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Börsentelegramm

Schwacher Start - aber fester Ausblick

von , am
22.04.2013

Nachdem die wichtigsten Getreide- und Ölsaaten zum Ende der letzten Woche durchweg fester gehandelt wurden, geben die Märkte beim Start in die letzte volle Aprilwoche durchweg nach.

An der CBoT haben sich für den Weizen alle Gewinne der Vortage wieder in Luft aufgelöst. © landpixel
 
Nachdem die wichtigsten Getreide- und Ölsaaten zum Ende der letzten Woche durchweg fester gehandelt wurden, geben die Märkte beim Start in die letzte volle Aprilwoche durchweg nach. Ein Teil der Gewinne aus der Vorwoche wird im elektronischen Übernachthandel am Montag sowohl bei Weizen, Mais, Soja und Raps wieder abgegeben und die Kurse geben durchweg nach.  
Ob sich dies im Wochenverlauf fortsetzen wird ist indessen mehr als fraglich. Speziell in den USA ist das Tempo der Maisausaat (ebenso bei Sommerweizen) witterungsbedingt so langsam wie selten zuvor und bei Weizen kommen neben den Schäden durch Trockenheit nun auch noch mögliche Auswinterungsschäden durch starke Nachtfröste hinzu.
 
Auswinterung beim US-Weizen
In den USA befindet sich der Winterweizen nach wie vor in schwachem Zustand, auch wenn es in einigen Anbauregionen zuletzt immer wieder einmal geregnet hat. Trotzdem ist der Gesamtzustand beim Weizen bislang alles es andere als gut. Das zeigt auch die Bewertung an den Terminmärkten. Dort kostet der US-Weizen der neuen Ernte weiterhin mehr als der derzeit gehandelte Weizen der alten Saison.
 
Jetzt kommen Frosteinbrüche in einigen wichtigen Anbauregionen hinzu, die die aufgelaufenen Pflanzen weiter schädigen. Betroffen sind in Kansas 38 % der Anbauflächen, in Oklahoma 10 % und in Texas, wo es zudem weiter extrem trocken ist 29 %, meldet ein US-Wetterdienst (LLC). Auch die Aussaat beim Sommerweizen ist in den USA aufgrund des feuchten und kalten Wetters in den weiter nördlich gelegen Anbaugebieten weit hinter Zeit.  
 
Wird der Weizen in Europa knapp?
In Europa gab es letzte Woche eine weitere Korrektur bei der erwarteten Weizenernte nach unten. Das Analystenhaus Strategie Grains senkte seine Prognose vor allem für die Ernte im Vereinigten Königreich und verschlechterte damit auch die nächste Versorgungsbilanz für die gesamte EU. Gleichzeitig werden die Briten wohl das zweite Jahr in Folge ein großer Nettoimporteur von Weizen sein (und Deutschland Lieferant). Allerdings wurde vom DRV  auch für Deutschland  die erwartete Ernte letzte Woche leicht nach unten gesetzt.
 
Hier hat der lange Winter für einen sehr späten Start in die Saison gesorgt und gleichzeitig das Pflanzenwachstum und damit Ertragspotential reduziert. Das wird wohl nicht ohne Auswirkungen auf die Produktion bleiben, denn der Rückstand ist wohl nicht mehr voll aufzuholen. Außerdem befürchten Analysten jetzt eine zeitliche Verschiebung des Erntetermins nach hinten und damit mögliche Versorgungengpässe in Europa zum Ende der Saison. 

Regen und Überflutungen Mittelwesten
Bei Mais dürfte der sehr schleppende Beginn der Aussaat in den USA (nur 2 % bis Mitte April) die Preise ebenfalls stützen. In den Hauptanbaugebieten im Mittelwesten lassen Kälte und anhaltender Starkregen sowie Sturm kaum Feldarbeiten zu. Am Mississippi-Delta werden zudem Überflutungen befürchtet, so dass die Maisernte in den USA am Ende kleiner ausfallen könnte als zunächst erwartet. Wegen der schleppenden Aussaat könnte zudem viele Farmer am Ende zum später zu pflanzenden Soja wechseln und das erwartet Angebot zusätzlich reduzieren.
 
Neue Daten aus Europa
In Europa hat der späte Frühling zu einer starken zeitlichen Verzögerung bei der Aussaat von Sommergetreide geführt. In Frankreich, Polen und Teilen Deutschlands wird deshalb wohl Mais anstelle Sommergerste angebaut. in Frankreich hat die Maisaussaat jetzt begonnen und das wärmere Wetter verbessert zudem die Wachstumsaussichten für Weizen und Raps.
 
Genauere Daten über den Zustand der Wintersaaten und den Fortschritt bei der Aussaat von Sommergetreide wird das Crop-Montierung der EU-Behörde MARS diese Woche bringen.  
 
Rapsaussaat in Kanada kann nicht beginnen
Die Rapspreise dürften durch den lang anhaltenden Winter in Kanada Unterstützung erhalten. Dort kann man ähnlich wie beim Mais im Mittewesten der USA nicht mit der Aussaat von Canola beginnen, denn es ist zu kalt und zu nass. Die Preise für Canola sind letzte Woche ebenso gestiegen wie die Preise für Raps in Europa.
 
Aus Australien kommen ebenfalls Meldungen über einen scharfen Rückgang der Rapsaussaatfläche wegen des zu trocknen Wetters in einigen wichtigen Regionen (Neusüdwales).
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
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