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Analyse

Stickstoffdünger nur kurzfristig teurer

von , am
21.03.2014

Steigen oder fallen die Preise für Stickstoffdünger? Diese Frage haben sich viele Landwirte in den letzten Wochen wiederholt gestellt und die Signale von den Märkten waren keineswegs eindeutig.

© Mühlhausen/landpixel
 
Steigen oder fallen die Preise für Stickstoffdünger? Diese Frage haben sich viele Landwirte in den letzten Wochen wiederholt gestellt und die Signale von den Märkten waren keineswegs eindeutig. Während nämlich die Preise an den internationalen Spotmärkten (insbesondere für Harnstoff) für die nächsten Monate weiter deutlich nach unten zeigen, verteuerten sich Stickstoffdünger an den europäischen Importhäfen und im Großhandel. Dieser Preisanstieg ist jedoch weniger das Ergebnis einer grundsätzlichen und längerfristigen Veränderung der Marktverhältnisse als vielmehr das Ergebnis einer eher kurzfristigen Angebotsverknappung.
 
Kaum Lagerbestände wegen Preisschwankungen
An den internationalen Spotmärkten schwankten die Preise für Stickstoffdünger in den letzten Jahren sehr stark. Hauptursache waren deutliche Veränderungen in Angebot (Produktion) und Nachfrage (Verbrauch). Für die Mineraldüngerhändler bedeuten die  starken Preisschwankungen enorme Risiken. Deshalb wurden die  Lagerbestände auf ein Minimum reduziert. So sind die Preise für Harnstoff an den Spotmärkten im letzten Jahr um gut 100 USD bzw. 30 % auf weniger als 300 USD/t gefallen. Die Folge waren deutliche Produktionskürzungen bei etlichen (vor allem kostenintensiv produzierenden) Herstellern. Zum Jahreswechsel ist die (globale) Nachfrage dann aus saisonalen Gründen wieder spürbar angesprungen und die Preise sind infolge des begrenzten Angebots kräftig gestiegen. Auch die Händler hatten, wie zu erwarten, nur wenig Ware zur Verfügung.
 
Frühe Nachfrage übersteigt Angebot
Dieses Jahr hat das Frühjahr (und damit die Feldarbeiten) in Europa deutlich früher begonnen als 2013. Darauf waren weder die Händler noch die großen Hersteller vorbereitet und Stickstoffdünger wurde in Europa vor allem im März knapp. Hinzu kam das beim größten Stickstoffproduzenten YARA ein Werk im belgischen Terte havarierte (Explosion) und aus der Produktion ausschied. Damit verringerte sich das Angebot in Westeuropa um weitere 100.000 t bis 150.000 t Ammonium, den wichtigsten Rohstoff für die Herstellung von KAS und anderen Mehrstoffdüngern. Zeitgleich mussten einige große Hersteller in Nordafrika und in Ägypten wegen politischer und wirtschaftlicher Probleme (Gasversorgung) ihre Produkten bzw. den Export drosseln oder ganz einstellen. Damit verknappte sich das Angebot für die Europäer zusätzlich. Mittlerweile wird zwar in Ägypten wieder produziert und exportiert, aber es gibt einen beträchtlichen Rückstau an Lieferverpflichtungen. Dennoch gaben auch die Harnstoffpreise in Ägypten zuletzt deutlich nach.
 
Preise in der Ukraine fallen - trotz Problemen
Hinzu kommen die politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen in der Ukraine. Das Land ist einer der wichtigsten Hersteller und Exporteure von Harnstoff/Ammonium. Der wichtigste Exporthafen für Mineraldünger (Yuhzny) liegt aber am Festland und nicht auf der Krim. Die Probleme bei der Finanzierung von Schiffsfrachten erschweren jedoch  die Ausfuhr von Stickstoffdünger aus der Ukraine. Hinzu kommt der deutliche Anstieg der Produktionskosten ab dem zweiten Quartal, denn Preise für russisches Erdgas haben sich ab diesem Termin um mehr als ein Drittel verteuert. Dennoch sind die Harnstoffpreise am Exporthafen Yuhzny zuletzt ebenfalls gefallen und liegen für den April schon wieder auf den Tiefständen vom Herbst 2013.
 
Weltmarktpreise zeigen nach unten
Der sehr frühe Beginn der Feldarbeiten, in Verbindung mit der zeitweisen Angebotsverknappung am Weltmarkt und in Europa, erklärt auch die zuletzt wieder steigenden Preise. Für den März bleibt das Angebot bei allen Stickstoffdüngern knapp und bei kurzfristigem Bedarf ist mit weiteren Preisaufschlägen zu rechnen. Mittelfristig (Ende April) werden die Preise jedoch wieder zurückgehen, das zeigen zumindest die wichtigsten internationalen Spotmarktpreise. So liegt der Harnstoffpreis am Schwarzmeerhafen Yuzhny für März derzeit bei 325 USD/t und für den April bei rund 300 USD/t und damit wieder so niedrig wie im Herbst 2013. Auch in Ägypten sind die Preise für die kommenden Lieferungen wieder zurückgegangen. Nachdem die Harnstoffpreise im Februar/März für die noch ausgelieferte Ware zwischen 430 USD/t und 450 USD/t lagen, werden für den April nur noch knapp 390 USD/t verlangt.
 
KAS und Harnstoff im März teurer
In Deutschland und Europa hat der Stickstoffhersteller Yara die Abgabepreise für Kalkammonsalpeter (KAS) um 10 Euro auf 265 Euro erhöht. An den deutschen Ostseehäfen lagen die Spotmarktpreise für KAS-Dünger sogar bei 280 Euro/t und damit ebenfalls rund 10 Euro höher als im Vormonat. Bis in den April hinein dürften die Preise wegen der angespannten Versorgungslage und des kurzfristig deutlich größeren Bedarfs fest bleiben. Dann ist jedoch mit einer Korrektur zu rechnen. Granulierte Harnstoff kostete an den deutschen Ostseehäfen Ende März im Schnitt 355 Euro/t und damit 10 bis 15 Euro mehr als im Februar. Die Preise für flüssigen AHL-Dünger bewegten sich an den Ostseehäfen Ende März bei 215 Euro/t und waren damit 15 Euro bis 20 Euro niedriger als im Februar.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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