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Analyse

China drückt bei Harnstoff auf die Weltmarkpreise

von , am
22.01.2015

China hat seine Exportzölle für die Ausfuhr von Harnstoff, Phosphor-Dünger (DAP) und NP-Düngern für das Jahr 2015 drastisch gesenkt.

 
China hat seine Exportzölle für die Ausfuhr von Harnstoff, Phosphor-Dünger (DAP) und NP-Düngern für das Jahr 2015 drastisch gesenkt. Das dürfte (mittelfristig) nicht ohne Auswirkungen auf das globale Angebot und damit auch auf die Weltmarkpreise bleiben. Bereits jetzt sind die Chinesen bei Harnstoff der mit Abstand größte globale Exporteur und bei P-Dünger knapp hinter der den USA die Nummer zwei und bestimmen mit ihrem Angebot die Weltmarkpreise.
 
Bei Harnstoff hatten die Chinesen ihre Ausfuhren 2014 auf ein neues Rekordniveau gesteigert und  haben damit auch die massiven Produktionsausfälle in der Ukraine und in Ägypten kompensiert und gleichzeitig einen deutlichen Anstieg der Weltmarktpreise verhindert. Analysten der Bank Societe Generale halten  2015 wegen des erwarteten Angebotswachstums durchaus eine „Preiskrieg“ zwischen den großen Anbietern für möglich und senkten deshalb ihre Prognose für die erwarteten Weltmarktpreise.
 
Zollsenkung bei Harnstoff um 70 Prozent
Die neuen chinesischen Exportzölle bei Harnstoff sollen im gesamten Jahr 2015 bei 80 RMP/t liegen. Das entspricht umgerechnet etwa 12,90 USD/t. Bisher galten für den Zeitraum von Januar bis Juni und November bis Dezember ((hohe) Zölle von 15 % des Warenwertes zuzüglich 40 RMB/t. Dieser Zollsatz entsprach im Mittel einem Gesamtzoll von gut 50 USD je t (310 RMB) exportierten Harnstoff. Damit bedeuten die neuen Ausfuhrzölle für die bisherige Phase der höheren Exportzölle einer Zollsenkung um 70 %.
 
Im Zeitraum Juli bis Oktober erhoben die chinesischen Behörden bisher allerdings lediglich Zölle von 40 RMB/t (6,5 USD/t). Allerdings hat sich die chinesische Ausfuhr  keineswegs auf die bisherige Niedrigzollphase konzentriert sondern im November 2014 (hohe Zölle) erreichte die Exportmenge sogar einen neuen Monatsrekord. Analysten erwarten von der chinesischen Zollsenkung deshalb neuen Druck auf die Weltmarktpreise für Harnstoff und zudem auch einen Rückgang der saisonalen Preisschwankungen.
 
Exporte haben 2014 um 50 Prozent zugenommen
Von Januar bis November 2014 haben die Chinesen rund 12,0 Mio. t Harnstoff exportiert und damit bereits in den ersten 11 Monaten des Jahres 2014 den bisherigen Ausfuhrrekord aus dem Vorjahr von 8,2 Mio. t deutlich um 46 % oder 3,8 Mio. t übertroffen. Allein im November 2014 gingen 2,34 Mio. t Harnstoff auf den Weltmarkt, davon allein 1,2 Mio. t nach Indien. Bereits im Jahr 2013 war China  noch vor Quatar (ca. 5,0 Mio. t), Russland (ca. 5,0 Mio. t) Oman (ca. 3,5 Mio. t), Saudi-Arabien (3,0 Mio. t), der Ukraine (2,5 Mio. t), dem Iran und Ägypten der mit Abstand größte Exporteur von Harnstoff. Knapp 20 % der weltweiten Handelsmenge von etwa 43 Mio. t kamen aus China. Diese Dominanz der Chinesen hat sich 2014 verstärkt und wird 2015 wohl zunehmen.
 
Knapp 40 % aller chinesischen Ausfuhren gingen 2014 an den größten globalen Importeur Indien und etwa 11 % in die USA, wo die eigene Produktion (sinkende Gaspreise) zuletzt ebenfalls kräftig wächst und damit der Importbedarf sinkt. China produziert seinen Harnstoff zwar nicht mit Erdgas sondern mit Kohle. Aber auch bei Kohle sind die Preise (am Weltmarkt und in China) zuletzt sehr kräftig gefallen und der Bedarf der chinesischen Industrie ist wegen es schwächeren Wachstums und Umweltauflagen ebenfalls rückläufig.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
 
Analyse: Preise für Harnstoff könnten 2015 fallen: 
 
 
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