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Analyse

China senkt Exportzölle bei P-Dünger drastisch

von , am
23.01.2015

Am globalen Markt für Phosphordünger baut China 2015 seine Position als preisbestimmender Exporteur weiter aus.

© Mühlhausen/landpixel
 
Am globalen Markt für Phosphordünger baut China 2015 seine Position als preisbestimmender Exporteur weiter aus. Ähnlich wie bei Harnstoff hat man die Exportzölle für das Jahr 2015 deutlich auf einen einheitlichen, über das gesamte Jahr geltenden Satz gesenkt. Damit dürfte die Chinesen 2015 auch am P-Dünger-Markt für mehr Wettbewerb und entsprechenden Preisdruck sorgen. Bis 2013 waren die Chinesen bei P-Dünger (DAP, MAP, TSP), knapp hinter den USA der zweitgrößte globale Exporteur und hatten mit ihrem Angebot bereits entscheidenden Einfluss auf die Weltmarkpreise. Im zurückliegenden Jahr (2014) wurde die Ausfuhrmenge noch einmal deutlich gesteigert und die Chinesen könnten die USA sogar als größten Exporteur überholt haben.
 
Zollsenkung bei P-Düngern um 80 Prozent
Die neuen chinesischen Exportzölle für Diammoniumphosphat (DAP) und Monoammoniumphosphat (MAP) sollen im gesamten Jahr 2015 bei 100 RMP/t liegen. Das entspricht umgerechnet etwa 16,1 USD/t. Bisher galten für den Zeitraum von Januar bis 15. Mai sowie von 16. Oktober bis 31. Dezember (hohe) Zölle von 15 % des Warenwertes zuzüglich 50 RMB/t (8 USD/t). Dieser Zollsatz entsprach in etwa einem durchschnittlichen Gesamtzoll von gut 75 USD je t (465 RMB) je Tonne exportierten P-Dünger. Damit bedeuten die neuen Ausfuhrzölle für den bisherigen Zeitabschnitt der höheren Exportzölle eine Zollsenkung von 80 % (!!). Im Zeitraum von 16. Mai bis 15. Oktober erhoben die chinesischen Behörden bisher allerdings lediglich (niedrige) Zölle von 50 RMB/t (8,0 USD/t). Ähnlich wie bei Harnstoff haben sich die chinesischen Ausfuhren jedoch auch bei P-Dünger keineswegs auf die bisherige Niedrigzollphase konzentriert sondern auch in den übrigen Monaten hohe Werte erreicht. Analysten erwarten von der chinesischen Zollsenkung ebenfalls Druck auf die Weltmarktpreise.
 
Exporte sind 2014 um 50 Prozent gewachsen
Von Januar bis November 2014 haben die Chinesen rund 6,87 Mio. t P-Dünger (DAP, MAP und TSP) exportiert und damit die vergleichbare Ausfuhrmenge aus dem Vorjahr von 4,6 Mio. t sehr deutlich um 48 % oder 2,23 Mio. t übertroffen. Allein im November gingen 0,96 Mio. t chinesischer P-Dünger auf den Weltmarkt. Auch der bisherige chinesische Ausfuhrrekord aus dem Jahr 2011 von etwa 6,7 Mio. t war damit bereits im November 2014 übertroffen. Im Jahr 2013 war China mit 5,4 Mio. t knapp hinter den USA (ca. 5,8 Mio. t), jedoch deutlich vor Marokko (ca. 3,9 Mio. t), Russland (ca. 3,9 Mio. t), Saudi-Arabien (1,8 Mio. t), Tunesien (1,1 Mio. t), Litauen und Mexiko der zweitgrößte Exporteur von P-Dünger. Im Jahr 2014 haben die Chinesen wahrscheinlich auch die USA als größten Exporteur von P-Dünger überholt. Etwa 30 % der weltweiten Handelsmenge von etwa 23 Mio. t dürften 2014 aus China gekommen sein.
 
Chinesische Exportpreis bis Dezember stabil
Knapp 21 % aller chinesischen P-Dünger-Ausfuhren gingen 2014 an den zweitgrößten globalen Importeur Indien und etwa 17 % an den mit Abstand größten Importeur Brasilien. Weitere wichtige Abnehmer von chinesischem P-Dünger waren Vietnam, Pakistan, Indonesien und Argentinien. Diese Länder sind zugleich auch die größten globalen Nachfrager von P-Dünger. Die chinesischen Exportpreise für DAP (fob) lagen im Dezember 2014  an den chinesischen Export-Häfen bei 466 USD/t und damit ähnlich hoch wie im November und im Oktober. Auch am Weltmarkt bewegten sich die Preise zum Jahresende auf einem ähnlichen Niveau. Mitte 2014 (August) lagen die Weltmarktpreise jedoch noch über 500 USD/t und damit rund 35 USD/t höher. Insgesamt haben die P-Düngerpreise am Weltmarkt 2014 deutlich weniger geschwankt als im Vorjahr (2013). Im Jahr 2013 hatte insbesondere das Wegbrechen der indischen Nachfrage in Verbindung mit dem Exportwachstum Chinas zu Angebotsüberhängen und zu einem Preisrutsch bei DAP am Weltmarkt bis auf 350 USD (Nov. 2013) geführt. Für 2015 rechnen Analysten wieder mit einer Zunahme der indischen Importe und vor allem mit einem weiteren Zuwachs der brasilianischen Einfuhrmenge.
 
DAP-Preise in Deutschland zuletzt gestiegen
An den deutschen Importhäfen sind die Preise für P-Dünger im Januar 2015 überraschend deutlich gestiegen. Nachdem DAP Mitte Dezember an den deutschen Ostseehäfen noch für etwa 440 Euro verladen wurde, machten die DAP-Preise im Januar einen Sprung bis 480 bis 485 Euro je t. Das ist ein Preis-Anstieg von 45 Euro bzw. 10 %. Zwar sind die Exportpreise in den USA (Tampa) Anfang Januar ebenfalls um rund 20 bis 25 USD gestiegen (485 USD/t), jedoch entspricht dies lediglich einem Preisaufschlag von 4 %. Allerdings kaufen die Europäer ihren P-Dünger vor allem in Nordafrika (Tunesien, Marokko) und zum Teil auch in Russland.Aus Nordafrika  wurden zuletzt deutliche höhere  fob-Preise von etwa  525 USD/t gemeldet.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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