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Analyse

Gerstenpreise trotz Riesenbeständen gestiegen

von , am
07.11.2014

Die EU-Kommission hat das Ernteergebnis bei Gerste für die Europäische Union nochmals nach oben korrigiert.Trotz der im Vergleich zum Vorjahr etwas kleineren Produktion wachsen die Endbestände außerordentlich kräftig.

© Mühlhausen/landpixel
Die EU-Kommission hat das Ernteergebnis bei Gerste für die Europäische Union nochmals nach oben korrigiert. Dennoch blieb die Kommission weiterhin unter den Prognosen der wichtigsten Analysten. Der europäische Export bleibt nach der Einschätzung der Kommission rund ein Drittel unter dem sehr hohen Niveau des vorigen Wirtschaftsjahres. Außerdem nimmt der Verbrauch von Futtergerste in der EU moderat ab. Trotz der im Vergleich zum Vorjahr etwas kleineren Ernte wachsen die Endbestände außerordentlich kräftig um fast 60 Prozent an. Die Preise für Futtergerste sind am Exporthafen in Hamburg im Oktober gestiegen und Anfang November leicht zurückgangengen. Die Braugerstenpreise sind im Oktober kräftig gestiegen. Die Prämien für Braugerste gegenüber Futtergerste bleiben weiterhin sehr hoch.
 
Erntedaten der Analysten sind noch höher
Die Kommission schätzt die europäische Gerstenernte 2014 Ende Oktober auf 58,4 Mio. t und damit 0,5 Mio. t größer als vor vier Wochen (57,9 Mio. t). Im Vergleich zur Ernte 2013 von 60,6 Mio. t wäre die Produktion jetzt 2,2 Mio. t oder 3,6 Prozent kleiner. Die Erntefläche veranschlagt die Kommission im Oktober auf 12,27 Mio. ha (Sept: 12,46 und 12,68 Mio. ha im letzten Jahr (2013). Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hatte die Ernte Mitte Oktober sogar auf 59,9 Mio. t (Sept: 59,6 Mio. t) geschätzt und damit 1,5 Mio. t größer als die Kommission und ähnlich groß wie die Ernte 2013. ADM/Töpfer ging Ende Oktober von 59,2 Mio. t (Sept: 58,7 Mio. t) aus und damit ebenfalls von einer größeren Ernte als die Kommission aus. Das US-Landwirtschaftsministerium USDA schätzte die europäische Gersten-Ernte Mitte Oktober auf 59,3 Mio. t (Sept: 56,9 Mio. t) und damit ebenfalls größer als die Kommission. Rund 50 % bzw. etwas mehr als 29,0 Mio. t der europäischen Gerstenproduktion sind Sommergerste (im Vorjahr 33,1 Mio. t oder 54 %).
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Ein Drittel weniger Exporte, Bestände um 60 Prozent größer
Bei den Exporten von Gerste erwartet die Kommission im aktuellen Wirtschaftsjahr einen deutlichen Rückgang. Mit geschätzten 6,0 Mio. t (einschließlich Malz), ist die erwartete Exportmenge 2,77 Mio. t bzw. ein Drittel kleiner als die Kommissions-Experten für die zurückliegende Saison ermittelten (8,77 Mio. t). Gleichzeitig sollen die Endbestände wegen der sehr guten Ernte und der schwächeren Exporte im neuen Wirtschaftsjahr auf 10,89 Mio. t (Sept: 9,18 Mio. t) anwachsen und damit rund 60 % oder knapp 4,0 Mio. t größer sein als im letzten Jahr mit 6,9 Mio. t und zudem 1,7 Mio. t größer als noch im Sept (9,18 Mio. t) erwartet wurde. Der Verbrauch von Futtergerste geht nach Einschätzung der Kommission  leicht von 36,6 Mio. t auf 36,0 Mio. t zurück. Dagegen bleibt der Verbrauch an Braugerste mit rund 8,6 Mio. t relativ unverändert. Die Bioethanolindustrie verbraucht nach den Daten der Kommission etwa 0,9 Mio. t Gerste.
 
Preise für Futtergerste im Oktober gestiegen
Die Preise für Futtergerste sind am Großmarkt in Hamburg im Oktober von etwa 150 Euro/t auf rund 160 Euro gestiegen. Anfang November gaben die Preise jedoch wieder etwas nach. Am 06. November wurden Futtergerste in Hamburg mit etwa 157 Euro/t notiert und damit etwa 7 Euro höher als Anfang Oktober. Aus Frankreich meldete vom wichtigsten Handelsplatz in Rouen zum gleichen Zeitpunkt Futtergerstenpreise von 158 Euro/t und damit etwa 4 Euro höhere Kurse als vor vier Wochen (154). Am Großmarkt in Mannheim notierte man für Futtergerste am 03. November Preise von 147 bis 151 Euro (September: 135 bis 140 Euro/t) und ab südwestd. Station kostete die Gerste 146 Euro bis 149 Euro (Sept: 135 Euro bis 138 Euro/t).

Preise und Prämie für Braugerste höher
Braugerste wurde am europäischen Terminmarkt am Donnerstag (06.11.) für den Januar mit 214 Euro gehandelt und damit knapp 19 Euro teurer als vor vier Wochen (195). Damit kostet die Braugerste am Terminmarkt derzeit eben so viel wie im November 2013 (213 Euro) vor einem Jahr. Am Großmarkt in Mannheim notierte man Braugerste (franko Mälzerei) am 06. November mit 203 bis 208 Euro. Vor vier Wochen lagen die Preise bei 189 bis 191 Euro. Für die Anlieferung im Januar lagen die aktuellen Preisangebote bei 209 bis 211 Euro und vor vier Wochen bei 193 bis 196 Euro. Die Prämie für Braugerste gegenüber Futtergerste liegt in Mannheim zwischen 56 Euro und 57 Euro und damit noch etwas höher als im Oktober.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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