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Analyse

Preise für Kalidünger könnten bald steigen

von , am
21.11.2014

Am Weltmarkt stagnierten die Preise für Kalidünger seit dem Frühjahr 2014 auf sehr niedrigem Niveau. Analysten erwarteten bislang für 2015 einen moderaten Anstieg der globalen Kalipreise

© Mühlhausen/landpixel
Am Weltmarkt stagnierten die Preise für Kalidünger seit dem Frühjahr 2014 auf sehr niedrigem Niveau. Bis Oktober war das Preisniveau an den Verladehäfen der großen Kali-Exporteure in Nordamerika und Russland so niedrig wie seit 6 Jahren nicht mehr (Januar 2008). Analysten erwarteten bislang für 2015 einen moderaten Anstieg der globalen Kalipreise. Entscheidend für die Preisentwicklung ist dabei welchen Preis der russische Kaliriese Uralkali mit seinen chinesischen Großabnehmern aushandeln kann. Nun könnte es jedoch zu einem etwas stärkeren Anstieg der Kalipreise als bislang erwartet kommen. Grund ist eine Havarie (Flutung) in einer großen Kalimiene des russischen Herstellers Uralkali im November. Dies könnte zu einer Verknappung des globalen Kaliangebotes führen (die Kapazität der Mine liegt immerhin bei etwa 2,5 Mio. t). Die Frage ist allerdings inwieweit Hersteller aus Nordamerika (Potash) ihre Produktion und Exporte kurzfristig ausweiten können und den Russen damit Marktanteile (unter anderem in China) abjagen.
 
Kalipreise könnten wegen Havarie in Russland steigen
Im Oktober 2014 lagen die Spotmarktpreise für Kalidünger (MOP) an den nordamerikanischen Exporthäfen (fob-Vancover) wie schon in den Vormonaten zwischen 290 USD/t und 300 USD/t. Ähnlich war das Preisniveau bei den großen Exporteuren in Russland und Weißrussland sowie in Israel (ICL). Im Oktober vor einem Jahre (2013) mussten Importeure beim Einkauf von Kalidünger (MOP) bei den den gleichen Lieferanten für Standardware (fob) noch 360 USD/t bezahlen und vor zwei Jahren sogar 440 USD/t. Die zuletzt am Markt erwarteten fob-Preise für die Lieferung von Standard-Kalidünger (MOP) im Jahr 2015 nach China lagen bei etwa 320 USD/t, nach Preisen von 305 USD/t in diesem Jahr (2014). Nach der Havarie und dem Ausfall der russischen Kalimiene Solikamsk halten Analysten jedoch einen Preisanstieg bis auf 340 USD/t für möglich. Ob es wirklich dazu kommt, wird aber auch sehr stark von der Reaktion der übrigen großen Hersteller (insbesondere aus Nordamerika) abhängen.
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Kalipreise an deutschen Spotmärkten höher als 2013
An den deutschen Verladehäfen an der Ostsee bewegen sich die Spotmarkpreise für Kalidünger (Kornkali) von Juni bis September fast unverändert um die Marke von 250 Euro/t. Von Oktober bis November erfolgte dann ein leichter Preisanstieg auf knapp 260 Euro/t. Damit sind die Spotmarktpreise für Kalidünger (anders als am Weltmarkt) hierzulande rund 20 Euro/t bzw. 8 Prozent höher als vor einem Jahr (240 Euro/t). An den internationalen Spotmärkten sind die Preise für Standard-Kalidünger (MOP) derzeit 50 USD/t bis 60 USD/t bzw. etwa 20 Prozent niedriger als im Vorjahr.
 
