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Analyse

EU: Reichlich Gerste, hohe Braugerstenprämien

von , am
07.10.2014

Die EU-Kommission hat ihre Einschätzung zur Gerstenernte in der Europäischen Union zum Monatswechsel weiter nach oben gesetzt.

© Serfling
Die EU-Kommission hat ihre Einschätzung zur Gerstenernte in der Europäischen Union zum Monatswechsel weiter nach oben gesetzt. Dennoch blieben die Kommissions-Experten mit ihrer Einschätzung unter den Prognosen der meisten privaten Analysten. Der europäische Export erreicht nach der Einschätzung der Kommission nicht das sehr hohe Niveau des vorigen Wirtschaftsjahres. Gleichzeitig nimmt der Verbrauch von Futtergerste in der EU moderat ab. Trotz der im Vergleich zum Vorjahr kleineren Produktion wachsen die Endbestände jedoch außerordentlich kräftig um 60 Prozent an. Die Preise für Futtergerste sind am Exporthafen in Hamburg im September kräftig gefallen, haben sich jedoch Anfang Oktober ebenso kräftig erholt. Die Braugerstenpreise sind im September ebenfalls zurückgegangen, konnten Anfang Oktober ebenfalls wieder zulegen. Die Prämien für Braugerste gegenüber Futtergerste bleiben ausgesprochen hoch.
 
Analysten erwarten (noch) mehr Gerste als die Kommission
Die Kommission schätzt die europäische Gerstenernte 2014 Ende September auf 57,9 Mio. t und damit 1,3 Mio. t größer als vor vier Wochen (56,6 Mio. t). Im Vergleich zur Ernte 2013 von 59,3 Mio. t wäre die Produktion jetzt nur noch 1,5 Mio. t oder gut 2,5 % kleiner. Die Erntefläche veranschlagt die Kommission im September auf 12,46 Mio. ha (August: 12,36) nach 12,33 Mio. ha im letzten Jahr (2013). Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hatte die Ernte Mitte September sogar auf 59,6 Mio. t (August: 57,7 Mio. t) geschätzt und damit 1,7 Mio. t größer als die Kommission und auch größer als die Ernte 2013. ADM/Töpfer ging Ende September von 58,7 Mio. t (August: 57,9 Mio. t) aus und damit ebenfalls von einer größeren Ernte als die Kommission aus. Demgegenüber schätzte das US-Landwirtschaftsministerium USDA die europäische Gersten-Ernte Mitte September auf 56,9 Mio. t (August: 56,2 Mio. t) und damit ähnlich groß wie die Kommission. Rund 50 % bzw. etwa 28,0 bis 29,0 Mio. t der europäischen Gerstenproduktion sind Sommergerste (im Vorjahr 33,1 Mio. t oder 56 %).
 
Weniger Exporte, Bestände wachsen um 60 Prozent
Bei den Exporten von Gerste erwartet die Kommission im aktuellen Wirtschaftsjahr einen deutlichen Rückgang. Mit geschätzten 6,0 Mio. t (einschließlich Malz), ist die erwartete Exportmenge 2,77 Mio. t kleiner als die Kommissions-Experten für die zurückliegende Saison ermittelten (8,77 Mio. t) und zudem 1,0 Mio. t als bei der letzten Prognose im August (7,06 Mio. t). Gleichzeitig sollen die Endbestände wegen der größeren Ernte und der schwächeren Exporte im neuen Wirtschaftsjahr auf 9,18 Mio. t anwachsen und damit gut 60 % oder 3,5 Mio. t größer sein als im letzten Jahr (5,7 Mio. t) und auch 2,0 Mio. t größer als noch im August (7,1Mio. t) geschätzt. Der Verbrauch von Futtergerste geht nach Einschätzung der Kommission auf 36,0 Mio. t von 36,6 Mio. t im letzten Jahr zurück. Dagegen bliebt der Bedarf an Braugerste mit rund 8,6 Mio. t relativ unverändert. Die Bioethanolindustrie verbraucht nach den Daten der Kommission etwa 0,9 Mio. t Gerste.
 
Futtergerste: Preise Anfang Oktober deutlich erholt
Die Preise für Futtergerste sind am Großmarkt in Hamburg im September zunächst deutlich von etwa 155 Euro/t auf 145 Euro gefallen, sind dann jedoch Anfang Oktober wieder kräftig gestiegen. Am 06. Oktober wurden für Futtergerste in Hamburg wieder gut 157 Euro/t notiert und damit in etwa auf dem Niveau von Anfang September. Aus Frankreich (fob Rouen) meldete vom wichtigsten Handelsplatz in Rouen zum gleichen Zeitpunkt Futtergerstenpreise von 154 Euro/t und damit etwa 2 Euro höhere Kurse als vor vier Wochen. Am Großmarkt in Mannheim notierte man für Futtergerste am 06. Oktober 135 bis 140 Euro (September: 140 bis 142 Euro/t) und ab südwestd. Station kostete die Gerste 135 Euro bis 138 Euro (Sept: 138 Euro bis 142 Euro/t).
 
Braugerste: Hohe Prämie bleibt erhalten
Braugerste wurde am europäischen Terminmarkt am Montag (06.10.) für den November mit 195 Euro gehandelt und damit knapp 2 Euro preiswerter als vor vier Wochen. Zwischenzeitlich waren die Preise allerdings bis auf 185 Euro abgesackt. Damit kostet die Braugerste am Terminmarkt derzeit sogar 7 Euro mehr als Anfang Oktober 2013 (188,50 Euro). Am Großmarkt in Mannheim notierte man Braugerste (franko Mälzerei) am 06. Oktober bei 189 bis 191 Euro. Vor vier Wochen lagen die Preise bei 195 bis 197 Euro. Für die Anlieferung im November lagen die aktuellen Preisangebote bei 193 bis 196 Euro und vor vier Wochen bei 203 bis 205 Euro. Die Prämie für Braugerste gegenüber Futtergerste liegt in Mannheim weiterhin zwischen 53 Euro und 55 Euro.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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