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Analyse

Harnstoff: Preise ziehen kräftig an

von , am
16.01.2014

Die Preise für Harnstoff und andere Stickstoffdünger sind an den globalen Handelsplätzen im Januar zum Teil kräftig gestiegen.

Wieviel kostet die Tonne Harnstoff im Vergleich zu anderen Düngern? © Mühlhausen/landpixel
 
Die Preise für Harnstoff und andere Stickstoffdünger sind an den globalen Handelsplätzen im Januar zum Teil kräftig gestiegen. Dabei hatte Indien als einer der größten Importeure bereits Mitte Dezember seine nächsten Einkäufe auf den März verschoben, da die Landwirte auf dem Subkontinent nach Einschätzung der meisten Analysten erst einmal ausreichend versorgt sind. Trotzdem zogen die Preie ab Mitte Januar spürbar an. Die meisten Beobachter hat diese Preisrallye offenbar mehr überrascht als die im Januar deutlich veränderten Versorgungbilanzen bei Getreide durch das USDA und die anschließenden Preisveränderungen bei Mais und Weizen. Außerdem hatte China als der zuletzt wohl aggressivste Anbieter seine Exportzölle für die Ausfuhr von Harnstoff mit Wirkung vom 1. Januar von 77 % auf nur noch 15 % gesenkt. Aber Bis Mitte Januar war am Weltmarkt noch nichts von zusätzlicher chinesischer Ware zu spüren. Vielmehr ist erst einmal das Gegenteil ist der Fall.
 
Politische und ökonomische Ursachen
Viele Hersteller am Schwarzen Meer hatten mit dem scharfen Preisrückgang in der zweiten Jahreshälfte 2013 ihre Produktion deutlich gedrosselt. Hinzu kommen jetzt politische und ökonomische Probleme bei den Herstellern in Nordafrika und Ägypten. Im Ergebnis liegt das Angebot aus diesen Ländern zum Jahresbeginn deutlich unter den Erwartungen. Unter anderem kommt die Produktion einer neuen Anlage in Algerien (Sofert) wegen anhaltender politischer Probleme nur schleppend in Gang und die Abnehmer mit aktuellem Bedarf müssen sich erst einmal nach andern Lieferanten umsehen. Gleichzeitig berichte Analysten aus Ägypten, dass es dort massive Probleme mit Gasversorgung der Anlagen gibt und der Produktionsausstoß deshalb deutlich kleiner ist als erwartet und auch als sonst zu diesem Termin üblich. Auch in der Ukraine sind die Gaskosten (ohne russische Subventionen) derzeit relativ hoch und die Produktion wird erst durch die seit Dezember kräftig gestiegenen Preise wieder stärker angekurbelt. Der Europäische Importbedarf wird zu großen Teilen aus Ägypten gedeckt. Die Lieferprobleme der Ägypter haben die Preise auch hierzulande an den Importhäfen kräftig anziehen lassen.
 
Was macht China?
Auch in den USA sind vor dem Hintergrund der Entwicklung an den internationalen Spotmärkten die Harnstoffpreise im Januar kräftig gestiegen. Allerdings geht man dort derzeit von einer kleineren Anbaufläche bei Mais aus und damit auch von einem kleineren Stickstoffbedarf im in diesem Jahr. In Verbindung mit den niedrigen Maispreisen sind dort die Preise für Stickstoff (Ammonium) zur Herstellung verschiedener anderer Stickstoffdünger im Januar sogar überraschend kräftig gefallen. Noch ist außerdem nicht zu erkennen, wie sich die Senkung der chinesischen Exportzölle mittelfristig die Marktversorgung und die Weltmarktpreise auswirkt. Analysten berichten jedenfalls, dass an den chinesischen Exporthäfen eigentlich ausreichend Harnstoff für den Export vorhanden ist. Sollten die Chinesen also mit diesen Mengen zeitnah auf den Weltmarkt drängen, könnte dass die Preise rasch wieder unter Druck setzen. Erst einmal sieht es jedoch nicht danach aus. An den Spotmärkten steigen die Preise für Harnstoff jedenfalls bis zum Februartermin an. Erst danach rechnet der Markt derzeit mit einem Preisrückgang.
 
Weltmarkt-Preise ab März wieder niedriger
Der wichtigste Indikatorpreis am Schwarzmeerhafen Yuzhny lag im Dezember bei rund 330 USD/t und war damit 20 USD/t höher als im November. Für den Januar kletterten die Preise dort bis auf 340 USD/t und für Februar werden derzeit sogar 350 USD/t erwartet. Danach geht es allerdings mit den Kontraktpreisen wieder abwärts. Trotz des Anstiegs sind die Harnstoffpreise im Januar 2014 jedoch rund 15 Prozent niedriger vor einem Jahr. Ägyptischer Harnstoff hat sich von Anfang bis Mitte Januar von zunächst 365 USD/t auf 390 USD/t verteuert. Für den Februar liegen die Preise allerdings wieder bei 340 USD/t. Wenige Tage hatte man für den Februar allerdings nur 320 USD/t verlangt
 
Preise in Deutschland ebenfalls höher
An den deutschen Ostseehäfen kostete der dort umgeschlagene granulierte Harnstoff Mitte Januar im Schnitt 330 Euro/t und damit 10 Euro mehr als im Dezember und sogar 20 Euro mehr als im November. Im Vorjahresvergleich sind die Preise knapp 15 Prozent oder 65 Euro/t niedriger. Die Großhandelspreise für KAS-Dünger lagen im Januar an den deutschen Importhäfen bei rund 260 Euro/t und waren damit 20 Euro höher als im Dezember. Im Vergleich zum Vorjahr war das Preisniveau bei KAS etwa 25 Euro oder knapp 10 % niedriger. Die Preise für flüssigen AHL-Dünger bewegten sich an den Ostseehäfen Mitte Januar relativ stabil zwischen 205 und 210 Euro/t. Gleichzeitig waren die AHL-Preise etwa 35 Euro oder 15 % niedriger als Anfang 2014.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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