.06) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt im Sog der steigenden US-Preise weiter gestiegen und haben dabei erstmals in diesem Jahr die Marke von 200 Euro durchbrochen. Der Septembertermin (neue Ernte) notiert am Dienstag bei 201,25 Euro/t und damit 2,75 Euro bzw. 1,4 % höher als am Vortag (198,50 Euro). Der Dezemberkontrakt für den MATIF-Weizen ging am Dienstag mit 202,75 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zum Vortag (199,75 Euro) hatten die Preise damit um 1,5 % oder 3,0 Euro zugelegt.
 
Die Weizenpreise vom Vorjahr (188,25 Euro) werden am europäischen Terminmarkt derzeit um 13,0 Euro übertroffen. Am heutigen Mittwoch dürften die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt zum Handelsbeginn durchaus noch etwas zulegen, denn sie sind am Dienstag bei weitem nicht so kräftig gestiegen wie der US-Weizen.
 
Maispreise steigen in Riesensprüngen
Am Dienstag sind die Maispreise am europäischen Terminmarkt weiter sehr kräftig gestiegen. Der vordere Augustkontrakt beendete den Handel mit 186,75 und damit 8,0 Euro bzw. 4,5 % höher als am Vortag (178,75 Euro). Die neue Ernte (November) kostete am Dienstag 188,0 Euro und damit 7,25 Euro mehr als am Vortag (180,75 Euro). Außerdem waren die Preise für die neue Ernte 1,25 Euro höher als für den vorderen Augustkontrakt (alte Ernte).
 
Im Vergleich zum Vorjahr (179,50 Euro) waren die Maispreise am europäischen Terminmarkt am Dienstag 7,25 Euro höher. Am heutigen Mittwoch könnten die Maispreise am europäischen Terminmarkt zum Handelsbeginn noch etwas zulegen .
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Rapspreise erreichen 400-Euro-Marke
Die Rapspreise sind am Dienstag am europäischen Terminmarkt ebenfalls kräftig gestiegen. Der Augustkontrakt (neue Ernte) wurde mit 397,25 Euro gehandelt und damit zu 5,25 Euro höheren Preisen als am Vortag (392) sowie nur noch knapp unter der Marke von 400 Euro. Der Novemberkontrakt wurde mit 401,50 Euro gehandelt und damit 5,75 Euro höher als am Vortag (395,75). Und über der 400-Euro-Marke.
Im Vergleich zum Vorjahr (347,75 Euro) waren die Rapspreise am europäischen Terminmarkt am Montag 50,0 Euro (!!) höher.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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