Login
Börsentelegramm

Schwacher Start in die neue Woche

von , am
17.03.2014

Am Montag Vormittag (MEZ) lagen die Preise für Weizen, Mais, Soja und Raps im elektronischen vorbörslichen Handel deutlich im Minus.

© kk artworks/fotolia
 
Die politischen und ökonomischen Folgen der Krimkrise bleiben für die Entwicklung an den Getreide und Ölsaatenmärkte ein permanenter Unsicherheitsfaktor. Das betrifft sowohl die Befürchtungen über eine mögliche Verknappung des Angebots an den Exportmärkten als auch die längerfristigen Konsequenzen für die landwirtschaftlichen Unternehmen und Getreidehändler in der Ukraine und in Russland. Darüber hinaus sorgten Ende der letzten Woche neue Daten über die immer dramatischer werdende Trockenheit in den wichtigsten US-Anbaustaaten für Winterweizen Kansas, Texas und Oklahoma für einen kräftigen Anstieg der US-Weizenpreise zum Wochenausklang.
 
US-Winterweizen mit immer schlechteren Aussichten
Ender letzten Wochen wurden im Rahmen des US-Trockenheits-Monitors 67 % der Fläche in Kansas als zu trocken oder sogar extrem trocken eingestuft. Auch in Oklahoma und Texas nimmt die Trockenheit weiter zu und gefährdet Wachstum und Produktion des in diesen Staaten angebauten Winterweizens der Sorte Hard Red Winter (HRW). Dort ist ist seit einigen Wochen kein oder Woche deutlich zu wenig Regen gefallen und auch in den nächsten Wochen erwarten US- Wetterdienste nur wenig Niederschlag. Beim weiter nördlich angebauten Weizen der Soft Red Winter(SRW) könnte die Produktion in Folge des extrem kalten Winters ebenfalls deutlich zurückgehen. In der letzten Woche schätzte dr Verband der Mühlen in den USA, dass die Ernte von SRW von 15,3 Mio. t (565 Mio. bu) auf 11,9 Mio. t (437 Mio. t) einbricht. Das wäre ein Rückgang von 22 % bzw. 3,4 Mio. t.
 
Weizenpreise in Chicago klettern immer weiter
Am Freitag (14.03) kletterten die Weizenpreise in den USA wegen der Trockenheit in den südlichen Anbaugebieten (HRW) für Winterweizen und den möglichen Ertragsausfällen im Norden (SRW) erneut deutlich nach oben. Dabei beendete der Märzkontrakt am Terminmarkt in Chicago (SRW) den Handel mit einem Aufschlag von 2 % bei umgerechnet 182,33 Euro/t (690,2 Ct/Bu) und der Maikontrakt kletterte auf 181,50 Euro/t (687,2,0 Ct/bu). Damit koste der Weizen in Chicago rund 10 Euro bzw. 6 % mehr als vor einer Woche. Die Preise für den in Kansas gehandelten US-Brotweizen (Hard Red Winter) legten am Freitag (14.03) ebenfalls um 2,0 % zu. Für den Maikontrakt kletterten die Kurse auf umgerechnet 198,5 Euro/t (751,4 Ct/bu) und der Julitermin ging mit rund 197 Euro (745,6 Ct/bu) aus dem Handel. Seit dem letzten Tiefstand von Ende Januar sind die Weizenpreise in Chicago damit um 23 % gestiegen.
 
