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Analyse

Gerste: Globale Ernte wird größer als erwartet

von , am
14.08.2015

Die globale Gerstenernte ist größer als zuletzt erwartet wurde. Grund ist vor allem die über den bisherigen Erwartungen liegende Ernte in der Ukraine.

Anfang Juli könnte die Mähdrescher in den Frühdruschgebieten starten. © Mühlhausen/landpixel
 
Die globale Gerstenernte ist größer als zuletzt erwartet wurde. Grund ist vor allem die über den bisherigen Erwartungen liegende Ernte in der Ukraine. Dennoch deckt die globale Produktion nicht ganz den Bedarf. Davon geht das USDA in seinem aktuellen August-Report aus. Die globalen Bestände schrumpfen im Jahresvergleich ebenfalls nicht so kräftig wie zunächst erwartet wurde und auch der Welthandel geht weniger stark zurück. Auf 139,4 Mio. t schätzt das USDA die neue globale Gerstenernte 2015/16 in seinem Augustreport und damit 1,4 Mio. t größer als noch im Juli (137,8 Mio. t). Dabei hat das USDA die Ernte in der Europäischen Union unverändert gelassen. Gleichzeitig korrigierten die USDA-Analysten die in der Ukraine erwartete Produktion deutlich nach oben.
 
Im Vergleich zum vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 (140,8 Mio. t) ist die weltweite Produktionsmenge bei Gerste etwa 1,4 Mio. t bzw. 1,0 % kleiner. Der mit 142 Mio. t zum vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 (140,8) etwas höhere Verbrauch, kann mit der derzeit erwarteten Produktion nicht ganz gedeckt werden. Daher schrumpft der globale Gerstenbestand im neuen Wirtschaftsjahr um rund 2,6 Mio. t auf 21,4 Mio. t.
 
Europäische Ernte (noch) nicht verändert
Nicht verändert hat das USDA im August die erwartete Ernte für die Europäischen Union (trotz der jüngsten recht deutlichen Aufwärtskorrekturen in Frankreich und Deutschland). Das USDA schätzt die europäische Produktion in seinem August-Report auf 57,2 Mio. t und damit eben so groß wie im Juli (57,2 Mio. t) und 3,0 Mio. t kleiner als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 (60,2 Mio. t). Allerdings übersteigt die europäische Produktionsmenge (57,2) den erwarteten Verbrauch von 50,5 Mio. t (Juli: 50,5 Mio. t) sehr deutlich und ermöglicht den Europäern trotz der kleineren Ernte weiterhin umfangreiche Exporte.
 
Die europäische Erntefläche für Gerste (Sommer- und Wintergerste) veranschlagt das USDA im August auf 12,5 Mio. ha und damit eben so groß wie vor vier Wochen und etwas größer als im vorigen Jahr (2014) mit 12,44 Mio. ha. Die durchschnittlichen Gersten-Erträge werden im August unverändert bei 4,58 t/ha erwartet und damit ebenfalls so hoch wie vor vier Wochen mit 4,58 t/ha (Juni), jedoch deutlich niedriger als im vorigen Jahre (2014) mit 4,84 t/ha. Allerdings wurden zuletzt sowohl in Frankreich als auch in Deutschland die Produktion und die Erträge deutlich nach oben korrigiert, so dass wohl auch das USDA noch einmal nachbessern muss.
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Ukraine mit Spitzenernte, Russland mit reichlich Gerste
Für Russland hat das USDA die Ernteprognose im August unverändert gelassen. Die derzeit erwartete Erntemenge liegt bei sehr guten 17,0 Mio. t und damit eben so hoch wie vor vier Wochen (Juli: 17,0 Mio. t). Dennoch wäre die neue die russische Ernte rund 3,0 Mio. t kleiner als die Riesenernte aus dem Jahr 2014 von 20,0 Mio. t. Die russische Erntefläche für Gerste veranschlagt das USDA im August auf 8,0 Mio. ha und damit unverändert zum Vormonat (Juli: 8,0 Mio. ha) sowie 0,8 Mio. ha kleiner als im vorigen Jahr (2014) mit 8,8 Mio. ha. Die Gersten-Erträge werden in Russland im August bei 2,13 t/ha erwartete und damit so hoch wie vor vier Wochen mit 2,13 t/ha (Juli) jedoch etwas niedriger als im vorigen Jahr (2014) mit 2,27 t/ha.
 
