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Analyse

Höhere Kalipreise wegen Havarie Russland?

von , am
21.11.2014

Diese Woche meldete der russische Kaliriese Uralkali eine Havarie in einer großen Kalimiene in Solikamsk rund 1000 km ostwärts von Moskau.

© K+S
Am internationalen Kalimarkt könnten die Preise für Kalidünger und die Handelsströme in Bewegung kommen. Diese Woche meldete der russische Kaliriese Uralkali eine Havarie in einer großen Kalimiene in Solikamsk rund 1000 km ostwärts von Moskau. Offenbar läuft die Miene mit Wasser voll und macht den weiteren Abbau des Kalisalzes unmöglich. Einen ähnlichen Vorfall hatte vor etwa 8 Jahren in der Miene Berezniki in der Region Perm gegeben. Die Kalimiene in Solikamsk hat nach Einschätzung von Analysten eine Kapazität von etwa 2,3 Mio. t pro Jahr und entspricht damit etwa 3 Prozent der globalen Angebotsmenge von Kalidünger. Uralkali ist seit 2011 (noch vor der kanadischen Potash Corp.) der größte Kaliproduzent der Welt und kontrolliert etwa 40 % der globalen Handelsmenge. Deshalb gibt Uralkali im Ergebnis der Preisverhandlungen mit China (und Indien) im Wesentlichen auch die Benchmark bei den globalen Preisen für Kalidünger vor.
 
Uralkali verliert 20 Prozent Kapazität
Im letzten Jahr beendete Uralkali das Kalikartel mit dem weißrussischen Hersteller Belaruskali und sorgte damit für einen massiven Preisverfall am Weltmarkt. Im Jahresverlauf sackten die Preise auf weniger als 300 USD/ ab und damit auf den tiefsten Stand seit mehr als 6 Jahren (Januar 2008). Die aktuelle Produktionskapazität von Uralkali vor der Havarie der Miene in Solikamsk wird von Analysten mit etwa 13 Mio. t angegeben. Der Produktionsausfall in Solikamsk reduziert den Produktionsausstoß also um 15 bis 20 Prozent. Bis zum Jahr 2020 rechnete man mit einer Ausweitung der Produktionsmenge des russischen Herstellers auf 15 Mio. t bis 19,5 Mio. t. Unmittelbar nach der Bekanntgabe der Havarie in Solikamsk gaben die Aktienkurse von Uralkali an der Moskauer Börse um 21 Prozent nach. Das war der stärkste Rückgang seit 6 Jahren.
 
Kanadier könnten Lücke schließen
Unklar ist in welchem Umfang vor allem die im nordamerikanischen Kalikartel Canpotex zusammengeschlossenen Hersteller Potsash, Mosaic und Agrium ihre Produktion ausweiten und den Russen Marktateile abjagen können. Vor allem der zweitgrößte globale Hersteller die kanadische Potash Corp. ist mit einer derzeitigen Produktionskapazität von 12,4 Mio. t dazu in der Lage. Allein durch eine bessere Auslastung der laufenden Anlagen könnten kurzfristig rund 1 Mio. t mehr auf den Markt gebracht werden. Zudem hat Potash für das nächste Jahr (2015) eine Ausweitung der Produktionskapazität um 2,9 Mio. t geplant. Damit könnte man die durch den Ausfall der russischen Anlage entstandene Lücke im globalen Angebot problemlos schließen.
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Kalipreise könnten (etwas) steigen
Wichtig ist der Ausfall der russischen Miene vor allem für die anstehenden Preisverhandlungen von Uralkali mit chinesischen (und indischen) Großabnehmern. Dabei gehst es um die Kontraktpreise für das Jahre 2015. In diesem Jahr haben die Chinesen nur 305 USD/t an Uralkali gezahlt, nachdem der Preis im Jahr 2013 noch bei 400 USD/t lag. Vor dem Hintergrund der Ereignisse in Solikamsk halten Analysten einen Preisanstieg auf bis zu 340 USD/t für 2015 für möglich. Die Preise (cif) für granulierten Kalidünger zur Lieferung nach Basilien könnten nach Meinung von Analysten von  jetzt knapp 380 USD/t auf 400 USD/t steigen. Das wird jedoch ganz entscheidend von den Liefermöglichkeiten der Nordamerikaner und anderer Wettbewerber wie etwa der israelischen ICL (Produktion 5,2 Mio. t) abhängen.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
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