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Analyse

Harnstoff in Deutschland billiger, KAS teurer

von , am
31.10.2014

Die Preise für Harnstoff sind im Verlauf des Oktobers an den internationalen Handelsplätzen leicht zurückgegangen. In Deutschland gaben die Harnstoffpreise im Oktober jedoch deutlich nach, während KAS sich verteuerte.

© Mühlhausen/landpixel

Die Preise für Harnstoff sind im Verlauf des Oktobers an den internationalen Handelsplätzen leicht zurückgegangen. Dennoch ist das Preisniveau noch immer höher als vor einem Jahr. Für den November und den Dezember sind die Preisforderungen an den wichtigsten Exporthäfen derzeit ähnlich hoch oder geringfügig höher wie Ende Oktober. Im November (bis Juni) beginnt für den wichtigsten und preisbestimmendem globalen Exporteur China jedoch die Phase mit den höheren Exportzöllen. Die Weltmarktpreise für Harnstoff haben bislang jedoch nicht mit einem Anstieg auf diese Veränderung der chinesischen Exportmodalitäten reagiert. Ein Grund für die relative Preisstabilität ist, dass in den nächsten beiden Monaten (aus saisonalen Gründen) vor allem die Importe Indiens, aber auch Brasiliens und der USA zurückgehen. Außerdem hat sich die globale Nachfrage im zweiten Halbjahr 2014 auch wegen der stark gefallenen Getreidepreise abgeschwächt. Einige Analysten halten deshalb mittelfristig eine Anpassung der Harnstoffpreise nach unten für wahrscheinlich, zumal auch die Produktionskosten (Gaspreise) bei vielen Herstellern deutlich gefallen sind.
 
Harnstoff in Deutschland billiger, KAS und AHL teurer
An den deutschen Importhäfen (Ostsee) sind die Preise für Harnstoff noch  im September gestiegen. Dazu hat unter anderem der deutliche Wertverlust des Euros gegenüber dem US-Dollar beitragen. Im Oktober gaben die Harnstoffpreise jedoch deutlich nach. Mitte August kostete der an den deutschen Ostseehäfen umgeschlagene granulierte Harnstoff noch zwischen 310 Euro/t und 315 Euro. Bis Mitte September kletterten die Preise dann kräftig auf 340 Euro bis 345 Euro/t nach oben. Im Oktober rutschten die Harnstoffpreise an den deutschen Importhäfen dann jedoch wieder kontinuierlich bis auf 325 Euro nach unten. Im Vergleich zum Vorjahr (290 Euro) ist das Niveau jedoch immer noch 35 Euro höher. Gestiegen sind im September und im Oktober die Preise für KAS-Dünger. Ursache ist für die steigenden KAS-Preise der scharfe Preisanstieg bei Ammonium am Weltmarkt. Derzeit nennen Händler an den Verladestellen der Ostseehäfen KAS-Preise um 265 Euro/t und damit 10 Euro bis 15 Euro mehr als im August. Im Vergleich zum Vorjahr (230 Euro) ist das Niveau derzeit 35 Euro höher. Teurer geworden ist an den Importhäfen zuletzt auch flüssiger AHL-Dünger. Mitte August lagen die Preise noch bei 190 Euro/t, im September bei 195 Euro bis 200 Euro und im Oktober bei 200 Euro bis 205 Euro/t.
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Harnstoffpreise in der Ukraine wieder schwächer
Im Verlauf des Oktobers sind die Kontraktpreise für Harnstoff an den globalen Handelsplätzen leicht zurückgegangen. Am ukrainischen Schwarzmeerhafen Yuhzny waren die Exportpreise für geprillten Harnstoff im Oktober mit etwa 315 USD/t bis 320 USD/t rund 10 USD niedriger als im September (326 USD/), jedoch 15 USD/t höher als vor einem Jahr (300 USD/t). Allerdings lagen die Harnstoffpreise von Januar bis August deutlich unter den Preisen aus dem Vorjahr und sind erst danach mit den anhaltenden Produktionskürzungen in der Ukraine und in Ägypten über das Vorjahresniveau gestiegen. Für die Verladung im November und im Dezember liegen die Preisforderungen am Schwarzen Meer derzeit bei rund 320 USD/t. Einen stärkeren Preisanstieg am Weltmarkt haben die im Vergleich zum letzten Jahr deutlich größeren Exporte Chinas verhindert. Allerdings sind auch die chinesischen Preise im zweiten Halbjahr 2014 gestiegen, obgleich das Niveau weiterhin niedriger war als etwa in der Ukraine und in Ägypten.
 
