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Börsentelegramm

Preisrallye: Weizen über 200 Euro, Mais über 180 Euro

von , am
30.06.2015

Am Montag reagierten die internationalen Terminmärkte erneut sehr heftig auf die Auswirkungen der Witterungsverhältnisse in Nordamerika und in Europa.

© Gina Sanders/fotolia.de
 
Am Montag reagierten die internationalen Terminmärkte erneut sehr heftig auf die Auswirkungen der Witterungsverhältnisse in Nordamerika und in Europa. In Chicago lösten vor allem die fortgesetzten Regenfälle im Mittelwesten und im Nordosten der USA einen weiteren Preissprung beim Weizen aus. In Europa stiegen sowohl die Weizenpreise als auch Maispreis sehr kräftig. Dabei gingen die Analysten für die USA von einer weiteren Verschlechterung des Crop-Ratings und damit des Ertragspotentials bei Weizen, Mais und Soja aus. Hinzu kamen jetzt auch technische Reaktionen (Auflösung Short Positionen) vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Preise.
 
Ertragseinbruch bei Mais und Soja wie 1993?
In den USA verzögern die extremen Regenfälle weiterhin die laufende Weizenernte, mindern die Qualität des Weizens und erhöhen den Krankheitsdruck. Auch die Sojaaussaat konnte nicht vollständig abgeschlossen werden. Dem Mais fehlen zum Wachstum zudem Dünger und Wärme. Bei beiden Kulturen befürchtet man zudem Flächenverluste durch überflutete Felder. Viele Analysten vergleichend die Situation mittlerweile mit dem extremen Jahr 1993 als die Mais- und Sojaerträge bei ähnlichen Verhältnissen drastisch einbrachen.
 
Sinkende Ernteerwartungen in Europa
Aus Europa berichteten verschiedene Analystenhäuser (ADM, Coceral) in der letzten Woche ebenfalls über witterungsbedingt sich weiter verschlechternde Ertrags- und Ernteerwartungen bei Getreide und Ölsaaten und sorgten damit auch hierzulande für sehr kräftig steigende Preise bei Weizen und Mais.
 
Die EU-Kommission reduzierte zudem zum Monatswechsel ihre Ernteprognosen bei Weizen auf weniger als 140 Mio. t und auch bei Gerste setzte man die Ernteschätzung im Vergleich zum Vormonat sehr deutlich nach unten. Aus Frankreich (FranceAgrimer) meldete man am Ende der vorigen Woche ebenfalls eine weitere Verschlechterung des wöchentlichen Crop-Ratings (Trockenheit) bei Weizen und Sommergerste.
 
Crop-Rating beim US-Winterweizen unverändert
Keine weitere Verschlechterung des Crop-Ratings beim US-Winterweizen brachte am gestrigen Montag Abend (29.06) überraschenderweise der Crop-Monitoring-Bericht des USDA. Gleichzeitig hat sich das Crop-Rating beim Sommerweizen erneut etwas verbessert. Das USDA stufte weiterhin 41 % der Winterweizen-Bestände als gut oder sehr gut ein. Das sind eben so viel wie vor einer Woche (41 %) und weiterhin noch 11 Prozentpunkte mehr als im letzten Jahr (2014) als sich wegen einer extremen Trockenheit nur 30 % der Bestände in gutem und sehr gutem Zustand befanden.
 
Beim Sommerweizen wurden diese Woche 72 % als gut oder sehr gut eingestuft und damit nochmals ein Prozentpunkt mehr als in der Vorwoche (71) und 1 Prozentpunkt mehr als im Jahr zuvor (71).
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Weizenernte witterungsbedingt langsam
Von den drei Top-Anbaustaaten von Winterweizen beurteile man die Weizenbestände in Texas zu 47 % (Vw: 47) als gut und sehr gut, in Oklahoma zu 29 % (Vw: 33 %), in Kansas zu 32 % (Vw: 30 % ). Insgesamt waren bis zum 28. Juni rund 38 % der Winterweizenflächen abgeerntet, im Vergleich zu 19 % in der Vorwoche. Das war trotz des Fortschritts ein langsameres Erntetempo als im vorigen Jahr (42 %) und vor allem als im langjährigen Mittel (46 %).
 
In Texas waren Ende der letzten Woche 70 % (Vj: 78 %) der Flächen abgeerntet, in Oklahoma lag der Erntefortschritt bei 83 % (Vj. 89 %) und in Kansas bei 48 % (Vj . 60 %). Im Nordosten, in Illinois (Chicago-Weizen), waren erst 38 % der Weizenernte eingebracht, gegenüber 59 % im langjährigen Mittel.
 
Crop-Rating bei Mais und Soja weiter verschlechtert
Beim Mais stufte USDA Ende der letzten Woche 68 % der Bestände als gut oder sehr gut ein und damit 3 Prozentpunkte weniger vor einer Woche (71 %) und 7 Prozentpunkte weniger als im letzten Jahr (75 %). In den drei Top-Anbaustaaten beurteile man die Maisbestände in Iowa zu 83 % (Vw. 83 %) als gut und sehr gut, in Illinois zu 52 % (Vw: 70 %), in Nebraska zu 70 % (Vw: 69 %).
 
