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Analyse

Mineraldünger: China drängt auf die Exportmärkte

von , am
23.01.2014

China versucht mit drastischen Senkungen der Exportzölle die Ausfuhr von Harnstoff und Phosphor-Dünger anzukurbeln.

© landpixel

 
China versucht mit drastischen Senkungen der Exportzölle die Ausfuhr von Harnstoff und Phosphor-Dünger anzukurbeln. Das könnte durchaus gelingen. Kaum ein Land hat den internationalen Markt für Mineraldünger (und die Preise) in den letzten Jahren so stark beeinflusst. Bei Harnstoff und Phosphordünger führte ein rasanter Ausbau der Produktion in wenigen Jahren zu erheblichen Überschüssen sowie zu einem kräftigen Angebotszuwachs am Weltmarkt. Die Folge waren deutlich fallende Weltmarktpreise für Harnstoff und Phosphor-Dünger. Auch bei bei Kalidünger haben die Chinesen die eigene Produktion deutlich ausgebaut und so die Importe gedrosselt. Dennoch gehört das Reich der Mitte bei Kali (neben Brasilen) noch zu den größten Importeuren.
 
Überschüsse bei Harnstoff wachsen
Die chinesische Harnstoffproduktion wurde für das Jahr 2013 von Analysten auf rund 71 Mio. t geschätzt. Der aktuelle Inlandsbedarf liegt bei rund 52 Mio. t. Damit ergibt sich ein theoretischer Exportüberschuss von knapp 20 Mio. t. Bis zum Jahr 2017 halten die Chinesen eine Ausweitung ihrer Harnstoff-Produktion auf 90 Mio. t für möglich. Beim Export von Harnstoff unterscheiden die chinesischen Behörden bislang zwei unterschiedliche saisonale Abschnitte. Diese sind durch den entsprechenden Dünger-Bedarf bzw. die Nachfrage am Binnenmarkt begründet. Entsprechend dieser Phasen hat die chinesische Regierung den Umfang der Ausfuhren bislang über die Höhe der Exportzölle gesteuert.
 
Zollsenkung könnte Exporte ankurbeln
Der Zeitraum mit einem hohen Bedarf am Binnenmarkt erstreckt sich bei Harnstoff jeweils von Januar bis Juni sowie November bis Dezember. Im Jahr 2013 betrug der Exportzoll in dieser Zeit 77 %. Mit Wirkung vom Januar 2014 hat die chinesische Regierung die Exportzölle für diesen Zeitabschnitt auf 15 % gesenkt, zuzüglich 40 YUAN (6,55 USD/t). In der übrigen Saison von Juli bis Oktober lagen die Exportzölle im Jahr 2013 bei 2 % und belaufen sich jetzt nur noch auf 40 YUAN (6,55 USD). Vor dem Hintergrund der wachsenden Produktionsüberschüsse und der zuletzt wieder deutlich gestiegenen Weltmarktpreise, dürfte der Export für chinesische Unternehmen auch in der Phase der etwas höheren Exportzölle deutlich attraktiver sein als in der Vergangenheit.
 
Drastische Zollsenkung auch bei P-Dünger
Die chinesische Produktion von DAP-Dünger wurde von Analysten für 2013 auf rund 20 Mio. t geschätzt. Der Inlandsbedarf liegt bei rund 6 Mio. t. Damit ergibt sich ein theoretischer Exportüberschuss von 14 Mio. t. Auch bei DAP-Dünger hat die chinesische Regierung die Exportzölle jetzt drastisch gesenkt. Der Zeitraum mit hohen Zöllen erstreckt sich bei DAP von 01. Januar bis 15 Mai sowie von 16. Oktober bis 31. Dezember. In dieser Zeit betrug der Exportzoll für DAP-Dünger bislang (2013) 80 %. Ab Januar 2014 werden für die Ausfuhr von DAP aus China nur noch 15 % Exportzoll sowie 50 YUAN (8,20 USD) erhoben. In der Phase niedriger Zölle bzw. geringen Inlandsbedarfs vom 16. Mais bis 15. Oktober, mussten bislang 5 % Zoll gezahlt werden. Ab diesem Jahr sind es nur noch 50 Yuan/t (8,20 USD).
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkomapass
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