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Analyse

Prämien für Braugerste sind höher als 2013

von , am
19.06.2014

Die europäische Ernte von Sommergerste fällt nach den bisherigen Schätzungen der großen Analystenhäuser deutlich kleiner aus als im letzten Jahr.

© agrar-press
 
Die europäische Ernte von Sommergerste fällt nach den bisherigen Schätzungen der großen Analystenhäuser deutlich kleiner aus als im letzten Jahr. Bei etwa 28,0 Mio. t bewegen sich Mitte Juni die Prognosen für 2014, nach einer Riesenernte von 33 Mio. t im letzten Jahr (2013) und immerhin 31,8 Mio. t vor zwei Jahren. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die Versorgung mit Brauergerste im kommenden Wirtschaftsjahr knapp sein wird. Zum einen waren die Erntemengen bei Sommergerste in den letzten beiden Jahren in der EU aus Witterungsgründen überdurchschnittlich hoch und die aktuell erwartete Ernte ist im längerfristigen Vergleich keineswegs klein. Zum anderen erfolgt ein Teil des Produktionsrückgangs bei Sommergerste, in Ländern mit einer relativ kleinen Braugerstenproduktion, wie etwa in Spanien. Darüber hinaus dürfte die Qualität der Sommergerste in diesem Jahr in den meisten Ländern ziemlich gut sein, so dass ein großer Teil der Sommergerste am Ende auch braugerstefähig sein könnte.
 
Weniger Sommergerste, ausreichend Braugerste?
Im Vergleich zum Vorjahr geht die Produktion von Sommergerste jedoch auch in allen europäischen Ländern mit einem Exportüberschuss bei Braugerste zurück. Dazu zählen in erster Linie das Vereinigte Königreich, Frankreich und Dänemark sowie Schweden und Irland. Trotz dieses zum Teil sehr kräftigen Anbau- und Produktionsrückanges zum Vorjahr, erreichen die prognostizierten Erntemengen überwiegend die langjährigen Mittelwerte, so dass auch ausreichend Braugerste für den Handel am europäischen Binnenmarkt bzw. den Export (unter anderem nach Deutschland) zu Verfügung stehen müsste. Darüber wird jedoch auch die Qualität der kommenden Ernte entscheiden.
 
Frankreich und UK mit ausreichend Braugerste
Derzeit erwartet man für das Vereinigte Königreich einen Rückgang der rekordhohen Sommergerstenproduktion von 5,1 Mio. t (2013) auf 3,3 Mio. t (2014). Braugerstefähig waren in den letzten Jahren 1,6 Mio. t bis 2,2 Mio. t. Der Eigen-Bedarf an Braugerste im Vereinigten Königreich liegt bei 1,79 Mio. t und der wird zudem auch noch über Winterbraugerste (0,3 Mi. t) gedeckt. Für Frankreich geht man derzeit von einer Sommergerstenproduktion von etwas 2,8 Mio. t aus nach 3,0 Mio. t im letzten Jahr. Braugerstefähig waren in den letzten Jahren im Schnitt 2,0 Mio. t bis 2,8 Mio. t Sommergerste. Der französische Eigen-Bedarf an Braugerste liegt bei 1,7 Mio. t, wovon ebenfalls rund 0,35 Mio. t über Winterbraugerste abgedeckt werden.
 
Dänemark hat genug Braugerste für den Export
Für Dänemark liegen die derzeitigen Produktionsschätzungen bei 2,59 Mio. t Sommergerste, nach 3,2 Mio. t im Jahr 2013. Braugerstefähig waren in den letzten Jahren 0,6 Mio. t bis 1,2 Mio. t der dänischen Sommergerstenproduktion. Dabei werden bei unseren nördlichen Nachbarn nur 0,3 Mio. t Braugerste für den Eigenbedarf benötig und der Rest kann eigentlich exportiert (oder verfüttert) werden.
 
Deutscher Importbedarf wie 2013?
Für Deutschland liegen die Ernteprognosen für Sommergerste derzeit bei etwa 1,99 Mio. t und damit sogar leicht über der Erntemenge aus dem Vorjahr. Der deutsche Bedarf an Braugerste liegt bei 1,8 bis 1,9 Mio. t. in den letzten Jahren lag der Anteil e braugerstefähiger Sommergerste in Deutschland zwischen 0,9 Mio. t und 1,5 Mio. t. Im letzten Jahr wurden bei einer ähnlich großen Ernte nach Einschätzung der deutschen Braugerstengemeinschaft etwa 1,25 Mio. t Braugerste produziert und abgeliefert. Damit ergibt sich ein Importbedarf von etwa 0,5 Mio. t, der aus den Nachbarländern (Frankreich, Dänemark) wohl problemlos eingeführt werden kann kann. Möglicherweise ist der Anteil an Braugerste in diesem Jahr aber auch größer.
 
Über 40 Euro Prämie für Braugerste
Die Preise für Braugerste sind im deutschen Großhandel von Januar bis April 2014 um etwa 10 Euro auf etwa 220 Euro/t gestiegen und haben sich im Mai auf diesem Niveau behauptet. Im Vergleich zum Mai 2013 (240 Euro) waren die Preise im Mai 2014 nur etwa 20 Euro bzw. 8 % niedriger. Der Preisabstand (Prämie) der Braugerste zur Futtergerste, hat sich im deutschen Großhandel von Januar bis Mai 2014 von zunächst 30 Euro auf 45 Euro erhöht und signalisiert eigentlich eine knapper werdende Marktversorgung bei Braugerste. Im letzten Jahr (Mai 2013) war die Prämie vor allem in der ersten Jahreshälfte aber auch vor Erntebeginn (trotz höherer Braugerstenpreise) mit knapp 35 Euro rund 10 Euro niedriger in diesem Jahr und vor zwei Jahren (2012) betrug die Prämie für Braugerste gegenüber Futtergerste im Mai sogar nur 15 Euro.
 
Preise für die neue Ernte (am Kassamarkt) ähnlich hoch
Die Preise für die neue Ernte (Novemberkontrakt) sind am Terminmarkt in Paris im Verlauf des im Mai etwas zurückgegangen und liegen derzeit etwa bei 210 Euro/t und damit rund 10 Euro unter den deutschen Kassapreisen vom Mai. Am Großmarkt in Mannheim wurde Braugerste (franko Mälzerei) für den Juni diese Woche ebenfalls mit 211 bis 213 Euro/t notiert und die neue Ernte (Oktober) kostete 214 Euro bis 218 Euro.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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