Bestände in Nordamerika deutlich geschrumpft
Die Kaliexporte (MOP) aus Nordamerika (USA und Kanada) waren im ersten Quartal (Juli bis September) des aktuellen Wirtschaftsjahres 2014/15 (Juli bis Juni) mit 2,2 Mio. t rund 27 Prozent größer als die vergleichbare Ausfuhrmenge des Vorjahres (1,74 Mio. t). Im Vergleich zum vierten Quartal des vorigen Wirtschaftsjahres 2013/14 ( April bis Juli) war die Ausfuhrmenge allerdings um 31 % kleiner. Die Produktion von MOP wird Nordamerika für das erste Quartal des aktuellen Wirtschaftsjahres 2014/15 (Juli bis September) relativ stabil mit 3,35 Mio. t (Vj.: 3,4 Mio. t) angegeben. Die nordamerikanischen Bestände lagen bei 1,47 Mio. t und waren damit 47 % niedriger als im letzten Jahr zu diesem Termin und 37 % niedriger als im vierten Quartal 2013/14 (2,9 Mio. t). Die wichtigsten Abnehmer für die Ausfuhren aus Nordamerika waren von in diesem Wirtschaftsjahr Brasilien (25 %), Indonesien (15 %), Indien (15 %), sowie mit einigem Abstand Malaysia und China.
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Brasilen importiert Rekordmengen
Brasiliens Kaliimporte lagen im Oktober 2014 bei 0,66 Mio. t und waren 12 % niedriger als im Oktober 2013 mit 0,75 Mio. t. Von Januar bis Oktober 2014 erreicht die brasilianische Einfuhrmenge jedoch einen Umfang von 7,4 Mio. t und ist damit 12 % höher als 2013 mit 6,6 Mio. t und liegt auch deutlich über dem langjährigen Mittelwert von 6,0 Mio. t. Für das gesamte Jahr 2014 erwarten Analysten brasilianische Importe von 8,2 Mio. t und damit einen neuen Einfuhrrekord. Die Einfuhrpreise (cif) für granulierten Kalidünger MOP in Brasilien lagen Mitte November (einschließlich Frachtkosten) bei knapp 380 USD/t und waren damit rund 30 USD/t höher als im Juli mit 350 USD/t. Im letzten Jahr (2013) musste Brasilien zum Mitte November nur 331 USD/t ausgeben und damit 50 USD/t weniger.
 
Chinas Importe auf 7Jahreshoch
China hat von Januar bis August 2014 etwa 5,2 Mio. t Kalidünger importiert und damit rund 16 % mehr als im letzten Jahr (4,5 Mio. t) und 30 % mehr als im langjährigen Mittel (4,0 Mio. t). Das Tempo der Einfuhren war zuletzt relativ stabil. Im August lag die Importmenge bei 0,7 Mio. t und war damit 3 % größer als im Juli (0,68 Mio. t) jedoch rund 34 % höher als im August 2013 (0,53 Mio. t). Im letzten Jahr (2013) erreichten die chinesischen Kaliimporte einen Umfang von etwa 6,0 Mio. t. Analysten gehen für 2014 von einer Gesamteinfuhr von etwa 6,8 Mio. t aus und damit von der größten Einfuhrmenge seit 7 Jahren. Die Importpreise wurden unverändert mit 305 USD/t angegeben (einschließlich Fracht) und damit deutlich niedriger als im letzten Jahr mit 400 USD/t.
 
Indiens Importe etwas höher als 2013
Indiens Kaliimporte lagen in den ersten fünften Monaten (April bis August) des indischen Wirtschaftsjahres 2014/15 (April bis März) bei 1,8 Mio. t und sind damit 13 % höher als 2013 mit 1,6 Mio. t und liegen zudem über dem langjährigen Mittelwert von 1,58 Mio. t. Im vorigen Wirtschaftsjahr 2013/14 lag die indische Einfuhrmenge bei insgesamt 3,2 Mio. t Kalidünger und damit 30 % über dem sehr schwachen Importjahr 2012/13 mit 2,2 Mio.t Mio. t. In den beiden Jahren zuvor hatte Indien jeweils rund 7 Mio. t Kalidünger importiert. Für die aktuelle Saison rechnen Analysten mit einer Zunahme der indischen Importe auf insgesamt 4,1 Mio. t. Die Importpreise lagen zuletzt relativ stabil bei rund 320 USD/t und damit rund 100 USD/t unter den Preisen vom letzten Jahr von 427 USD/t.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkomapass
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