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Analyse

Globale Gerstenernte deckt nicht den Bedarf

von , am
14.07.2015

Die globale Gerstenernte deckt im Wirtschaftsjahr 2015/16 nicht weltweiten Bedarf.

© landpixel
 
Die globale Gerstenernte deckt im Wirtschaftsjahr 2015/16 nicht den weltweiten Bedarf. Davon geht das USDA in seinem aktuellen Juli-Report aus und bestätigt damit noch einmal die bereits im Juni getroffen Einschätzungen. Die globalen Bestände schrumpfen deshalb im Jahresvergleich recht deutlich und auch der Welthandel geht im neuen Wirtschaftsjahr zurück. Auf knapp 138 Mio. t schätzt das USDA die neue globale Gerstenernte 2015/16 in seinem Julireport und damit 0,7 Mio. t kleiner als noch im Juni (138,5 Mio. t). In seinem Julireport hat das USDA die Ernte in der Europäischen Union aus witterungsbedingt nach unten korrigiert. Gleichzeitig korrigierten die USDA-Analysten die in Russland und Australien erwartete Produktion nach oben.
 
Im Vergleich zum vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 (140,8 Mio. t) ist die weltweite Produktionsmenge bei Gerste etwa 3,0 Mio. t bzw. knapp 2,1 % kleiner. Der mit 140,7 Mio. t zum vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 (140,7) kaum veränderte Verbrauch, kann mit der derzeit erwarteten Produktion also nicht gedeckt werden. Daher schrumpft der globale Gerstenbestand im neuen Wirtschaftsjahr um rund 3,0 Mio. t auf  21,7 Mio. t.
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Europäische Ernte nach unten korrigiert
Eine Ursache für den globalen Produktionsrückgang ist die witterungsbedingt noch etwas kleinere Ernte in der Europäischen Union. Das USDA schätzt die Produktion im in seinem Juli-Report auf 57,2 Mio. t und damit 1,4 Mio. t kleiner als im Juni (58,5 Mio. t) und 3,0 Mio. t kleiner als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 (60,2 Mio. t). Allerdings übersteigt die europäische Produktionsmenge den erwarteten Verbrauch von 50,5 Mio. t (Juni: 51,4 Mio. t) sehr deutlich und ermöglicht den Europäern trotz der etwas kleineren Ernte umfangreiche Exporte.
 
Die europäische Anbaufläche für Gerste (Sommer- und Wintergerste) veranschlagt das USDA im Juli auf 12,5 Mio. ha und damit sogar etwas größer als vor vier Wochen mit 12,42 Mio. ha und auch größer als im vorigen Jahr (2014) mit 12,44 Mio. ha. Die durchschnittlichen Gersten-Erträge werden im Juli jedoch nur noch bei 4,58 t/ha erwartet und damit deutlich niedriger als vor vier Wochen mit 4,71 t/ha (Juni) und erst recht niedriger als im vorigen Jahre (2014)) mit 4,84 t/ha.
 
Russland mit guter Ernte, Ukraine mit Anbaurückgang
Für Russland hat das USDA die Ernteprognose im Juli nach oben gesetzt. Die derzeit erwartete Erntemenge bei 17,0 Mio. t und damit 0,5 Mio. t höher als vor vier Wochen (Juni: 16,5 Mio. t). Gleichzeitig wäre die neue die russische Ernte jedoch rund 3,0 Mio. t kleiner als die Riesenernte aus dem Jahr 2014 von 20,0 Mio. t. Die russische Erntefläche für Gerste veranschlagt das USDA im Juli auf 8,0 Mio. ha und damit unverändert zum Vormonat (Juni: 8,0 Mio. ha) und 0,8 Mio. ha kleiner als im vorigen Jahr (2014) mit 8,8 Mio. ha.
 
