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Analyse

P-Dünger: China bringt DAP-Preise ins Rutschen

von , am
05.06.2014

Die Preise für P-Dünger haben an den internationalen Spotmärkten im Mai kräftig nachgegeben und auch für den Juni und den Juli zeigt die Preiskurve deutlich nach unten.

© landpixel
Die Preise für P-Dünger haben an den internationalen Spotmärkten im Mai kräftig nachgegeben und auch für den Juni und den Juli zeigt die Preiskurve deutlich nach unten. Der Grund für den Preisrückgang ist nicht nur das Ende der Frühjahrsbestellung in Nordamerika und Europa sondern vor allem der Preisedruck der von den kräftig wachsenden Exportmenge Chinas ausgeht. In Deutschland folgen die Preise der Entwicklung an den internationalen Märkten bislang nur zögerlich.
 
China bestimmt die Preisentwicklung
Ähnlich wie bei Harnstoff bestimmen die Exportmengen und -preise aus dem Reich der Mitte auch die Preisentwicklung bei P-Dünger. An 16. Mai hat für Chinas P-Dünger-Exporte die Periode mit den niedrigen Exportzöllen begonnen und an den wichtigsten Exporthäfen haben sich bereits große Mengen P-Dünger (DAP/MAP/TSP) angesammelt und warten auf die Ausfuhr. Die dort geforderten Ausfuhrpreise (fob) liegen nach Angaben von Händlern und Analysten deutlich unter dem noch im Mai am Weltmarkt erzielten Preisen. Allein in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres exportierten die Chinesen in der Phase der höheren Zölle 1,4 Mio. t P-Dünger und damit mehr als dreimal so viel wie im letzten Jahr (0,435 Mio. t).
 
Auch andere Exporteure senken die Preise
Auch in den USA, in Russland, Nordafrika und Saudi-Arabien kommen die P-Dünger-Preise unter Druck, denn China verhandelt mit südamerikanischen Abnehmern über größere Lieferungen. Ausschlaggebend für die Entwicklung der Marktpreise werden allerdings die chinesischen Abschlüsse mit Indien sein, dem größten Importeur von P-Dünger (DAP). Hier rechnet man mit einer deutlichen Zunahme der Einfuhren im Vergleich zum sehr schwachen Vorjahr. Derzeit gehen Analysten davon aus, dass der indische Import von 3,3 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr auf mehr als 5,0 Mio. t in diesem Wirtschafsjahr ansteigt. Die Hauptimportmonate für Indien sind Juni bis Oktober und der größte Lieferant dürfte China sein.
 
Weltmarktpreise fallen deutlich
Im Mai lagen die Preise für DAP-Dünger an den US-Exporthäfen am Golf (fob) etwa bei 445 USD/t. Im April hatte DAP  dort noch 470 USD gekostete und im März etwa 500 USD/t. Bis Mai ist dies ein Preisrückgang von 13 % oder 65 UDS/t. Die Angebotspreise an den chinesischen Exporthäfen liegen für den Mai allerdings schon bei 420 USD/t und damit deutlich unter dem aktuellen Niveau. Zu diesen Preisen dürfte wohl auch Indien auf den Markt zurückkommen und größere Mengen einkaufen. Vor einem Jahr (2013) hatten die globalen Exportpreise im April noch bei 508 USD/t  und im Mai bei 485 USD gelegen und damit deutlich höher. Danach gingen die Preise wegen des wachsenden Angebots und einer und schwachen Nachfrage (Indien) bis zum November auf 350 USD/t zurück. Die Folgen waren kräftige Produktionskürzungen bei vielen großen Herstellern, was dann für das knappe Angebot und den Preisanstieg im Frühjahr 2014 verantwortlich war.
 
Deutschland mit Korrekturbedarf (nach unten)
Auch an den deutschen Importhäfen (Ostsee) sind die Preise für DAP-Dünger mit den Weltmarktpreisen zum Jahresbeginn außerordentlich kräftig gestiegen. Während DAP-Dünger Anfang Januar noch für 340 Euro/t gehandelt wurde, stiegen die Preise bis April auf etwa 450 Euro/t. Das bedeutet einen Preisanstieg von rund 110 Euro oder ein Drittel. Ende Mai kostete DAP an den Ostseehäfen immer noch 440 Euro bis 445 Euro/t. Schaut man auf die jüngste Entwicklung an den internationalen Märkten müssten die Preise jedoch auch in Deutschland und Europa weiter nachgeben. Nicht nur aus China wird DAP derzeit sehr preiswert angeboten sondern auch in Russland, Saudia-Arabien und Nordafrika fallen die Preise. Am Weltmarkt sind die Preise seit April jedenfalls um gut 10 % zurückgegangen und bis Juni rechnet man mit einem weiteren Preisrückgang von etwa 5 %. Dies Entwicklung müsste der deutsche Markt eigentlich noch nachholen.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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