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Analyse

Preise für N-Dünger steigen wieder

von , am
20.08.2014

Für den August und den September kostet Harnstoff an den wichtigsten Exporthäfen wieder mehr.

Die Harnstoffpreise liegen gerade 30 Euro unter dem Vorjahr. © Mühlhausen/landpixel
Die Preise für Harnstoff (und andere Stickstoffdünger) haben sich im Juli an den internationalen Handelsplätzen kaum verändert. Für den August und den September kostet Harnstoff an den wichtigsten Exporthäfen jedoch wieder mehr. Danach (ab Oktober) zeigen die Kontraktpreise derzeit wieder nach unten. Auch am ukrainischen Schwarzmeerhafen Yuhzny waren die Exportpreise für geprillten Harnstoff im Juli mit etwa 300 USD/t relativ stabil. Für die Verladung im August und vor allem für den September sind die Kontraktpreise zuletzt jedoch auf 320 USD/t bis 330 USD/ gestiegen. Anderseits hat China im Juli sehr große Mengen Harnstoff vor allem nach Indien zu sehr niedrigen fob-Preisen zwischen 250 USD/t und 260 USD/t verkauft. Damit lagen die Chinesen weiterhin sehr deutlich unter den Preisen der übrigen Wettbewerber. Das verfügbare Harnstoff-Angebot aus Nordafrika und dem Mittleren Osten ist wegen der anhaltendenden politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen in der Region dagegen weiterhin knapp und war deshalb zuletzt ebenfalls wieder teurer.
 
Harnstoffpreise steigen auch in Deutschland
An den deutschen Importhäfen (Ostsee) sind die Preise für Harnstoff im August ebenfalls gestiegen. Der an den Ostseehäfen umgeschlagene granulierte Harnstoff kosteten Mitte August zwischen 310 Euro/t und 315 Euro und damit etwa 15 bis 20 Euro mehr als Ende Juli, jedoch immer noch und 30 bis 40 Euro weniger als zur letzten Preisspitze im April. Moderat gestiegen sind Mitte August auch die Preise für KAS-Dünger. Hier nennen Händler an den Verladestellen der Ostseehäfen Preise um 255 Euro/t und damit rund 5 Euro mehr als Ende Juli. Zu unveränderten Preisen gehandelt wird an den Importhäfen weiterhin flüssiger AHL-Dünger. Mitte August lagen die Preise wie auch Ende Juli stabil bei etwa 190 Euro/t.
 
Preisspitze im September erreicht?
Die Gründe für den derzeit an den Märkten für August und September erwarteten Preisanstieg bei Harnstoff und anderen Stickstoffdüngern sind vielfältig. In den USA (einem großen Importeur) sind die Läger der großen Handelsunternehmen wegen der sehr späten Feldarbeiten im vergangenen Frühjahr offenbar leer. Etliche große Düngerhersteller und Händler rechnen deshalb mit einem sehr frühen Nachfrageschub an den internationalen Märkten, um diese Bestände wieder aufzufüllen. Der Höhepunkt dieses (temporären) Nachfrageschubs wird im September erwartet. Dass lassen auch die Terminmarktpreise für Harnstoff in den USA erkennen. Dort sind die Preise für den August und September zuletzt kräftig gestiegen, zeigen für Oktober und vor allem für den November jedoch schon wieder deutlich nach unten. Während granulierter Harnstoff an den Importhäfen am US-Golf im August und September etwa 360 USD/t kostet liegen die Preise im Oktober bei 350 USD/T und von November bis zum Frühjahr nur noch bei 330 USD/t oder billiger.
 
China verkaufte im Juli sehr große Mengen
China hat im Juli (mit Beginn der Niedrigzollperiode) offenbar sehr große Mengen preiswerten Harnstoffs am Weltmarkt (vor allem nach Indien) verkauft. Für den August und den September haben die Chinesen wegen der sehr stark abgebauten Bestände an den Exporthäfen ihre Preise moderat erhöht. Das war offenbar auch ein Signal für die anderen Exporteure ihre Preise anzuheben. Händler und Analysten meldeten für den Monat Juli von chinesischen Exporthäfen fob-Preise von 255 bis 260 USD/t. Für Indien ergibt sich danach cif-Import-Preis von 274 USD/t. Zu diesem Preis hat China im Juli rund 1,2 Mio. t Harnstoff verkauft. Die chinesische Exportmenge der ersten 6 Monate des laufenden Kalenderjahres (bis Juni) lag bei 4,17 Mio. t und war damit mehr als dreimal so hoch wie im letzten Jahr (1,3 Mio. t). Etwa ein Drittel der Exporte gingen bis dahin nach Indien und gut 10 % in die USA. Für das gesamte Kalenderjahr 2014 rechnen Analysten derzeit mit chinesischen Harnstoffausfuhren von rund 10 Mio. t nach etwa 8,3 Mio. t im letzten Vorjahr (2013).
 
Keine Ware aus Ägypten, Libyen liefert
Aus Ägypten und anderen Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens kommt weiterhin sehr wenig Ware auf den Weltmarkt. In Ägypten limitiert eine sehr knappe Versorgung mit Erdgas die Produktion die von Harnstoff und Ammonium. Beobachter rechnen damit, dass  mehr als 80 % der derzeitigen ägyptischen Produktion am Binnenmarkt benötigt werden. Für den Oktober liegen die Angebotspreise an den ägyptischen Exporthäfen derzeit bei 370 USD/t und damit etwa 20 USD/t höher als vor wenigen Wochen. Wieder mit der Produktion begonnen hingegen der europäische Hersteller YARA in einer großen Anlage in Libyen (LIFECO). Von dort wurde Ende Juli geprillte Ware für 305 USD bis 310 USD/t (fob) verschifft. Nach Einschätzung von Händlern werden aus Libyen (wegen der Probleme in Ägypten) größere Mengen in die USA und nach Westeuropa gehandelt. Auch aus Algerien (Sofert) wurden für August und September größere Mengen granulierten Harnstoff nach Brasilen und auch nach Westeuropa (UK) verkauft. Für den Juli lagen die fob-Preise in Algerien bei knapp 330 USD/t und für den September bei etwa 350 USD/t
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
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