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Analyse

Europäer ernten mehr Gerste, Preise wie 2014

von , am
01.09.2015

Ende August hat die EU-Kommission auch die Erwartungen an die europäische Gerstenernte 2015 angehoben.

© Mühlhausen/landpixel

 
Ende August hat die EU-Kommission auch die Erwartungen an die europäische Gerstenernte 2015 angehoben. Hauptgrund ist die deutliche Verbesserung der Ernteprognose für Frankreich. Kleinere Aufwärtskorrekturen gab es zudem für Spanien und für Dänemark sowie für die baltischen Länder. Für Deutschland blieb die Ernteschätzung hingegen ebenso unverändert, wie für das Vereinigte Königreich und für Polen.
 
Insbesondere für Deutschland, aber auch für das Vereinigte Königreich, lassen die letzten aktuellen Erntedaten jedoch eine Aufwärtskorrektur der Erntemenge in der nächsten Kommissionsschätzung erwarten. Die Gerstenpreise haben in der zweiten Augusthälfte nachgegeben, liegen an den deutschen Exporthäfen jedoch in etwa auf dem Niveau des vorigen Jahres.
 
Kommission-Prognose mit Luft nach oben
Die europäische Gerstenernte 2015 schätzt die Kommission Ende August auf 57,2 Mio. t und damit 0,7 Mio. t größer als noch vor vier Wochen (56,5 Mio. t). Im Vergleich zur sehr guten Ernte 2014 von 60,2 Mio. t wäre dies jedoch immer noch ein Produktionsrückgang von 3,0 Mio. t oder 5,0 %. Die Gerstenfläche 2015 veranschlagt die Kommission weiterhin auf 12,4 Mio. ha nach ebenfalls 12,4 Mio. ha im vorigen Jahr (2014).
 
Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hatte die Gerstenernte im August bereits auf 58,8 Mio. t nach oben gesetzt und damit 1,6 Mio. t größer als die Kommission. Die Analysten des Getreidehändlers ADM/Töpfer schätzten die europäische Gerstenernte Ende August sogar auf 59,3 Mio. t. und damit nur noch wenig kleiner als im letzten Jahr.
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Weniger Exporte, Bestände schrumpfen kaum
Bei den Gerstenexporten erwartet die Kommission im Wirtschaftsjahr 2015/16 eine Ausfuhrmenge von 9,0 Mio. t. Dies wäre eben so viel wie bei der vorigen Prognose erwartet wurde, jedoch 3,7 Mio. t weniger als die Rekordausfuhren in der zurückliegenden Saison 2014/15 von 12,7 Mio. t. In den ersten 8 Wochen des aktuellen Wirtschaftsjahres liegen die europäischen Gerstenexporte jedoch deutlich höher als im vorigen Jahr zu diesem Termin.
 
Die Endbestände erwartet die Kommission im Wirtschaftsjahr 2015/16 bei etwa 6,1 Mio. t und damit größer als bei der vorigen Prognose. (Juli: 5,5 Mio. t). Im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 lagen die Bestände bei 6,5 Mio. t Mio. t. Der Einsatz von Gerste in der Tierfütterung wird im Wirtschaftsjahr 2015/16 wie schon im Vormonat bei 36,6 Mio. t erwartet nach 35,9 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15.
 
