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Analyse

Harnstoff: Märkte erwarten (deutlichen) Preisrückgang

von , am
04.04.2014

Die Preise für Harnstoffdünger bleiben trotz der jüngsten Preisrallye bei anderen stickstoffhaltigen Düngern (Ammonium) am Boden.

Wieviel kostet die Tonne Harnstoff im Vergleich zu anderen Düngern? © Mühlhausen/landpixel
 
Die Preise für Harnstoffdünger bleiben trotz der jüngsten Preisrallye bei anderen stickstoffhaltigen Düngern (Ammonium) am Boden. An den internationalen Spotmärkten zeigt die Tendenz sogar weiter deutlich nach unten. Zwar haben die sehr frühen Feldarbeiten in Deutschland und Europa im März auch bei Harnstoff zu einem Preisanstieg geführt. Der internationale Markt ist jedoch gut versorgt und auch der extreme Anstieg der Gaspreise (Produktionskosten) in der Ukraine hat bisher zu keinem Anstieg der internationalen Harnstoffpreise geführt. Das Gegenteil ist der Fall, an allen wichtigen Handelsplätzten zeigen die Preise bis Juli weiter nach unten. Hauptgrund für den Preisdruck ist das große globale Angebot, insbesondere aus China und dem Iran. Auch an den deutschen Ostseehäfen zeigen die Preise nach einem Zwischenhoch Mitte März wieder nach unten, auch wenn die Versorgung hierzulande noch nicht so gut ist wie am Weltmarkt.
 
Ukrainischer Harnstoff ebenfalls billiger
Am ukrainischen Schwarzmeerhafen Yuzhny sind die Preise für geprillten Harnstoff im März von zunächst 325 USD/t zum Ende des Monates auf knapp 300 USD/t zurückgegangen. Für die Verladung im Mai liegen die Angebotspreise in Yuzhny derzeit nur noch bei 285 USD/t. Und dass trotz der um 80 % gestiegenen Gaspreise. Ursache für den Preisdruck ist offenbar das große Angebot am Weltmarkt, das trotz der ukrainischen Probleme sowie erneuter Schwierigkeiten in Ägypten, für weiter fallende Preise sorgt. Vor allem China hat seine Ausfuhren in den letzten Monaten ausgebaut und die Exportmengen (trotz der noch bis Juni geltenden höheren Exportzölle von 15 %) ausgeweitet. Im Januar gingen knapp 600.000 t Harnstoff aus China auf den Weltmarkt und im Februar waren es 710.000 t. Damit sind Ausfuhren in den ersten beiden Monaten 2014 mit 1,3 Mio. t doppelt so groß wie 2013.
 
Indien kauft im März billig in China
Ende März haben die Chinesen zudem erstmals in diesem Jahr eine größere Menge Harnstoff nach Indien verkauft. Hier lag der ausgehandelte Preis ( einschließlich Fracht) nur bei 325 USD/t und war damit deutlich niedriger als das Niveau der Wettbewerber. Insgesamt wurden bei diesem Abschluss gut 1,0 Mio. t Harnstoff nach Indien verkauft, wobei neben China nur noch der Iran als Lieferant zum Zuge kam. Händler erwarten angesichts der rückläufigen Weltmarktpreise, dass auch Einkäufer aus Südamerika und den USA stärker auf die Ware aus China (und Iran) zurückgreifen werden.
 
Preise auch bei anderen Exporteuren unter Druck
Die niedrigen chinesischen Exportpreise sorgen auch bei den Exporteuren im Mittleren Osten und am arabischen Golf für Preisdruck. Dort waren die Exportpreise für granulierte Ware im März von 385 USD/t bis auf 360 USD/t gefallen. Lediglich in Ägypten hatten die Probleme bei der Gasversorgung zum Monatswechsel wieder für einen Anstieg der Exportpreise (fob) gesorgt. Die ägyptischen Preise waren im Monatsverlauf von 385 USD/t auf 365 USD/t gefallen, um dann Anfang April wieder auf 385 USD/t zu steigen.
 
Harnstoff in den USA nur kurzfristig teurer
In den USA ist Harnstoff mit den anlaufenden Feldarbeiten im Mittelwesten knapp geworden und die Preise sind von März bis April im Großhandel und in der Landwirtschaft kräftig gestiegen. Der wichtigste Indikatorpreis am Importhafen Tampa (Florida) lag Anfang April etwa bei 400 USD/t (März 415 USD/t). Bis Mai gehen die Preisforderungen aber schon wieder auf 375 USD/t zurück und der Juli kostet derzeit nur noch rund 300 USD/t und damit rund 100 USD/t weniger.
 
Europa: Nach Zwischenhoch wieder rückläufig
In Europa war die Preisentwicklung zuletzt ähnlich wie in den USA. Kurzfristig war Harnstoff knapp und die Preise sind im Großhandel und an den an Ostseehäfen gestiegen. Von Anfang März bis zur Monatsmitte legten die Preise für granulierte Ware um etwa 15 Euro auf etwa 355 Euro/t zu. Zum Ende des Monats zeigten die Preise jedoch schon wieder nach unten und der Harnstoff kostete an den Ostseehäfen rund 10 Euro weniger. Dieser Trend dürfte sich angesichts der Entwicklung an den internationalen Märken und der zunehmenden Entspannung bei Versorgunglage weiter fortsetzen.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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