Europäischer Weizen wenig verändert
In der Europäischen Union haben sich die Weizenpreise am Freitag behauptet (Mai) oder für die späteren Termine sogar leicht nachgegeben. Ein Grund für den moderaten Preisrückgang dürfte die jüngste Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar sein. Am Freitag (14.03) kostete der Weizen für den Mai an der MATIF knapp 211,50 Euro/t und eben so viel wie am Vortag und 1,50 mehr wie letzte Woche. Der Die neue Ernte kostete am Freitag mit 201,75 Euro/t einen Euro weniger. Am europäischen Kassamarkt haben die Weizenpreise Ende der Woche ebenfalls etwas nachgegeben. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen am Freitag (14. März) mit 213 Euro/t und damit 3 Euro teurer als am Vortag und 1,0 Euro teure wie eine Woche zuvor. Futterweizen zur Lieferung im März kostete in Hamburg 208 Euro/t (-2) und A-Weizen wurde mit 215 Euro/t (-3) notiert. Gleichzeitig lagen die Exportpreise für Brotweizen an den deutschen Ostseehäfen (fob) zwischen 18 und 223 Euro/t (Vw.: 217 und 222 Euro/t). Die Exportpreise für deutschen A-Weizen (fob Ostseehafen) bewegten sich zwischen 220 und 225 Euro (Freitag: 219 und 224 Euro).
 
Ukraine ist drittgrößter Mais-Exporteur
Die Krise in der Ukraine hat unmittelbare Auswirkung auf den globalen und vor allem auch auf den europäischen Maismarkt. Zum einen ist die Ukraine im laufenden Wirtschaftsjahr nach den USA und Brasilien (noch vor Argentinien) der drittgrößte globale Maisexporteur. Zum anderen beeinflussen die ökonomischen Turbulenzen und vor allem der rasante Verfall der ukrainischen Währung natürlich auch den Saatguteinkauf, die Anbaufläche, die Möglichkeiten des Einsatzes von Dünger und Pflanzenschutz für die nächste Ernte von Mais und anderen Getreidearten. Für die EU ist Ukraine zudem mit Abstand der wichtigste Lieferant von Mais.
 
Brasilien Mais leidet unter Wettextremen
Ernte und Aussaat von Mais leiden in Brasilien unter den extremen Witterungsbedingungen. Während eine Hitzewelle im Süden und Südwesten des Landes die Erträge des fast zeitgleich mit Soja geernteten Sommermais nach unten gedrückt hat, kommt der in Zentralbrasilien nach Soja gepflanzte Wintermais wegen der sintflutartigen Regenfälle erst gar nicht in den Boden. Die Analysten der staatlichen brasilianischen Agentur für Getreide und Ölsaaten (CONAB) haben ihre Erwartungen an die Maisernte in Brasilien Mitte März nur leicht nach unten korrigiert. Mit 75,2 Mio. t liegt die aktuelle Prognose nur 0,3 Mio. t niedriger als vor vier Wochen. Dabei hat CONAB die Erwartungen an die laufende Sommermaisernte um 1,2 Mio. t auf 31,4 Mio. t reduzierte und gleichzeitig die Schätzungen für die Wintermaisernte um 0,9 Mio. t auf 43,8 Mio. t nach oben gesetzt.
 
US-Maispreise halten sich
Am US-Terminmarkt in Chicago haben sich die Maispreise letzte Woche (trotz aller Schwankungen) nur wenig verändert. Der Maitermin ging am Freitag (14.03) in Chicago mit einem Aufschlag von 0,5 % und umgerechnet 137,67 Euro/t (486 Ct/bu) aus dem Handel und der Julitermin kostete 138,94 Euro (490,4 Ct/bu). Damit sind die US-Mais-Preise seit Mitte Januar um knapp 15 % gestiegen. Allerdings liegen die US-Preise nur noch knapp über der für technische Analysten wichtigen 10-Tage-Linie (481 Ct/bu), jedoch sehr deutlich oberhalb der 20-Tage-Linie (469 Ct/bu). Am Montag Vormittag lagen die US-Maispreise im elektronischen vorbörslichen Handel allerdings deutlich im Minus.
 
Europäischer Mais fast unverändert
Am europäischen Terminmarkt haben die Maispreise am letzten Freitag (14.03) leicht zugelgt. Die Kontraktpreise für den Junitermin beendeten den Handel an der MATIF in Paris mit 186,75 Euro/t und damit 0,5 Euro teurer wie am Vortag und rund 3 Euro teurer als vor einer Woche. Für den Augustkontrakt legten die Preise um 0,25 Euro 191,25 Euro zu. Im Großhandel bewegten sich die Maispreise in Frankreich am Freitag (0) zwischen 170 Euro und 173 Euro (0) und ähnlich teurer wie letzte Woche. An den französischen Rheinhäfen wurde der Mais am für 185 Euro/t (0) verladen. Am Großmarkt in Hamburg wurde Mais am Freitag (14.03) für 193 Euro (-5) notiert.
 
