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Analyse

Stickstoffdünger in Deutschland billiger

von , am
10.07.2014

An den deutschen Importhäfen (Ostsee) sind die Preise für Harnstoff und andere Stickstoffdünger (KAS und AHL) im Juni kräftig gefallen.

© Mühlhausen/landpixel

 
Die Preise für Harnstoff und andere Stickstoffdünger haben sich an den internationalen Märkten zuletzt nicht einheitlich entwickelt. An den deutschen Importhäfen (Ostsee) sind die Preise für Harnstoff und andere Stickstoffdünger (KAS und AHL) im Juni jedoch kräftig gefallen und haben die vorausgegangene Entwicklung am Weltmarkt etwas zeitversetzt nachvollzogen. Für den Juli und den August ist die weitere Entwicklung jedoch noch unklar. Während sich die Kontraktpreise für Harnstoff am ukrainischen Exporthafen Yuhzny für die nächsten beiden Monate auf dem derzeitigen Niveau behaupten, hatte vor allem China sowie der Iran mit deutlich niedrigeren Exportpreisen Richtung Indien von sich Reden gemacht und den Markt in Unruhe versetzt.
 
Indien will billig einkaufen
Zuvor hatte Indiens Importorganisation für Mineraldünger (STC) den vom Markt schon seit längerem erwarteten Einkauf (Tender) von 2,9 Mio. t Harnstoff ankündigt. Der dabei mit chinesischen Exporteuren für die erste Lieferung von nur 320.000 t ausgehandelte Preis lag bei nur 266 USD/t (!!) einschließlich Kost und Fracht. Das entspricht einem fob-Preis von nur 250 USD/t und lag damit sehr deutlich unter den schon relativ niedrigen fob-Preisen der Ukraine von knapp 300 USD/t. Diese sehr niedrigen Exportpreise führten nach Berichten von Händlern auch beim Verband der chinesischen Mineraldüngerindustrie zu Widerstand. Das genannte Preisniveau liegt zudem auch unter den Produktionskosten der meisten übrigen internationalen Hersteller. Ob Indien jedoch wirklich bereit ist, für die nächsten Partien mehr zu zahlen, ist ungewiss, denn an den chinesischen Exporthäfen lagern große Mengen Harnstoff.
 
China bestimmt weiter die Preisentwicklung
Am Ende bleiben die in den nächsten Monaten zwischen Indien und China ausgehandelten Preise auch bestimmend für die Entwicklung der Weltmarktpreise für Harnstoff und andere Stickstoffdünger. Die Lagerbestände der Chinesen sind jedenfalls groß und wachsen offenbar weiter an. Im Mai sind die chinesischen Ausfuhren nach den rekordhohen Exporten im April überraschend deutlich zurückgegangen. Grund dürfte eine stärkere Einlagerung des Harnstoffes für die ab 1. Juli beginnende Niedrigzollperiode sowie die mengenmäßig (und preismäßig) bislang unter den chinesischen Erwartungen bleibenden neuen Abschlüsse mit Indien sein. Im Mai lag die chinesische Exportmenge jedenfalls nur bei 0,55 Mio. t. Allerdings war das immer noch als doppelt so viel wie im Mai 2013 (0,2 Mio. t).
 
Neuer Ausfuhr-Rekord Chinas erwartet
Eine Monat zuvor im April hatten die Chinesen ihre Harnstoffexporte zunächst auf 1,3 Mio. t ausgeweitet und damit einen neuen Monats-Rekord aufgestellt und auch die Ausfuhrmenge vom April 2013 um 1,0 Mio. t übertroffen. Allerdings steigen die Exporte Chinas üblicherweise erst im Juli kräftig an und erreichen dann im August ihre saisonalen Höhepunkt. Für das Gesamtjahr (Jan bis Dezember) rechnen Analysten derzeit mit einer chinesischen Ausfuhrmenge von etwa 10 Mio. t und damit nochmals mit fast 2,0 Mio. t größeren Ausfuhren als im bisherigen Rekordjahr 2013 (8,3 Mio. t). Von Januar bis Mai 2014 wurden bereits 3,8 Mio. t exportiert und damit fast dreimal so viel wie im letzten Jahr (1,27 Mio. t). Die wichtigsten Abnehmer von chinesischem Harnstoff waren bisher Indien und die USA sowie zahlreiche asiatische Länder.
 
Harnstoffpreise in Deutschland gefallen
An den deutschen Importhäfen (Ostsee) sind die Harnstoffpreise im Juni kräftig gefallen und haben die Entwicklung an den internationalen Märkten etwas zeitversetzt nachvollzogen. Der an den Ostseehäfen umgeschlagene granulierte Harnstoff kostete Anfang Juli im Schnitt noch knapp 300 Euro/t und damit rund etwa 40 Euro weniger als Anfang Juni und 50 Euro bis 60 Euro weniger als zur letzten Preisspitze im April. Zum Jahresbeginn 2014 lagen die Preise bei rund 325 Euro/t und im letzten Herbst kostete der Harnstoff im Großhandel nur 290 Euro. Diese Marke haben die Harnstoffpreise an den deutschen Importhäfen und im Großhandel nun etwa wieder erreicht.
 
KAS wieder deutlich billiger
Ebenfalls weiter kräftig zurückgegangen sind von Anfang Juni bis Anfang Juli die Preise für Kalkammonsalpter (KAS). Die Angebotsverknappung von Ammonium in Verbindung mit dem frühen Saisonstart ließ die KAS-Preise an den deutschen Importhäfen im Mai zunächst auf 295 Euro nach oben schießen. In der zweiten Maihälfte gingen die Preise dann mit den nachgebenden Ammoniumpreisen wieder zurück und lagen Anfang Juni bei etwa 285 Euro/t. Anfang Juli nennen Händler an den Verladestellen der Ostseehäfen nur noch Preise um 250 Euro/t. Im letzten Herbst kostete KAS an den deutschen Importhäfen zeitweise nur 225 bis 230 Euro/t.
 
AHL-Preise kräftig nachgegeben
Deutlich nachgegeben haben im Juni an den deutschen Importhäfen auch die Preise für flüssigen AHL-Dünger. Währen AHL Anfang Juni an den deutschen Importhäfen noch etwa 215 Euro/t kostete fielen die Preise bis Anfang Juli deutlich bis auf etwa 190 Euro/t. Im April hatte sich AHL zunächst mit dem knappen KAS bis auf rund 230 Euro verteuert. Zum Jahresbeginn 2014 lagen die AHL-Preise noch bei 210 Euro/t und im letzten Herbst kostete AHL im Großhandelspreise ebenfalls nur 190 Euro.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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