Indien im September mit Großeinkauf
In der zweiten Septemberhälfte hatte Indien den bislang größten Einzeltender über den Einkauf von rund 1,8 Mio. t Harnstoff ausgeschrieben. Für den Löwenanteil an dieser Lieferung hat wiederum China den Zuschlag erhalten und in deutlich geringem Umfang kam auch der Iran zum Zuge. Lieferzeitraum ist der Oktober und der November. In den Monaten zuvor hatte Indien allerdings weniger Harnstoff am Weltmarkt gekauft als der Markt ursprünglich erwartet hatte und könnte trotz des Großeinkaufs im September auch im gesamten Wirtschaftsjahr unter den Importmengen aus dem Vorjahr bleiben. Von April bis August lag die indische Importmenge bei rund 2,1 Mio. t im Vergleich zu 3,1 Mio. t im Jahr zuvor. Insgesamt importierte Indien im vorigen Wirtschaftsjahr 2013/14 (April bis März) rund 7,1 Mio. t und damit schon weniger als im Jahr davor mit rund 8,0 Mio. t.
 
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China gibt die Richtung vor
Chinas Preise für geprillten Harnstoff zur Lieferung nach Indien und Südostasien lagen September und im Oktober fob-Exporthafen bei rund 290 USD/t und damit weiterhin deutlich niedriger als in Ukraine oder in Nordafrika. Im Vergleich zu den chinesischen Exportpreisen von August (260 USD/t bis 280 USD/t) war das Niveau allerdings ebenfalls höher. Granulierter Harnstoff kostete an den chinesischen Exporthäfen im Oktober rund 310 USD/t und war damit ebenfalls billiger als beispielsweise in Ägypten (360 USD/t), jedoch teurer als im August (290 USD/t). Trotz des Preisanstiegs lagen die Exportpreise der Chinesen damit weiter deutlich unter den Preisen der übrigen Wettbewerber. Die chinesische Exportmenge der ersten 8 Monate des laufenden Kalenderjahres (bis August) lag bei 6,6 Mio. t und war damit 60 % höher als im letzten Jahr (4,1 Mio. t). Etwa ein Drittel der Exporte gingen bis dahin nach Indien und gut 10 % in die USA. Für das gesamte Kalenderjahr 2014 rechnen Analysten derzeit mit chinesischen Harnstoffausfuhren von rund 10 Mio. t nach etwa 8,3 Mio. t im letzten Vorjahr (2013).
 
Harnstoffpreise in den USA gefallen
In den USA (einem großen Importeur) sind die Preise für Harnstoff im Oktober überraschend deutlich unter Druck geraten und um 30 USD bis 35 USD/t gefallen. Die Ursachen liegen zum einen in der verhaltenen Nachfrage seitens der Landwirtschaft, aber auch in den sinkenden Produktionskosten (Gaspreise) und nicht zuletzt in der stetig wachsenden inländischen Produktion/Angebot. Hinzu kommt, dass die sehr späte und langsame Ernte bei Mais und Soja in diesem Herbst die übrigen Feldarbeiten erheblich verzögert. Der Hauptgrund für die verhaltene Nachfrage in den USA dürften indessen die deutlich gefallenen Preise für Mais und Soja sein sowie der erwartete Rückgang beim Maisanbau im nächsten Jahr. Die Preise für importierten granulierten Harnstoff lagen an den Importhäfen am US-Golf Ende Oktober bei etwa 310 Euro und damit rund 30 USD/t bzw. 40 Euro niedriger als Ende August bzw. Anfang September (350 USD/t). Für den Zeitraum November bis Dezember rechnet man mit Preisen um 315 USD/t und auch für das Frühjahr 2015 geht man derzeit von stabilen Preisen aus.
 
Weiterhin wenig Ware aus Ägypten
Aus Ägypten und anderen Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens kommt weiterhin sehr wenig Ware auf den Weltmarkt. In Ägypten limitiert unverändert die sehr knappe Versorgung mit Erdgas die Produktion von Harnstoff und Ammonium. Ein Großteil der deutlich reduzierten Produktion wird deshalb für die eigene Versorgung benötigt. Für den Oktober liegen die Angebotspreise für granulierten Harnstoff an den ägyptischen Exporthäfen derzeit bei rund 360 USD/t und damit 10 USD bis 20 USD/t niedriger als noch im September. Für den November und den Dezember sind die Preisforderungen in Ägypten ähnlich hoch.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
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