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Analyse

Preise für Harnstoff könnten 2015 fallen

von , am
08.01.2015

Die Preise für Harnstoff waren an den internationalen Handelsplätzen im Dezember stabil oder auch leicht fester.

© agrar-press

Die Preise für Harnstoff waren an den internationalen Handelsplätzen im Dezember stabil oder auch leicht fester. Ein Grund für die Stabilisierung der Preise war ein weiterer sehr großer Tender Indiens zur Monatsmitte, der den Markt erst einmal leer räumte. Dabei hatte der derzeit größte Harnstoffexporteur China seine Ausfuhrmenge im November nochmals sehr kräftig ausgeweitet und etwa 2,3 Mio. t Harnstoff exportiert (davon 1,2 Mio. t nach Indien). Diese Ausfuhrmenge war ein neuer monatlicher Rekordwert, obwohl im November für Chinas Exporteure die höheren Ausfuhrzölle galten.
 
Zum Jahreswechsel haben die Chinesen aber ihre Exportzölle für das gesamte Jahr 2015 auf nur noch 80 RMB/t (13 USD/t) gesenkt. Dieser Zollsatz entspricht nur noch einem Viertel des bisherigen Ausfuhrzolls in der bisher von November bis Juni geltenden Phase der höheren Zölle (rund 50 USD/t). Welche Auswirkungen die chinesische Zollsenkung auf das globale Angebot und vor allem die Weltmarktpreise hat, ist noch nicht ganz klar. Bereits im zurückliegenden Jahr 2014 haben die Chinesen jedenfalls einen neuen Ausfuhrrekord bei Harnstoff erreicht und waren 2014 mit großem Abstand vor Qatar, Russland, Oman, Saudi-Arabien und der Ukraine der größte globale Harnstoff-Exporteur.
 
Preise könnten (mit den Kosten) deutlich fallen
Das erste Quartal des Jahres ist üblicherweise ein Zeitabschnitt mit einer relativ starken globalen Nachfrage nach Harnstoff und anderen Stickstoffdüngern, denn dann steht die Frühjahrsbestellung und damit der Düngereinkauf in den USA, in Europa und auch Schwarzen Meer an. Noch ist allerdings nicht klar, welchen Einfluss (neben den niedrigen chinesischen Zöllen) der extreme Preissturz bei Erdöl und die ebenfalls weiter fallenden Erdgaspreise auf die Produktionskosten der Düngerhersteller und damit auch auf die Mineraldüngerpreise haben. Für die Europäer wirkt der anhaltende Wertverlust des Euro dem globalen Preisrückgang (in Dollar) bei den meisten Energieträgern und Mineraldünger zwar entgegen, jedoch ist der Preissturz bei Öl und Gas weitaus größer als der Wertverlust des Euros, so dass der starke Preisrückgang am Weltmarkt eigentlich auch in Europa ankommen müsste.
 
Harnstoff in Deutschland stabil, AHL etwas teurer
Im Verlauf des Dezembers bewegten sich die Harnstoffpreise (granuliert) an den deutschen Importhäfen (Ostsee) relativ stabil bei 330 Euro. Im Vergleich zu den Preisen vom Vorjahr (330 Euro) ist das Niveau damit fast gleich hoch. Im September waren die Preise für Harnstoff an den Verladestellen zunächst auf 340 Euro/t bis 345 Euro/t gestiegen. Bis Oktober rutschten die Kurse dann bis auf 325 Euro nach unten, um dann im November wieder rund 10 Euro auf etwa 335 Euro zulegen.
 
Moderat gestiegen sind an den Importhäfen im Dezember hingegen die die Preise für flüssigen AHL-Dünger (Ammonium-Harnstoff-Lösung). Ende des Monats lagen die Preise bei knapp 210 Euro/t und damit 5 Euro bis 10 Euro höher als im Vormonat. Etwa seit Oktober pendelten die AHL-Preise um die Marke von 200 Euro/t. Im September 2014 kostete AHL noch 195 Euro bis 200 Euro und im August 2014 sogar nur 190 Euro/t. Im Vergleich zu den Preisen vor einem Jahr (210 Euro) ist das Preisniveau derzeit etwa gleich hoch.
 
Harnstoffpreise in der Ukraine zuletzt leicht fester
Im November waren die Kontraktpreise für Harnstoff an den globalen Handelsplätzen zurückgegangen und im Dezember blieben die Preise dann relativ stabil. Am ukrainischen Schwarzmeerhafen Yuhzny lagen die Exportpreise für geprillten Harnstoff im Dezember bei rund 312 USD/t. Das waren ähnlich hohe Preise wie im November (311 USD) und 20 USD weniger als im Oktober (326 USD). Gleichzeitig waren die Preise rund 20 USD niedriger als vor einem Jahr (330 USD/t). Für die Verladung im Januar und Februar 2015 liegen die Preisvorstellungen am Schwarzen Meer derzeit (bei schwachem Umsatz) bei rund 320 USD/t und damit etwas höher. Granulierter Harnstoff aus dem Mittleren Osten wurde Anfang Januar (Richtung Europa) für knapp 340 USD angeboten und damit ebenfalls etwas teurer als im letzten Monat (320 USD bis 325 USD/t ).
 
China weiter mit Rekordausfuhren
Chinas Preise für geprillten Harnstoff zur Lieferung nach Indien und Südostasien waren Ende Dezember fob-Exporthafen 10 bis 20 USD höher als im November und lagen etwas über 300 USD/t. Das war jedoch weiterhin weniger als die Exporteure aus der Ukraine oder aus Nordafrika verlangten. Granulierter Harnstoff kostete an den chinesischen Exporthäfen Ende Dezember etwa 315 USD bis 325 USD/t und war damit ebenfalls billiger als im Mittleren Osten und in Ägypten. Die chinesische Exportmenge der ersten 11 Monate des laufenden Kalenderjahres (bis November) lag bei knapp 12,0 Mio. t und war damit knapp 60 % oder 4,5 Mio. t höher als im letzten Jahr (7,5 Mio. t). Knapp 40 % der Exporte gingen bis dahin nach Indien und gut 10 % in die USA. Allein im November haben die Chinesen rund 2,3 Mio. Harnstoff exportiert und damit einen neuen Monatsrekord aufgestellt und der bisherige Ausfuhrrekord des Jahres 2013 von 8,3 Mio. t war bereits im November 2014 (12,0 Mio. t) deutlich übertroffen.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt // agrarmanger
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