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Analyse

Preise für Ammonium gehen durch die Decke

von , am
05.11.2014

An den internationalen Handelsplätzen für Mineraldünger sind die Preise für Ammonium im September und im Oktober geradezu explodiert.

© Rasbak/CC-SA-BY-3.0 wikimedia
An den internationalen Handelsplätzen für Mineraldünger sind die Preise für Ammonium im September und im Oktober geradezu explodiert. Ursache für den scharfen Preisanstieg bei Ammonium ist das deutlich reduzierte Angebot am Weltmarkt infolge massiver Produktionsrückgänge in der Ukraine, in Nordafrika und im Mittleren Osten. Mit den Ammoniumpreisen steigen auch die Preise für zahlreiche Mehrnährstoffdünger wie etwa für Kalkammonsalpeter (KAS) oder AHL-Lösung in Deutschland und am Weltmarkt. Eine Entspannung von der Angebotsseite ist kurzfristig offenbar nicht zu erkennen. Dafür dämpfen die kräftig gestiegenen Preise die Nachfrage offenbar deutlich.
 
Produktion und Export eingebrochen
In der Ukraine ging der Export von Ammonium im ersten Halbjahr 2014 immerhin um knapp 50 Prozent von 0,9 Mio. t auf 0,5 Mio. t zurück. Hauptgrund sind die beschränkten und teuren Lieferungen von russischem Erdgas und damit auch deutlich steigende Produktionskosten. Auch in Ägypten hat die unveränderte knappe Versorgung der Hersteller mit Erdgas zu deutlichen Produktionskürzungen und stark rückläufigen Exporten geführt. In Libyen und bei anderen Herstellern in Nordafrika und im Mittleren Osten ging die Produktion ebenfalls deutlich zurück. Anders als bei Harnstoff können diese massiven Produktionsausfälle am Weltmarkt nicht durch andere Hersteller (wie etwa China oder den Iran) ausgeglichen werden.
 
Nachfrage schwächt sich ab
Auch beim weltweit größten (europäischen) N-Düngerproduzenten YARA war die Produktion von Ammonium in diesem Jahr etwas kleiner. Ein Grund waren hier unter anderem die Produktionsausfälle in ausländischen Werken wie etwa in Libyen. Allerdings haben die sehr hohen Weltmarktpreise in Verbindung mit der stärkeren außereuropäischen Nachfrage auch den Export von Ammonium und Stickstoffdüngern aus Europa angekurbelt. Diese Entwicklung begrenzt das Angebot am europäischen Markt und könnte auch zu Lieferproblemen führen, denn die meisten Händler verfügen wegen der großen Preisausschläge kaum über größere Bestände. Allerdings rechnen die meisten Analysten wegen der stark gefallenen Getreidepreise auch bei den großen Importeuren erst einmal mit einem spürbaren Abflauen der Nachfrage.
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US-Farmer warten auf fallende Preise
Auch aus den USA berichten Händler derzeit über eine schwache Nachfrage nach N-Dünger in diesem Herbst. Dabei hat auch die späte und langsame Ernte sowie die massiven Regenfälle im Mittelwesten zu Verzögerungen der Feldarbeiten geführt. Hauptursache für die schwache Nachfrage waren jedoch die stark gefallenen Getreidepreise und der erwartete Rückgang bei der Aussaatfläche von Mais im nächsten Jahr. Viele Farmer rechnen zudem wegen der niedrigen Getreidepreise noch mit einem Rückgang der Düngerpreise bis zum Frühjahr und stellen den Einkauf von N-Dünger deshalb zurück oder kaufen nur kleine Mengen.
 
Weltmarktpreise 40 % höhe als 2013
Ende Oktober wurde Ammonium am ukrainischen Exporthafen Yuzhny für 600 USD/t bis 610 USD/t angeboten und damit rund 60 USD/t teurer als noch im September (540 USD) und sogar 150 USD/t teurer als zum letzten Tiefpunkt der Preise im Juli (450 USD) dieses Jahres. Das Preisniveau des letzten Jahres (Oktober 2013) wird damit um 160 USD oder knapp 40 % übertroffen. Zum gleichen Zeitpunkt wurden an den Exporthäfen im Mittleren Osten (fob) für Ammonium Preise von 635 USD/ gefordert. Gleichzeitig meldete man aus den USA am Importhafen Tampa Importpreise (cif) von 640 USD/t.
 
Preise für Ammonium-Dünger gestiegen
Auf den Preisanstieg bei Ammonium reagierten auch die Preise für die meisten Mehrnährstoffdünger. Dazu zählen am deutschen Markt insbesondere Kalkammonsalpter (KAS) und AHL-Dünger (Ammoniumnitratharnstofflösung). Anfang November nannten Händler an den Verladestellen der Ostseehäfen KAS-Preise um 265 Euro/t und damit 10 Euro bis 15 Euro mehr als im August. Im Vergleich zum Vorjahr (230 Euro) ist das Niveau derzeit sogar 35 Euro höher. Teurer geworden ist an den Importhäfen zuletzt auch flüssiger AHL-Dünger. Mitte August lagen die Preise noch bei 190 Euro/t, bis September kletterten die Kurse auf 195 Euro bis 200 Euro und Ende Oktober kostete AHL 200 Euro bis 205 Euro/t.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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