Frankreichs Ernte kräftig nach oben gesetzt
Die französische Gerstenproduktion 2015 veranschlagt die EU-Kommission auf 12,2 Mio. t und damit 0,5 Mio. größer als vor als vor vier Wochen (11,7 Mio. t) und auch 0,5 Mio. t größer als 2014 (11,7 Mio. t). Die Analysten von Strategie Grains hatten Mitte August in ihrer Prognose eine französische Gerstenernte von 11,8 Mio. t geschätzt und liegen damit 0,4 Mio. t niedriger als die Kommission. Mitte August hatte das französische Landwirtschaftsministerium die französische Gerstenernte ebenfalls auf 12,2 Mio. t veranschlagt. Das französische Landwirtschaft FranceAgrimer meldete etwas später sogar eine französische Gerstenernte von 12,5 Mio. t.
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Deutsche Ernte (noch) unverändert
Die deutsche Gerstenernte 2015 erwartet die EU-Kommission im August bei 10,6 Mio. t und damit eben so groß wie vor vier Wochen (10,5). Die Analysten von Strategie Grains hatten die deutsche Gerstenernte Mitte August bereits auf 11,1 Mio. t geschätzt. Das deutsche für deutsche Weichweizenernte ging zum Monatswechsel sogar von 11,7 Mio. t aus und liegt damit 1,1 Mio. t höher als die Kommission. Im Vergleich zur Erntemenge 2014 von 11,6 Mio. t wäre die von der Kommission für 2015 erwartete Produktion 1,1 Mio. t oder 9,4 % kleiner. Dagegen übertrifft die BMEL-Schätzung die Vorjahresernte sogar leicht um 0,1 Mio. t.
 
Vereinigtes Königreich mit guter Ernte
Unverändert gelassen hat die EU-Kommission im August die Ernteprognose für das Vereinigte Königreich. Die Gerstenernte 2015 soll nach der aktuellen Prognose 6,6 Mio. t erreichen. Das ist eben so viel wie vor vier Wochen (6,6) geschätzt wurde und 0,3 Mio. t weniger als 2014 (6,9 Mio. t). Die Analysten von Strategie Grains hatten Mitte August im Vereinigten Königreich eine Gerstenernte von 6,9 Mio. t geschätzt und liegen damit 0,3 Mio. t höher als die Kommission.
 
Spanische Ernte so schwach wie 2014
Die Spanische Gerstenernte hat die EU-Kommission Ende August auf 7,0 Mio. t geschätzt. Das wären 0,1 Mio. t mehr als noch vor vier Wochen erwartet wurden. Im Vergleich zu sehr schwachen Ernte aus dem Vorjahr (6,9 Mio. t), wäre die neue Ernte ähnlich groß (klein). Die Analysten von Strategie Grains hatten Mitte August für Spanien ebenfalls eine Gerstenernte von 6,9 Mio. t erwartet.
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Gute Ernte in Dänemark
Mit 3,5 Mio. t rund 0,1 Mio. t größer als im Vormonat schätzt die Kommission die Gerstenernte in Dänemark. Im Vergleich zur dänischen Vorjahresernte von 3,4 Mio. t, wäre die für 2015 erwartete Erntemenge 0,1 Mio. t größer. Für das Rumänien schätzte die Kommission die Gerstenernte 2015 Ende August auf 1,3 Mio. t und damit unverändert zum Vormonat (1,3). Im Vergleich zur Erntemenge 2014 von 1,6 Mio. t, wäre die jetzt für 2015 erwartete rumänische Produktion rund 0,3 Mio. t kleiner.
 
Gerstenpreise auf Stand von 2014
Am deutschen Exporthafen in Hamburg handelte man Futtergerste zum Monatswechsel für 155 bis 156 Euro/t und damit ähnlich teuer wie vor einem Jahr (154 bis 155 Euro). Seit Mitte August sind die Gerstenpreise in Hamburg allerdings um 5 bis 6 Euro zurückgegangen und seit Anfang Juli (178 Euro) beträgt der Preisrückgang sogar 22 Euro bzw. 13 %.
 
Aus Frankreich meldet man vom wichtigsten Handelsplatz in Rouen diese Woche Futtergerstenpreise von etwa 154 Euro. Im deutschen Südwesten lagen die Großhandelspreise zum Monatswechsel ab Station zwischen 150 und 153 Euro und am Großmarkt in Mannheim zwischen 156 und 158 Euro.
 
Dr. Olaf Zinke
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