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Analyse

N-Dünger: Wachsendes Angebot drückt Ammonium-Preise

von , am
04.06.2014

An den Spotmärkten hatten die Preise für Ammonium im April ihren Höhepunkt erreicht. Im Juni und vor allem im Juli dürften sich die Kurse weiter abwärts bewegen

© agrar-press
An den Spotmärkten hatten die Preise für Ammonium im April ihren Höhepunkt erreicht und gaben Ende Mai bereits wieder moderat nach. Im Juni und vor allem im Juli dürften sich die Kurse weiter abwärts bewegen. Das lassen jedenfalls die derzeitigen Signale von den internationalen Märkten und auch aus Europa erwarteten. Ammonium ist ein wichtiger Ausgangstoff für eine ganze Reihe von stickstoffhaltigen Mehrnährstoffdüngern wie etwa Kalkammonsalpter (KAS) oder auch DAP. 
Für diese Mehrnähstoffdünger ist die Preisentwicklung bei Ammonium (und die Entwicklung der Energiepreise ) ein wesentlicher Faktor bei der Preisbildung. Im März und vor allem im April sind die Ammoniumpreise am Weltmarkt und in Europa infolge einer ganzen Reihe von ökonomischen und politischen Faktoren kräftig nach oben geschossen und haben auch die Preise für KAS mit nach oben getrieben. Mittlerweile hat sich die Situation jedoch geändert und die Preise dürften spürbar nachgegeben.
 
Verknappung durch Produktionsausfälle
Bedeutende Hersteller von Ammonium befinden sich unter anderem am Schwarzen Meer (Ukraine, Russland), in Ägypten, in Nordafrika (Libyen, Algerien) dem Nahem Osten (Quatar, VAE), aber auch in den USA und in Europa (Yara). Ausgangspunkt der letzten Preisrallye im April war eine politisch und ökonomisch bedingte Verknappung der Angebots aus Nordafrika (Libyen) und Ägypten. Also aus zwei für den europäischen Markt wichtigen Regionen. In Libyen führen die dortigen politischen Unruhen zu Werkschließungen und in Ägypten stoppte man die Gaszufuhr und einige große Anlagen wurden zeitweise stillgelegt. Auch in Europa musste Werke aus technischen Gründen (Belgien, Havarie) zeitweise geschlossen werden. Hinzu kam die immense Verteuerung von russischem Erdgas für die Ukraine. Anders als bei Harnstoff, wo China und der Iran die Preise unten halten, hat die Ukraine bei Ammonium die steigenden Kosten und die Angebotsverknappung an die Abnehmer weitergegeben. Außerdem hatten wenige Woche zuvor auch am Schwarzen Meer zwei Anlagen aus technischen Gründen (Reparatur) geschlossen und konnten so schnell nicht wieder hochgefahren werden. Alle diese Kapazitäten fehlten dem Markt in einer Phase kräftig steigender Nachfrage.
 
Angebot nimmt kräftig zu, Nachfrage schwächer
Mittlerweile haben eine ganze Reihe von Werken in Ägypten und dem auch in Libyien die Produktion wie aufgenommen oder stehen stehe kurz davor. Auch in Quatar steht eine große Anlage vor dem Produktionsstart. Ähnliche Meldungen kommen aus der Türkei und aus Trinidad. Hinzu kommt, dass Länder wie Algerien ihren Produktionsausstoß gesteigert haben. Das Ende der Frühjahrbestellung in Europa und in den USA lässt zudem auch die die Nachfrage spürbar absacken und in den USA haben die Preise in der zweiten Maihälfte bereits deutlich nachgegeben. Auch in der Ukraine bröckeln die Kurse, wenn auch nicht ganz so deutlich wie in Nordamerika.  Russland selbst hat nach Berichten von Händlern wachsende Mengen Ammonium über die  Seehäfen im Baltikum exportiert und dürfte nach Einschätzung von Analysten weitere Kapazitäten aus der Produktion von Harnstoff und AHL zu Gunsten von Ammonium abziehen bzw. verlagern.
 
US-Preise fallen bereits, Erwartung südwärts
Im April lag der wichtigste internationale Indikatorpreis für Ammonium am ukrainischen Exporthafen Yuzhny bei 510 USD/t bis 515 USD/t. Ende Mai bewegten sich die Exportpreise nur noch knapp über der Marke von 500 USD/t. In den USA waren die Ammoniumpreise am wichtigsten Umschlagplatz in Tampa (Florida) seit Anfang Mai um 40 bis 50 USD/t auf etwa 540 USD/t gefallen. Das dürfte auch am internationalen Markt für Bewegung sorgen. Anfang des 2014 lagen die Preise in Yuzhny noch bei etwa 420 USD/t und damit 16 % oder 80 USD/t niedriger als im Moment. Im Juni des vorigen Jahres (2013) kostete Ammonium am Weltmarkt rund 490 USD/t und im Juli noch 430 USD/t. Diese Marken dürften vor dem Hintergrund des wachsenden Angebots und des erwarteten Preisdrucks bei Harnstoff ebenfalls angepeilt werden.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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