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Analyse

Harnstoff: China senkt Exportzölle drastisch

von , am
07.01.2014

China hat seine Zollsätze für den Export von Mineraldünger drastisch gesenkt. Mit Senkung der chinesischen Exportzölle könnte es nun zu einer erneuten Korrektur der Preise nach unten kommen.

© Mühlhausen/landpixel
 
China hat seine Zollsätze für den Export von Mineraldünger drastisch gesenkt. Das hat das chinesische Finanzministerium (MOF) bereits Mitte Dezember bekanntgegeben. Gültig sind die neuen geänderten Zollsätze ab dem 1. Januar 2014. Die Folge könnte ein deutlich zunehmender Angebotsdruck durch chinesische Exporteure am internationalen Markt für Harnstoffdünger sowie bei P-Dünger sein. Außerdem könnten die Preise in diesen Marktsegmenten erneut unter Druck geraten. Bislang galt für die chinesischen Exporteure bei Harnstoff für den Zeitraum vom 1. Januar bis 30. Juni ein Zollsatz von 77 %. Der neue Zollsatz beträgt nach Angaben des chinesischen Finanzministeriums vom 1. Januar bis 30. Juni nur noch 15 % und ist damit deutlich niedriger als bisher.
 
Fast ein Drittel der Produktion für den Export
China hat in den letzten Jahren seine Harnstoffproduktion sehr kräftig ausgebaut. Die Folge waren deutlich wachsende Exporte sowie ein zunehmender Einfluss auf die Weltmarktpreise. Analysten gehen derzeit davon aus, dass die chinesische Harnstoffproduktion den Bedarf im Inland um fast ein Drittel übersteigt. Diese Menge soll natürlich am Weltmarkt abgesetzt werden. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass die chinesischen Exportmöglichkeiten im laufenden Jahr 2014 fast 20 Mio. t erreichen könnten. Das wären beinahe dreimal so hohe Exporte wie vor zwei Jahren (rund 7 Mio. t). Die gesamte chinesische Produktionskapazität bei Harnstoff wird von Analysten derzeit auf 71 Mio. t geschätzt.
 
Marktverhältnisse haben sich geändert
Bislang galten für den chinesischen Harnstoffexport zwei Perioden mit unterschiedlich hohen Zollsätzen. Vom 1. Juli bis 31. Oktober mussten die chinesischen Exporteure nur sehr niedrige Zölle von 2 %zahlen. In diesem Zeitraum ist der Bedarf am chinesischen Markt am geringsten und die chinesischen Exportaktivitäten sind naturgemäß am stärksten. In  den Zeiträumen vom 1. Januar bis zum 30. Juni sowie vom 1. November bis 31. Dezember galten hingegen bislang sehr hohe Zollsätze von 77 %. Diese hohen Zölle haben die chinesischen Harnstoffausfuhren deutlich gedrosselt und sollten die ausreichende Versorgung des heimischen Marktes gewährleisten. Dies ist nun anscheinend nicht mehr in bisherigem Umfang nötig.
 
Drastische Senkung der Zollsätze
Offenbar ist der Angebotsdruck am chinesischen Binnenmarkt größer als erwartet. Die chinesische Regierung reagierte jedenfalls mit einer Senkung der Ausfuhrzölle. Diese Maßnahme war vor dem Hintergrund der wachsenden Lagerbestände an den chinesischen Exporthäfen von einigen Analysten bereits erwartet worden. Anstelle eines Zollsatzes von 77 %, müssen die Exporteure jetzt nur noch 15 % Zoll auf den Exportpreis zahlen. Außerdem gilt für den Zeitraum Juli bis Oktober, mit einem bisherigen Zollsatz von 2 %, nun ein Exportzoll von 40 CNY. Da sind umgerechnet etwa 6,6 USD/t oder bei einem angenommen Exportpreis von 390 USD/t knapp 2 %. Übersteigen die Exportpreise allerdings einen zentral festgelegten Benchmark-Preis, waren bislang auch höhere Zollsätze möglich. Der zentral festgelegte Benchmark-Preis lag im letzten Jahr bei 2.260 CNY bzw. 359 USD/t und im Jahr 2012 bei 2.100 CNY bzw. 333 USD/t.
 
Zollsenkung dürfte Exportpreise drücken
Der bisherige Exportzoll von 77 % hat bei angenommenen Exportpreisen (fob) von 350 USD/t bis 450 USD/t (fob) etwa bei 150 USD/t bis 200 USD/t gelegen und damit eine Ausfuhr für die Chinesen äußerst unattraktiv gemacht. Bei einem Zollsatz von 15 % würden die Exportzölle nur noch zwischen 50 USD und 70 USD/t liegen. (Zu diesem Zollsatz kommt dann noch ein feststehender Wert von 40 CNY (6,6 USD/t) hinzu). Am Weltmarkt waren die Preise mit der Anhebung der chinesischen Exportzölle im letzten November kräftig gestiegen. Die internationalen Spotmarktpreise für Harnstoff lagen im Dezember bei etwa 330 USD/t und waren damit gut 30 USD höher als im Oktober 2013. Mit der Senkung der chinesischen Exportzölle könnte es nun jedoch zu einer erneuten Korrektur der Preise nach unten kommen.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkomapass
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