Brasiliens Sojaernte zu 59 % eingebracht
Die Sojapreise sind mit dem wachsenden Ernte- und Angebotsdruck aus Südamerika letzte Woche spürbar unter Druck geraten. Diesem Abwärtssog können sich auch die Rapspreise nicht entziehen – auch wenn die Rapsreise am Freitag sowohl in Europa als auch in Kanada zulegten und das Preisniveau (vor allem für die alte Ernte in Europa) weiterhin relativ hoch ist. Die brasilianischen Analysten von Safras & Mercado meldeten am Freitag, dass die brasilianische Sojaernte bis 14. März zu 59 % eingebracht war (Vj. 58 %). Damit ist der Vorsprung gegenüber dem Vorjahr wegen der witterungsbedingten Ernteverzögerungen in Mato Grosso weiter zusammengeschmolzen. Im wichtigsten Anbaustaat Mato Grosso (30 % der Produktion) war die Sojaernte am 14ten März zu 84 % komplett (Vj. 87 %). Weiterhin verzögern schwere Regefälle die Ernte und bedrohen zudem die Qualität und den Ertrag. Im vorbörslichen elektronischen Handel gaben die Sojapreise am Montag allerdings ebenso deutlich nach wie die Rapspreise in Kanada. Dieser Abwärtsbewegung wird sich auch der Raps in Europa nicht entziehen können.
 
Sojapreise deutlich gefallen
Der Maikontrakt für Sojabohnen beendete den Handel am Freitag (14.03) am US-Terminmarkt in Chicago mit umgerechnet 367,17 Euro/t (1388,4 Ct/bu) und der Julitermin kostete am Ende des Handelstages 362,74 Euro/t (1371,6 Ct/bu). Die nächste US-Ernte (November) wurde mit 310,85 Euro/t (1174,4 Ct/bu) gehandelt. Damit kosteten die Bohnen rund 0,6 % und rund 5,0 % oder 20 Euro/t weniger als vor einer Woche. Mittlerweile liegen die US-Soja-Preise (Maikontrakt) deutlich unterhalb der für technische Analysten wichtigen 10-Tage-Linie (1417Ct) und auch unter dem 20-Tage-Durchschnitt (1388 Ct) jedoch über der 40 Tage-Linie (1337 Ct). Im vorbörslichen elektronischen Handel gaben die Sojapreise am Montag deutlich nach.
 
Raps gehen mit Soja nach unten
Die Rapspreise am europäischen Terminmarkt haben am Freitag (14.03) für die alte Ernte zugelegt und sind für die neue Ernte leicht zurückgegangen. Im Vergleich zur letzten Woche haben die Rapspreise in Europa jedoch um rund 10 Euro oder 2,5 % nachgegeben.. Der Maitermin beendete den Handel am Freitag mit knapp 402 Euro und der Augustkontrakt (neue Ernte) notierte bei 366 Euro. Damit kostete der Mai-Kontrakt in Paris rund 2 Euro mehr als am Vortag und 10 Euro weniger als in der Woche zuvor.. Die Rapspreise in Kanada haben am Freitag (14.03) noch deutlich zugelegt und ein 3Monatshoch erreicht. Mit umgerechnet knapp 300 Euro/t (461 CAD) legte der Maitermin in Kanada um 5 CAD zu. Im Vergleich zur Vorwoche hat sich der Raps damit um etwa 11 CAD verteuert. Die neue Ernte (November) kostete 317 Euro (487 CAD). Im vorbörslichen elektronischen Handel gaben die Rapspreise in Kanada allerdings ebenso deutlich nach wie die Sojapreise. Dieser Abwärtsbewegung wird sich auch der Raps in Europa nicht entziehen können
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
Auch interessant