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Analyse

Hohe Prämien für Braugerste, knappe Versorgung?

von , am
22.10.2014

Die deutsche Ernte von Sommergerste ist 2014 (entgegen den ursprünglichen Erwartungen) größer ausgefallen als im letzten Jahr. Dennoch sind die Prämien für Braugerste gegenüber Futtergerste überraschend hoch

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© hapo/landpixel
Die deutsche Ernte von Sommergerste ist 2014 (entgegen den ursprünglichen Erwartungen) größer ausgefallen als im letzten Jahr. Danach müsste eigentlich auch die heimische Versorgung mit Braugerste relativ gut sein. Dennoch sind die Prämien für Braugerste gegenüber Futtergerste überraschend hoch und liegen seit Juni stabil über 50 Euro. Diese sehr hohen Prämien deuten eher auf ein begrenztes Angebot an qualitativ passender Braugerste am deutschen Markt hin. Das Statistische Bundesamt veranschlagte die Ernte von Sommergerste 2014 auf 2,09 Mio. t, nach einer Produktion von 1,95 Mio. t im letzten Jahr. Das wäre ein Produktionsanstieg von 7 % bzw. 0,15 Mio. t. Das langjährige Mittel von 2,3 Mio. t wird mit dieser Sommergerstenernte hingegen um 9 % verfehlt.
 
Kleine Fläche sehr hohe Erträge
Grund für die größere Sommergerstenernte sind die hohen Erträge, denn die Anbaufläche ist auf einen  neuen Tiefstand gefallen. Dabei wurde der Anbau von Sommergerste mit 0,349 Mio. ha im Vergleich zum Vorjahr (0,359 Mio. ha) nochmals um 10.000 ha eingeschränkt und ist etwa 22 Prozent kleiner als im langjährigen Mittel (0,447 Mio. ha). Die diesjährigen Erträge waren mit 59,9 dt/ha indessen deutlich um knapp 11 Prozent höher als im letzten Jahr (54,2) und sogar 16 Prozent höher als im langjährigen Mittel (51,5).
 
Deutlich mehr Sommergerste in Bayern und Rheinland-Pfalz
In allen für den Braugerstenanbau wichtigen Bundesländern (außer in Niedersachsen) ist die Produktion von Sommergerste 2014 kräftig angestiegen. Besonders kräftig war der Produktionsanstieg bei den beiden wichtigsten deutschen Braugerstenerzeugern Bayern und Rheinland Pfalz mit 15 % bzw. 11 %. Mehr Sommergerste als im letzten Jahr erzeugte man außerdem auch in Baden-Württemberg (+ 9%), in Sachsen (+19 %) und in Thüringen (+ 9 %). Einen Produktionsrückgang verzeichnete man hingegen in Niedersachsen ( -10 %). Dabei resultiert der Produktionsanstieg bis auf wenige Ausnahmen (Rheinland Pfalz) ausschließlich aus den deutlich höheren Erträgen. In den meisten Bundesländern wurde die Anbaufläche hingegen relativ deutlich reduziert.
 
Angebot an Braugerste besser als 2013?
Der deutsche Bedarf an Braugerste lag nach den Daten des Statischen Bundesamtes in den letzten Jahren zwischen knapp 1,80 Mio. t und 1,85 Mio. t. Für die aktuelle Ernte geht deutsche Braugerstengemeinhaft in München von einer deutschen Braugerstenproduktion von 1,4 Mio. t aus. Im vorigen Jahr (2013) war die heimische Braugerstenproduktion mit 1,25 Mio. t rund 11 % kleiner und die Versorgunglücke rein rechnerisch größer. Im Jahr 2012 wurden hingegen 1,57 Mio. t heimische Braugerste angeliefert. Die wichtigsten Braugersten-Produzenten unter den Bundesländern sind nach den Daten der Braugerstengemeinschaft im Jahr 2014 Bayern mit 410.000 t, Rheinland-Pfalz mit 215.000 Mio. t, Baden-Württemberg mit 193.000, Thüringen mit 155.000 t, Niedersachsen mit 145.000 Mio. t, Sachsen mit 97.000 t und Hessen mit 87.000 t.
 
Hohe Erträge reduzieren Eiweißgehalt
Die sehr hohen Erträge bei der Sommergerste reduzieren ganz offensichtlich auch den Eiweißgehalt der angelieferten Braugerste, der nach Einschätzung der deutschen Braugerstengemeinhaft im Jahr 2014 durchschnittlich bei 9,8 % liegt, nach 10,1 % im letzten Jahr. Die deutsche Brauindustrie fordert in der Regel Eiweißgehalte von weniger als 11,5 % jedoch mindestens 9,5 %, so dass die Proteingehalte 2014 offenbar nahe an der unteren Grenze liegen. Der Vollgerstenanteil der Ernte 2014 ist mit 89,2 % etwas geringer als im letzten Jahr mit 89,6 %. Die Industrie fordert in der Regel für abzugsfreie Lieferungen einen Vollgerstenanteil von mehr als 85 % der damit problemlos erreicht wird und weniger als 5 % Auswuchs. Der Wassergehalt muss für die angelieferte Ware zudem unter 14,5 % liegen. Die Keimfähigkeit soll bei mindestens 95 % betragen.
 
Sehr hohe Prämien für Braugerste
Die Preise für Braugerste sind nach der Ernte 2014 zwar ebenfalls zurückgegangen, haben sich dabei im Vergleich zu den übrigen Getreidepreisen jedoch sehr gut behauptet.  Die Prämien gegenüber Futtergerste bewegen sich seit Juni kontinuierlich bei mehr als 50 Euro/t und sind damit vor dem Hintergrund der nominell relativ großen Ernte überraschend hoch. Im deutschen Großhandel lag das durchschnittliche Preisniveau für Braugerste im Oktober 2014 bei 196 Euro/t und damit 53 Euro höher als bei Futtergerste (143 Euro). Vor 12 Monaten kostete Braugerste in Deutschland etwa 207 Euro/t und Futtergerste 173 Euro und die Prämie lag bei 35 Euro. Am Großmarkt in Mannheim lagen die Preise (franko Mälzerei) am Montag (20.10.) bei 196 bis 199 Euro/t und Futtergerste kostete 139 bis 142 Euro und damit 57 Euro weniger. Am Dienstag (21.10.) kostete Braugerste am europäischen Terminmarkt sogar wieder 210 Euro/t und damit soviel wie zuletzt im Juli 2014.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
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