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Analyse

Harnstoffpreise dürften kräftig fallen

von , am
04.06.2014

Für den Juni und vor allem für Juli sind die Preisangebote der internationalen Hersteller für Harnstoff und für die meisten anderen Stickstoffdünger wieder deutlich niedriger.

© landpixel
Die Preise für Harnstoff haben sich im Mai an den internationalen Märkten behauptet. Für den Juni und vor allem für Juli sind die Preisangebote der internationalen Hersteller für Harnstoff und für die meisten anderen Stickstoffdünger jedoch wieder deutlich niedriger. Außerdem bewegte sich der wichtigste Indikatorpreis für Harnstoff am Schwarzen Meer  auch im Mai unterhalb der Marke von 300 USD/t und damit auch rund 18 % unter den Preisen vom Jahresanfang und gut 15 % unter den Preisen vom Vorjahr. Grund für die Preisstabilisierung im April und im Mai war der zwischenzeitliche scharfe Preisanstieg bei Ammonium und in der Folge auch die Substitution von Ammonium durch Harnstoff durch viele Händler und Importeure.
 
Alle Indikatoren deuten auf Preisrückgang hin
Der Hauptgrund für den am Markt erwarteten Preisrückgang ist der Beginn der Niedrigzollperiode beim derzeit preisbestimmenden Exporteur China. Außerdem nimmt eine Reihe von Herstellern die Produktion von Harnstoff und von Ammonium nach technisch und politisch bedingten Unterbrechungen wieder auf und sorgt damit für einen deutlich besser versorgten internationalen Markt und nachgebende Preise. Zudem ist auch der saisonale Nachfragschub zur Frühjahrsbestellung in Europa und Nordamerika vorüber. Die Bevorratung der Händler mit noch nicht verkaufter oder vertraglich gebundener Ware wird angesichts der starken Preisschwankungen der letzten Monate (und dem damit verbundenen Risiko) allerdings weiterhin relativ gering bleiben. Zusätzlicher Druck auf die Preise für Mineraldünger dürften auch durch die zuletzt kräftig gefallenen Getreidepreise und den davon ausgehenden Auswirkungen auf das Einkaufsverhalten der Landwirte entstehen.
 
China bestimmt die Preise, 4Jahrestief erwartet
Preisbestimmend am Markt für Harnstoff ist China. Im April hat China seine Harnstoffexporte auf 1,3 Mio. t ausgeweitet und damit einen neuen Monats-Rekord aufgestellt und Ausfuhrmenge im Vergleich zum letzten Jahr um 1,0 Mio. t übertroffen. Händler berichteten Ende Mai, dass China für den Monat Juli granulierten Harnstoff zu fob-Preisen von etwa 260 USD/t und möglichweise auch darunter anbietet. So billig war Harnstoff am Weltmarkt zuletzt im Sommer 2010 also vor 4 Jahren. Ähnlich niedrig wie in China ist auch das Preisniveau im Iran. Anbieter aus dem Mittleren Osten meldeten vor diesem Hintergrund Juni-Preise von 270 USD/t. Im Mai lag das Preisniveau am ukrainischen SchwarzmeerhafenYuzhny noch bei etwa 290 USD/t bis 295 USD/t. Das wäre bis Juli ein Preisrückgang von 30 USD bis 35 USD/t bzw. von gut 10 %.
 
Händler legen kaum noch Vorräte an
In Europa und Deutschland hatte der sehr frühe Start der Feldarbeiten in Verbindung mit der Verknappung von Ammonium am Weltmarkt zu kräftig steigenden KAS-Preisen und zu erheblichen Versorgungsengpässen geführt. Hinzu kam auch in Europa der technisch bedingte Ausfall von Fabriken wie etwa in Belgien. Auch die übrigen Stickstoffdünger (einschließlich Harnstoff) haben sich daraufhin verteuert, obwohl außer bei Ammonium am Weltmarkt eigentlich keine Knappheit bestand. Aber ähnlich wie in den USA haben sich Händler und auch Hersteller wegen der starken Schwankungen der Preise auch in Europa kaum bevorratet. Der deutlich früher als gewöhnlich einsetzende Nachfrageschub, in Verbindung mit Lieferengpässen wegen knapper Vorräte, führte dann zwischenzeitlich zu einem raschen und kräftigen Anstieg der Preise am deutschen und europäischen Markt, der nun aber wieder nach unten korrigiert werden dürfte.
 
Harnstoffpreise geben schon wieder nach
An den deutschen Ostseehäfen kostete der dort umgeschlagene granulierte Harnstoff Anfang Juni im Schnitt 340 Euro/t und damit rund 10 Euro bis 20 Euro weniger als Mitte Mai und etwa 5 Euro weniger als im April. Zum Jahresbeginn lagen die Preise bei rund 325 Euro/t und im letzten Herbst kostete der Harnstoff im deutschen Großhandel sogar nur 290 Euro. Diese Marke könnten die Harnstoffpreise bis zur Jahresmitte wieder anpeilen, wenn sie der derzeitigen Entwicklung am Weltmarkt folgen.
 
KAS zeitweise sehr knapp und teuer
Besonders kräftig gestiegen sind in diesem Frühjahr in Deutschland und Europa die Preise für Kalkammonsalpter (KAS). Die Angebotsverknappung von Ammonium in Verbindung mit den frühen Saisonstart ließ die KAS-Preise an den deutschen Importhäfen von etwa 245 Euro/t zum Jahresbeginn bis Mitte Mai auf 295 Euro nach oben schießen. In der zweiten Maihälfte gingen die Preise dann jedoch wieder zurück und lagen Anfang Juni bei etwa 285 Euro/t. Im letzten Herbst kostete KAS an den deutschen Importhäfen etwa 225 Euro/t. Diese Richtung dürfte ebenfalls wieder angepeilt werden.
 
AHL-Preise folgen Harnstoff und KAS
Die Preise für flüssigen AHL-Dünger lagen an den deutschen Importhäfen Anfang Juni bei etwa 215 Euro/t und waren damit ähnlich hoch wie im Mai. Im April war AHL allerdings mit dem knappen KAS bis auf rund 230 Euro gestiegen. Zum Jahresbeginn 2014 lagen die AHL-Preise noch bei 210 Euro/t und im letzten Herbst waren die Großhandelspreise zeitweise bis auf 190 Euro abgesackt. Händler berichten, dass wieder mehr Ware in Westeuropa angeboten wird und die Preise weiter nachgeben dürften. Auch die anhaltende Korrektur bei Ammonium und Harnstoff sorgt für Druck auf die AHL-Preise.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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