Login
Analyse

Mineraldünger teurer als im letzten Jahr

von , am
31.10.2014

Im Herbst 2014 kosten alle wichtigen Mineraldünger (außer Kalidünger) am Weltmarkt mehr als vor einem Jahr.

© landpixel
Im Herbst 2014 kosten alle wichtigen Mineraldünger (außer Kalidünger) am Weltmarkt mehr als vor einem Jahr. Dabei haben die höheren Preise nur bedingt mit einer gewachsenen globalen Nachfrage zu tun sondern vielmehr mit einer deutlichen Einschränkung der Produktion in einigen für die globale Versorgung wichtigen Ländern. Bei Harnstoff und auch bei P-Dünger wurden die Produktionskürzungen einiger Länder allerdings in beträchtlichem Umfang durch die deutlich größeren Ausfuhren Chinas und die wachsende Produktion in den USA aufgefangen. Bei Ammonium, dem wichtigsten Ausgangsstoff für zahlreiche Mehrnährstoffdünger, war dies wegen der anderen Anbieterstruktur jedoch nicht der Fall und die Preise sind im Herbst 2014 nochmals kräftig gestiegen. Das dürfte auch die meisten Mehrnährstoffdünger weiter verteuern. Dagegen sind die Preise für P-Dünger im Herbst 2014 am Weltmarkt  gefallen und Kalidünger blieb an den globalen Handelsplätzen unverändert billig. Die globalen Preise für Harnstoff sind wegen Produktionsausfälle am Schwarzen Meer, in Nordafrika und im Nahen Osten im Sommer gestiegen, im Herbst 2014 jedoch wieder zurückgegangen und pendeln derzeit seitwärts.
 
Politische und wirtschaftliche Turbulenzen
Verantwortlich für die globale Angebotsverknappung bei Harnstoff (und Ammonium) in diesem Jahr waren die politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen in der Ukraine, in Nordafrika und im Nahen Osten. In der Folge kam es zu deutlichen Produktionskürzungen und zur einer Angebotsverknappung am Weltmarkt. Die Harnstoffexporte der Ukraine gingen wegen der deutlich gedrosselten Produktion im Zeitraum von Januar bis Juli um 60 % von 1,8 Mio. t auf 0,7 Mio. t zurück. Dabei wirkten sich nicht nur der politische Konflikt mit Russland dämpfend auf die Produktion von Harnstoff aus sondern auch die steigenden Produktionskosten infolge höherer russischer Gaspreise. Die auch für den europäischen Markt wichtigen Harnstoff-Exporte Ägyptens gingen im gleichen Zeitraum ebenfalls um 17 % auf rund 0,7 Mio. t zurück. Ursache waren in Ägypten unter anderem Probleme bei Gasversorgung der Produktionsanlagen. Deutliche Produktionseinschränkungen gab es auch in Libyen (Bürgerkrieg) und anderen Ländern der Region. Dagegen weitete China seine Harnstoffexporte im Vergleich zum Vorjahr deutlich aus und hat von Januar bis August 2014 rund 6,6 Mio. t Harnstoff am Weltmarkt verkauft, im Vergleich zu 4,1 Mio. t im letzten Jahr. Auch in den USA expandiert die Produktion wegen der sehr niedrigen Gaspreise (infolge fracking) und das Land importiert nicht nur weniger sondern könnte in absehbarer Zeit auch zum Nettoexporteuer von Harnstoff werden.
{BILD:571655:jpg} 
Niedrige Erdgaspreise, niedrigere Produktionskosten
Entscheidend für die Höhe der Produktionskosten bei Harnstoff sind die Erdgaspreise. Diese befinden sich in den USA auf historischen Tiefständen und lösten auch massive Investitionen in Produktionsanlagen für Mineraldünger aus. Damit dürfte es in den nächsten Jahren zu einem kräftigen Zuwachs bei der Produktion von Harnstoff (und Ammonium) in den USA und auch am Weltmarkt kommen. Der größte globale N-Dünger Hersteller Yara geht davon aus, dass die USA in den nächste Jahren (2014 bis 2018 ) neben Ägypten, Algerien und Saudi-Arabien zu den Regionen mit den stärksten Produktionswachstum bei Stickstoffdünger gehören werden. Auch in Europa sind die Gaspreise im Herbst 2014 rund 30 % niedriger als im letzten Jahr und haben damit auch die Produktionskosten von Yara und anderen europäischen Herstellern gedrückt. Diese rückläufigen Produktionskosten müssten den Preisanstieg eigentlich deutlich dämpfen bzw. die Preise sogar drücken. Die Ukraine muss für das russische Erdgas allerdings mehr bezahlen. China produziert seinen Harnstoff hingegen mit mit Kohle und hatte nach Einschätzung von Analysten zuletzt erhebliche Probleme mit den Kosten und der Wirtschaftlichkeit seiner Anlagen, vor allem beim Absatz von Harnstoff am Binnenmarkt.
 
Mineraldünger müssten Getreidepreisen folgen
Erheblichen Einfluss auf die weltweite Nachfrage (der Landwirte) und die weitere Preisentwicklung bei Mineraldüngern haben die Getreidepreise. Diese sind in diesem Jahr sehr kräftig gefallen und so niedrig zuletzt vor 4 Jahren. In der Vergangenheit haben die Mineraldüngerpreise meist ziemlich eng mit den Preisen bzw. der Preisentwicklung bei Getreide korreliert. Das heißt auch, dass die Preise für Mineraldünger angesichts der gefallenen Getreidepreise noch Luft nach unten haben. Vergleicht man den globalen Weltbankindex der Getreidepreise mit dem Mineraldüngerindex, so waren die Getreidepreise im September 2014 rund 17 % niedriger als im Vorjahr. Der Preisindex für Mineraldünger war hingegen eben so hoch wie vor einem Jahr. Im Vergleich zum Jahr 2012 sind die Getreidepreise sogar 38 % niedriger während die Mineraldüngerpreise etwa 24 % unter dem Niveau von 2012 liegen. Gleichzeitig sind die Getreidepreise so niedrig wie zuletzt im Juni 2010, während Mineraldünger etwa so teuer ist wie im letzten Jahr. Um ähnlich wie die Getreidepreise den Stand von 2010 zu erreichen, müssten die Preise für Mineraldünger noch um 10 % zurückgehen. Verteuert wurde der Import von Mineraldünger nach Deutschland und Europa zuletzt jedoch auch durch den deutlichen Wertverlust des Euro. Gegenüber dem Dollar hat die europäische Währung seit Mai 2014 fast 10 % an Wert verloren und die Importe entsprechend verteuert.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
Auch interessant