Die Gersten-Erträge werden in Russland im Juli bei 2,13 t/ha erwartete und damit etwas höher als noch vor vier Wochen mit 2,06 t/ha (Juni) jedoch niedriger als im vorigen Jahre (2014)) mit 2,27 t/ha. Für die Ukraine liegt die Ernteschätzung bei 6,0 Mio. t und eben so hoch wie vor vier Wochen (Juni: 6,0 Mio. t allerdings deutlich um 3,45 Mio. t niedriger als im Jahr 2014 mit 9,45 Mio. t. Ursache ist eine sehr kräftige Reduzierung der Anbaufläche auf 2,5 Mio. ha im Vergleich zu 3,2 Mio. ha im vorigen Jahr (2014).
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Kanada mit größerer Ernte, hohe Prognose für Australien
Mit rund 7,5 Mio. t wird die neue kanadische Gersten-Ernte zwar etwas kleiner erwartet als vor vier Wochen mit 7,7 Mio. t jedoch immer noch 0,4 Mio. t größer als im Jahr 2014 mit 7,1 Mio. t. Die kanadische Erntefläche für Gerste erwartet das USDA im Juli bei 2,35 Mio. ha und damit fast unverändert zum Vormonat (Juni: 2,33 Mio. ha), jedoch 0,2 Mio. ha größer als im vorigen Jahr (2014) mit 2,14 Mio. ha.
 
Für Australien liegt die derzeitige Ernteerwartung bei 8,7 Mio. t und damit um 0,1 Mio. t über der Juni-Prognose von 8,6 Mio. t und 0,7 Mio. t über dem Ergebnis der vorigen Ernte von 8,0 Mio. t. Die australische Erntefläche für Gerste wird im Juli-Report auf 4,0 Mio. ha geschätzt und damit etwas größer als im Vormonat (Juni: 3,9 Mio. ha) und 0,18 Mio. ha größer als im vorigen Jahr (2014) mit 3,84 Mio. ha. In der Türkei erwartet man eine Gersten-Produktion von 7,0 Mio. t (Juni: 7,0 Mio. t) nach einer katastrophalen Ernte (Trockenheit) von nur 4,0 Mio. t im Jahr 2014.
 
Europäische Union bleibt größter Gerstenexporteur
Größer Exporteur wird nach Einschätzung des USDA auch im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 die Europäische Union mit einer erwarteten Ausfuhrmenge von rund 7,5 Mio. t (Juni: 7,5 Mio. t). Diese exportmenge wäre jedoch 1,2 Mio. t kleiner als die Rekordausfuhren im zurückliegenden Wirtschaftsjahr (8,8 Mio. t). Auf Exporte von 6,0 Mio. t (Juni: 5,5) könnte Australien kommen und übertrifft wegen der größeren Ernte die Ausfuhrmenge des letzten Wirtschaftsjahres (5,5 Mio. t) um 0,5 Mio. t.
 
Demgegenüber könnten die russischen Exporte wegen der kleineren Ernte um rund 1,5 Mio. t auf 3,7 Mio. t (Juni: 3,5) zurückgehen nach Ausfuhren von 5,2 Mio. t im vorigen Jahr. Für die Ukraine nimmt die für 2015/16 erwartete Ausfuhrmenge wegen der deutlich kleineren Ernte um 0,7 Mio. t auf 2,0 Mio. t ab. Kanadas Exportmenge wird bei 1,3 Mio. t (Vj. 1,5 Mio. t) und damit 0,2 Mio. t kleiner erwartet du für Argentinien geht das USDA von Ausfuhren von 2,0 Mio. t aus (Vj: 1,5 Mio. t).
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China überholt Saudi-Arabien als Importeur
Hauptimporteur von Gerste war im vorigen Wirtschaftsjahr erstmals China vor Saudi-Arabien. Das wird wohl auch im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 so bleiben, auch wenn die chinesischen Importe 2015/16 wohl etwas zurückgehen werden. im vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 erreichten die Importe Chinas eine Größenordnung von 8,0 Mio. t. Im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 geht das USDA derzeit von chinesischen Einfuhren von 7,0 Mio. t aus und rund 1,0 Mio. t weniger. Saudi-Arabiens Importe lagen 2014/145 mit bei 6,5 Mio. t und werden auch 2015/16 bei 6,5 Mio. t erwartet. (Allerdings wurden 2012/13 auch schon einmal 10,2 Mio. t Gerste importiert.)
 
Im Jahr 2014/15 gingen rund 30 % der globalen Handelsmenge nach China und 25 % nach Saudi-Arabien. Größere Mengen an Brau- und Futtergerste importieren im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 außerdem auch Japan (1,3 Mio. t) und der Iran (1,5 Mio. t) sowie eine Reihe von Ländern im Nahen Osten und aus Nordafrika. Insgesamt geht die globale Handelsmenge von 26,4 Mio. t im vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 um 2,7 Mio. t auf 23,7 Mio. t zurück.
 
Dr. Olaf Zinke
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