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Börsentelegramm

Weizen bullisch

von , am
21.01.2013

Weizen bullisch
Die Weizennotierungen haben an den internationalen Terminmärkten in der abgelaufenen Handelswoche quer durch die Bank an Wert zugelegt.

An der Matif in Paris verliert der Weizen 2,50 Euro auf 200,25 Euro je Tonne. Der Raps legt 1,75 Euo zu. © Michael Grabscheit/pixelio.de
 
Die Weizennotierungen haben an den internationalen Terminmärkten in der abgelaufenen Handelswoche quer durch die Bank an Wert zugelegt. Das hat einerseits fundamentale Ursachen wie knappe Endbestände, befürchtete Auswinterungsschäden in Teilen von Russland sowie die anhaltende Trockenheit in den US-Plains.
 
Aus charttechnischer Sicht spricht ebenfalls immer mehr für eine Trendwende nach oben bei den Weizen-Kursen. Auch beim Rohöl hat sich zuletzt ein Aufwärtstrend etabliert, während der Euro zum US-Dollar bei 1,33 seitwärts läuft. Von den großen amerikanischen Agrarcommodity-Börsen sind für den heutigen Montag (21.1.) keine Impulse zu erwarten. Auch wenn der Kontrakt-Handel am Martin Luther King-Tag eingeschränkt weiterläuft, haben sich die meisten Marktteilnehmer für ein verlängertes Wochenende verabschiedet.
 
Mit Call-Optionen vom Preisanstieg profitieren
Auch wer sich als Ackerbauer bereits von seinen Lagerbeständen an Weizen getrennt hat, kann von einer weiteren Aufwärtsbewegung der Preise profitieren, und zwar mit so genannten Call- oder Kaufoptionen. Das Prinzip ist ganz einfach. Wer an der Euronext (Matif) in Paris eine Call-Option erwirbt, kauft sich damit das Recht, 50 Tonnen Weizen zu einem späteren Zeitpunkt zu einem bestimmten Preis (dem so genannten Ausübungspreis-Preis) zu erwerben. Steigt der Weizenpreis über den Ausübungs-Preis, kommt die Call-Option ins Geld und man Verdient als Anleger (Ackerbauer) an dem Preisanstieg.
 
Dazu ein aktuelles Beispiel: Am Freitag (18.1.) kostete das Recht, Matif-Weizen zur Abrechnung im Mai 2013 für 240 €/t zu kaufen, rund 12 €/t. Sollte der Weizenpreis in den kommenden Monaten auf z.B. 300 €/t steigen (wegen gravierender Auswinterungsverluste in Osteuropa oder Trockenschäden in den USA), hat der Halter der Call-Option weiter das Recht, Weizen für 240 €/t zu kaufen. Die Differenz von 60 €/t (300 €/t minus 240 €/t) kann der Optionshalter als Gewinn einstreichen, sobald die Option ausgeübt wird.
 
Für Ackerbauern haben Call-Optionen gleich mehrere Vorteile: Das Risiko ist auf die bezahlte Optionsprämie begrenzt, im aktuellen Fall z.B. auf 12 €/t. Sollte der Weizenpreis in den kommen Monaten fallen statt zu steigen, muss nur die Optionsprämie als Verlust abgeschrieben werden. Zweiter Vorteil: Als Landwirt können Sie sich von ihrer Weizenernte trennen und bleiben dadurch liquide. Von einem weiteren Preisanstieg profitieren Sie trotzdem.
 
Amerikanischer oder europäischer Typ?
Auch wenn die Signale bei den Ölsaaten durch die absehbar große Sojaernte in Südamerika bisher nicht auf einen kräftigen Preisanstieg schließen lassen, lohnt auch ein Blick auf die Preise der Kaufoptionen für Matif-Raps: Calls auf Mai 2013 mit einem Auslösepreis von 450 €/t kosteten am Freitag (18.1.) an der Matif in Paris runde 15 €/t. Leider ist der Optionshandel – anders als der mit den Terminkontrakten selbst – bisher ein reines Telefongeschäft.
 
In Deutschland gibt es bereits erste Broker, die ihren Kunden auch den Handel mit Optionen anbieten. Etwas verwirrend: Die an der Matif gelisteten Optionen sind solche vom amerikanischen Typ, können also jederzeit während der Laufzeit ausgeübt werden. Daneben gibt es Optionen europäischen Typs, die nur am Laufzeitende ausgeübt werden können. Dazu zählen z.B. Optionen auf Chicago-Weizen.
 
Vordere Eurex-Schweine im Rückwärtsgang
Auf die an der Eurex gehandelten Schlachtschweine werden bisher keine Optionen angeboten, weil das „Grundrauschen“ im Kontrakt selbst noch viel zu gering ist. Der vordere Februar-Kontrakt hat kräftig Federn lassen müssen. Seit Jahresbeginn ging es um rund vier Cent auf 1,71 €/kg Schlachtgewicht (SG) nach unten. Damit hat sich der Abstand auf den für die Kassavermarktung maßgeblichen Vereinigungspreis verkürzt, der am Freitag (18.1.) einmal mehr unverändert bei 1,65 €/kg SG belassen wurde.
 
Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur agrarmanager
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