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Analyse

N-Dünger: Ammonium-Preise gehen durch die Decke

von , am
04.04.2014

An den Spotmärkten gehen die Preise für Ammonium gerade durch die Decke.

© Rasbak/CC-SA-BY-3.0 wikimedia
 
An den Spotmärkten gehen die Preise für Ammonium gerade durch die Decke.  Ammonium ist der wichtigste Ausgangsstoff für die Herstellung von Kalkammonsalpeter (KAS) und anderen Mehrnährstoff-N-Düngern. Ganz besonders betroffen sind von der Preisrallye die Landwirte in Europa und in den USA. Dort sind die Feldarbeiten in vollem Gange und die kurzfristig verfügbaren Bestände sind ausgesprochen knapp. Hauptgrund für den aktuellen Preissprung sind die in kurzer Zeit extrem gestiegenen Gaspreise in der Ukraine, einen der wichtigsten Exporteure von Ammonium (NH4). Hinzu kommen jedoch politisch bedingte Produktionsausfälle in Libyen sowie anhaltende Probleme mit der Gasversorgung in Ägypten.
 
Knappe Versorgung in Europa
In Europa hat der sehr frühe Beginn der Feldarbeiten in Verbindung mit den sehr knappen Lagerbeständen bei Händlern und Herstellern im März für einen kräftigen Anstieg der Preise bei KAS und übrigen Mehrnährstoffdüngern gesorgt. Trotzdem ist KAS weiterhin sehr knapp und dürfte es auch im April bleiben, denn auch von den internationalen Märkten ist derzeit kaum Entlastung zu erwarten. Im Gegenteil, der größte Stickstoffdüngerhersteller Yara musste offenbar sein Werk in Libyen wegen der dortigen politischen Probleme vorübergehend schließen. Gleichzeitig haben ägyptische Exporteure weiterhin massive Probleme mit der kontinuierlichen Gasversorgung ihrer Anlagen und müssen die Produktion kürzen und vor allem den Export drosseln.
 
Gaspreise in der Ukraine steigen um 80 %
Ganz besonders macht sich der Anstieg der Gaspreise in der Ukraine bemerkbar. Dort ist der Preis für Erdgas aus Russland in wenigen Tagen zweimal erhöht worden. Insgesamt hat sich das Erdgas aus Russland für die Ukraine damit Anfang April um 80 % verteuert und kostet jetzt 485,5 USD/je 1000 qm (352 Euro). Dieser Preissprung bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Preise für Stickstoffdünger, denn Erdgas macht den größten Teil der Produktionskosten aus. Anfang de März hatte Ammonium am ukrainischen Exporthafen Yuzhny noch 425 USD/t gekostet. Kurz vor dem Monatswechsel lagen die Preise  bereits bei 485 USD bis 495 USD/t, mit weiter stark steigender Tendenz. In den USA sind die Preise am wichtigsten Umschlagplatz in Tampa (Florida) zum Monatswechsel um 120 USD/t auf 580 USD/t gestiegen. Dort hat der (späte) Beginn der Feldarbeiten im Mittelwesten jetzt einen starken Nachfrageschub ausgelöst, der auf ein  knappes Angebot trifft.
 
Kurzfristig kaum Entlastung zu erwarten
Händler rechnen derzeit nicht mit einer kurzfristigen Verbesserung der Angebotslage, zumal die Kostenexplosion in der Ukraine erst einmal nicht rückgängig gemacht werden kann. Anders als bei Harnstoff, spielen zudem China und der Iran als große und sehr preiswerte Anbieter und Exporteure keine Rolle und können so nicht für eine Preiskorrektur sorgen. Zusätzliches Angebot erwarten Beobachter derzeit lediglich aus Algerien, wo es aber nach Berichten von Analysten erhebliche bürokratische und administrative Probleme bei der Ausfuhr von Ammonium gibt.
 
Preise für KAS und AHL steigen kräftig
An den deutschen Ostseehäfen wird der knappe Kalkammonsalpeter (KAS) derzeit mit 285 Euro/t notiert und damit 15 Euro teuer als noch vor vier Wochen. Händler berichten über ein sehr knappes Angebot und über bereits auf Wochen in voraus verkaufte Mengen. Auch von den Importmärkten ist kurzfristig keine Entspannung der Lage zu erwarten, zumal auch die Nachfrage aus den USA derzeit sehr kräftig anzieht. Etwas besser als bei KAS ist die Angebotssituation offenbar bei AHL. Allerdings sind auch hier Preise zuletzt kräftig gestiegen. An den Ostseehäfen wurden für AHL aktuell wieder 230 Euro/t verlangt und damit 15 Euro mehr als Mitte März.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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