Login
Analyse

Harnstoff am Weltmarkt billiger

von , am
11.12.2014

Die Preise für Harnstoff sind im November und auch Anfang Dezember an den internationalen Handelsplätzen zurückgegangen.

© Mühlhausen/landpixel

Die Preise für Harnstoff sind im November und auch Anfang Dezember an den internationalen Handelsplätzen zurückgegangen. Gleichzeitig sind die Preise im November relativ deutlich unter das Vorjahresniveau gefallen. Für den Dezember sind die Preisforderungen an den wichtigsten Exporthäfen derzeit etwa so hoch wie zur Jahresmitte. Auch für das neue Jahr sind die Preisforderungen nur geringfügig höher. Trotz der Phase mit den höheren Exportzöllen sind die Exportpreise des preisbestimmendem (und größten) globalen Exporteurs China zuletzt ebenfalls zurückgegangen. Und das obwohl mit Indien Mitte November eine weiterer große Menge Harnstoff in China eingekauft hat. Offenbar hat sich die globale Nachfrage im zweiten Halbjahr 2014 wegen der stark gefallenen Getreidepreise abgeschwächt. Außerdem drücken die (weiter) fallenden Energiepreise (Gas und Öl) auch die Produktionskosten der Hersteller erheblich nach unten. Verteuert werden die Importe der Europäer indessen durch den schwachen Euro, der im November nochmals rund 3 Ct gegenüber dem Dollar verloren hat und 11 Prozent oder 15 Ct billiger ist als vor einem Jahr.
 
Harnstoff in Deutschland nur etwas billiger
Mitte Dezember bewegten sich die Harnstoffpreise (granuliert) an den deutschen Importhäfen (Ostsee) etwa bei 330 Euro und damit wieder etwas niedriger als im November jedoch noch immer höher als im Oktober. Im Vergleich zu den Preisen vom Vorjahr (325 Euro) ist das Niveau derzeit geringfügig höher. Im September waren die Preise für Harnstoff an den Verladestellen zunächst auf 340 Euro/t bis 345 Euro/t gestiegen. Bis Oktober rutschten die Kurse dann deutlich bis auf 325 Euro nach unten, um dann im November wieder rund 10 Euro auf etwa 335 Euro zulegen. Für Kalkammonsalpter (KAS) nannten Händler Ende November an den Verladestellen der Ostseehäfen noch Preise um 275 Euro/t und damit 10 Euro bis 15 Euro mehr als im Oktober. Mitte Dezember gaben die KAS-Preise dann jedoch mit den Weltmarktpreisen für Ammonium wieder etwas nach und lagen zwischen 265 Euro und 268 Euro. Im Vergleich zum Dezember 2013 (245 Euro) ist das Niveau Anfang Dezember 2014 etwa 20 bis 25 Euro höher. Relativ stabil blieben an den Importhäfen zuletzt die die Preise für flüssigen AHL-Dünger (Ammonium-Harnstoff-Lösung). Etwa seit Oktober pendeln die AHL-Preise jetzt um die Marke von 200 Euro/t. Im September kostete AHL noch 195 Euro bis 200 Euro und im August sogar nur 190 Euro/t. Im Vergleich zu den Preisen vom Dezember 2013 (210 Euro) ist das Niveau derzeit geringfügig niedriger.
 
Harnstoffpreise in der Ukraine schwächer
Im November sind die Kontraktpreise für Harnstoff an den globalen Handelsplätzen zurückgegangen und auch im Dezember gaben die Preis weiter nach. Am ukrainischen Schwarzmeerhafen Yuhzny lagen die Exportpreise für geprillten Harnstoff im Dezember bei rund 300 USD/t und teilweise auch darunter. Das waren rund 10 USD weniger als im November (311 USD) und fast 30 USD weniger als im Oktober (326 USD). Gleichzeitig waren die Preise rund 30 USD niedriger als vor einem Jahr (330 USD/t). Für die Verladung im Januar und Februar 2015 liegen die Preisforderungen am Schwarzen Meer derzeit bei rund 310 USD/t. Granulierter Harnstoff aus dem Mittleren Osten wurde Ende November (Richtung Europa) für 320 USD bis 325 USD/t angeboten. Brasilianische Importeure zahlten zu diesem Termin rund 350 USD/t (einschließlich der Frachtkosten). Deutlich wird bei der aktuellen Preisentwicklung, dass von den umfangreichen Exporten und den niedrigen Exportpreisen Chinas weiterhin erheblicher Druck auf die Weltmarkpreise ausgeht.
 
China setzt die Benchmark
Chinas Preise für geprillten Harnstoff zur Lieferung nach Indien und Südostasien lagen im November fob-Exporthafen unverändert bei rund 290 USD/t und damit weiterhin niedriger als in der  Ukraine oder in Nordafrika. Gleichzeitig sind die Exportpreise auch mit dem saisonalen Inkrafttreten der höheren Exportzölle (ab November) nicht gestiegen. Granulierter Harnstoff kostete an den chinesischen Exporthäfen im November 305 Euro bis 310 USD/t und war damit ebenfalls billiger als beispielsweise im Mittleren Osten und in Ägypten. Offensichtlich sind die exportfähigen Mengen trotz der saisonal größeren Inlandnachfrage vergleichsweise umfangreich, wie auch der letzte Abschluss mit Indien verdeutlicht. Die chinesische Exportmenge der ersten 10 Monate des laufenden Kalenderjahres (bis Oktober) lag bei 9,64 Mio. t und war damit knapp 50 % oder 3,1 Mio. t höher als im letzten Jahr (6,53 Mio. t). Etwa ein Drittel der Exporte gingen bis dahin nach Indien und gut 10 % in die USA. Für das gesamte Kalenderjahr 2014 rechnen Analysten derzeit mit chinesischen Harnstoffausfuhren von rund 10,5 Mio. t nach etwa 8,3 Mio. t im letzten Vorjahr (2013).
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
Auch interessant