Für die Ukraine hat das USDA die Ernteschätzung deutlich nach oben korrigiert. Im August erwartet man für die Ukraine eine Gerstenernte von 8,3 Mio. t und damit 2,3 Mio. t mehr als vor vier Wochen (Juli: 6,0 Mio. t). Gleichzeitig wäre die Ernte 1,15 Mio. t kleiner als im Jahr 2014 mit 9,45 Mio. t. Ursache für die aktuelle Produktionskorrektur ist die üb der bisherigen Erwartungen liegende Erntefläche von 2,9 Mio. ha im Vergleich zu 2,5 Mio. ha in der Julischätzung und 3,2 Mio. ha im vorigen Jahr (2014). Die Gersten-Erträge wurden im August mit 2,86 angegeben und damit ebenfalls höher als vor vier Wochen mit 2,4 t/ha (Juli) jedoch etwas niedriger als im vorigen Jahr (2014) mit 2,95 t/. 
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Kanada mit kleiner Ernte, gute Prognose für Australien
Mit rund 6,5 Mio. t wird die neue kanadische Gersten-Ernte rund 1,0 Mio. t kleiner erwartet (Trockenheit) als vor vier Wochen mit 7,5 Mio. t und 0,6 Mio. t kleiner als im Jahr 2014 mit 7,1 Mio. t. Die kanadische Erntefläche für Gerste schätzt das USDA im August auf 2,35 Mio. ha und damit unverändert zum Vormonat (Juli: 2,35 Mio. ha), jedoch größer als im vorigen Jahr (2014) mit 2,14 Mio. ha. Die Gersten-Erträge wurden im August mit 2,77 angegeben und damit deutlich niedriger als vor vier Wochen mit 3,19 t/ha (Juli) und auch niedriger als im vorigen Jahr (2014) mit 3,33 t/ha.
 
Für Australien liegt die Ernteerwartung bei 8,7 Mio. t und damit ebenso hoch wie in der Juli-Prognose und 0,7 Mio. t über dem Ergebnis der vorigen Ernte (2014) von 8,0 Mio. t. Die australische Erntefläche für Gerste wird im August-Report auf 4,0 Mio. ha geschätzt und damit unverändert zum Vormonat (Juli: 4,0 Mio. ha) und 0,16 Mio. ha größer als im vorigen Jahr (2014) mit 3,84 Mio. ha. In der Türkei erwartet man eine Gersten-Produktion von 7,0 Mio. t (Juli: 7,0 Mio. t,), nach einer katastrophalen Ernte (Trockenheit) von nur 4,0 Mio. t im Jahr 2014.
 
EU bleibt größter Exporteur, Ukraine baut Export aus
Größer Exporteur bleibt nach Einschätzung des USDA auch im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 die Europäische Union, mit einer erwarteten Ausfuhrmenge von rund 7,0 Mio. t (Juli: 7,5 Mio. t). Diese Exportmenge wäre jedoch 2,0 Mio. t kleiner als die Rekordausfuhren im zurückliegenden Wirtschaftsjahr (9,0 Mio. t). Auf Exporte von 6,0 Mio. t (Juli: 6,0) könnte Australien kommen und übertrifft wegen der größeren Ernte die Ausfuhrmenge des letzten Wirtschaftsjahres (5,5 Mio. t) um 0,5 Mio. t.
 
Die russischen Exporte hat das USDA im August nicht verändert. Im Vergleich zum Spitzenergebnis aus dem Vorjahr fallen die Ausfuhren mit 3,7 Mio. t (Juli: 3,7, wegen der kleineren Ernte, jedoch 1,5 Mio. t kleiner aus, nach Exporten von 5,2 Mio. t im vorigen Jahr. Für die Ukraine nimmt die für 2015/16 erwartete Ausfuhrmenge im August wegen der deutlich nach oben korrigierten Ernte um 2,0 Mio. t auf 4,0 Mio. t zu und wäre damit sogar 0,5 Mio. t größer als im vorigen Jahr (3,5 Mio. t). Kanadas Exportmenge wird im August hingegen von 1,3 Mio. t auf 1,0 Mio. t nach unten korrigiert (Vj. 1,5 Mio. t) und für Argentinien geht das USDA (wie schon im Juli) von Ausfuhren von 2,0 Mio. t aus (Vj: 1,5 Mio. t).
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China und Saudi-Arabien sind die TOP-Importeure
Hauptimporteur von Gerste war im vorigen Wirtschaftsjahr erstmals China vor Saudi-Arabien. Auch im neuen Wirtschaftsjahr wird die chinesische Importmenge relativ hoch bleiben, auch wenn die chinesischen Einfuhren wohl etwas zurückgehen werden. Im vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 erreichten die Importe Chinas eine Größenordnung von 8,3 Mio. t. Im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 geht das USDA derzeit von chinesischen Einfuhren von 7,0 Mio. t (Juli: 7,0) aus und damit von rund 1,0 Mio. t weniger. Die Importe Saudi-Arabiens lagen 2014/15 bei 6,6 Mio. t und 2015/16 werden jetzt 7,0 Mio. t und damit 0,5 Mio. t mehr als vor vier Wochen (6,5) erwartet. Allerdings wurden 2012/13 auch schon einmal 10,2 Mio. t Gerste importiert.
 
Im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 gingen rund 30 % der globalen Handelsmenge bei Gerste nach China und 25 % nach Saudi-Arabien. Größere Mengen an Brau- und Futtergerste importieren im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 außerdem auch Japan (1,3 Mio. t) und der Iran (1,5 Mio. t) sowie eine Reihe von Ländern im Nahen Osten und aus Nordafrika. Insgesamt geht die globale Handelsmenge von 27,4 Mio. t im vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 auf 25,0 Mio. t (Juli: 23,7 Mio. t) zurück.
 
Dr. Olaf Zinke
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