Die Sojaaussaat kommt witterungsbedingt (Regen) nur schleppend zum Abschluss und war zu 94 % beendet (90 % in der Vorwoche) und liegt damit weiter unter den langjährigen Mittelwert von 97 %. Das USDA stufte am 28. Juni 63 % der US-Soja-Bestände als gut oder sehr gut ein und damit 2 Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche (65 %) und 9 Prozentpunkte weniger als im letzten Jahr (72 %).
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USA: Weizenpreise am Montag kräftig gestiegen
Am gestrigen Montag (29.06) sind die Weizenpreise am Terminmarkt in Chicago nochmals sehr kräftig gestiegen. Der Julikontrakt für den Chicago-Weizen (SRW) legte um 3,3 % auf 580,4 Ct je Buschel (189,4 Euro/t) zu. Die neue Ernte (September) notierte 2,7 % höher bei 583,4 Cent je Buschel (190,4 Euro/t). Für den in Kansas gehandelten proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter stiegen die Preise am Montag um 2,2 % auf 571,4 Cent je Buschel (186,5 Euro). Die neue Ernte (September) notierte 2,2 % höher bei 581,4 Cent je Buschel (189,8 Euro/t).
 
Am Dienstag Vormittag (MEZ) liegen die Weizenpreise (Julikontrakt) in Chicago im vorbörslichen Handel 0,4 % im Plus bei 583 Cent je Buschel (190,3 Euro/t). Für den in Kansas gehandelten proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter steigen die Preise am Dienstag Vormittag indessen um 0,6 % auf 575 Cent je Buschel (187,7 Euro).
 
USA: Mais steigen am Dienstag, Soja etwas schwächer
Am gestrigen Montag (29.06) sind die Maispreise am Terminmarkt in den USA um 0,5 % auf 383,2 Cent je Buschel (134 Euro/t) zurückgegangen. Die neue Ernte (Dezember) notierte unverändert bei 402,2 Cent je Buschel (140,6 Euro/t). Am Dienstag Vormittag (MEZ) liegen die Maispreise in Chicago im vorbörslichen Handel erneut 1,1 % im Plus bei 387,4 Cent je Buschel (135,5 Euro/t).
 
Die Sojabohne (Julikontrakt) hat den gestrigen Handelstag unverändert mit 1002,4 Cent je Buschel (327 Euro/t) beendet. Die neue Ernte (November) notierte 0,6 % niedriger bei 980,0 Cent je Buschel (320 Euro/t). Am Dienstag Vormittag (MEZ) liegen die Sojapreise 0,7 % im Minus bei 995,6 Cent je Buschel (325 Euro).
 
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Weizenpreise steigen am Dienstag über 200 Euro
Am Montag (29.06) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt weiter kräftig gestiegen und haben dabei die Marke von 200 Euro nur knapp verfehlt. Der Septembertermin (neue Ernte) notiert am Montag bei 198,50 Euro/t und damit 4,25 Euro bzw. 2,2 % höher als am Vortag (194,25 Euro).
Der Dezemberkontrakt für den MATIF-Weizen ging am Montag mit 199,75 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zum Vortag (196,0 Euro) hatten die Preise damit um 1,9 % oder 3,75 Euro zugelegt. Die Weizenpreise vom Vorjahr (188,75 Euro) werden am europäischen Terminmarkt derzeit um 9,75 Euro übertroffen.
 
Am  Dienstag steigen die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt zunöchst  weiter und liegen zum Handelsbeginn  für den  Septembertermin 2,25 Euro im Plus bei 200,75 Euro und für den Dezembertermin 2,50 Euro im Plus bei 202 Euro.
 
Maispreise machen Riesensprung und steigen weiter
Am Montag sind die Maispreise am europäischen Terminmarkt ebenfalls sehr kräftig gestiegen. Der vordere Augustkontrakt beendete den Handel mit 178,75 und damit 5,25 Euro bzw. 3,0 % höher als am Vortag (173,50 Euro). Die neue Ernte (November) kostete am Montag 180,75 Euro und damit 5,25 Euro mehr als am Vortag (175,50 Euro). Außerdem waren die Preise für die neue Ernte 2,0 Euro höher als für den vorderen Augustkontrakt (alte Ernte). Im Vergleich zum Vorjahr (179,50 Euro) waren die Maispreise am europäischen Terminmarkt am Montag nur noch 1,0 Euro.
 
Am heutigen Dienstag beginnen die Maispreise den Handel am europäischen Terminmarkt mit einem weiteren kräftigen Plus von 3,75 Euro bei 182,50 Euro. Die neue Ernte legt um 2,75 Euro auf 183,50 Euro zu. Damit liegen die Maispreise über dem Vorjahr.
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Rapspreise am Dienstag etwas schwächer
Die Rapspreise sind am Montag am europäischen Terminmarkt moderat gestiegen. Der Augustkontrakt (neue Ernte) wurde am Montag mit 392,0 Euro gehandelt und damit zu 0,75 Euro höheren Preisen als am Vortag (391,25) sowie weiterhin über der Marke von 390 Euro. Der Novemberkontrakt wurde am Montag 395,75 Euro gehandelt und damit 1,0 Euro höher als am Vortag (394,75). Im Vergleich zum Vorjahr (347,75 Euro) waren die Rapspreise am europäischen Terminmarkt am Montag 44,25 Euro (!!) höher.
 
Am heutigen Montag beginnen die Rapspreise den Handel am europäischen Terminmarkt 2,0 Euro niedriger bei 390,0 Euro.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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