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Analyse

Trockenheit drückt europäische Gerstenernte

von , am
19.06.2015

Die Trockenheit der letzten Wochen hinterlässt auch Spuren an der europäischen Gerstenernte.

Anfang Juli könnte die Mähdrescher in den Frühdruschgebieten starten. © Mühlhausen/landpixel

 
Die Trockenheit der letzten Wochen hinterlässt auch Spuren an der europäischen Gerstenernte. Mitte Juni haben die europäischen Analysten von Strategie Grains ihre Erwartungen an die Gerstenernte 2015 deutlich gesenkt. Damit wird auch der Abstand zur guten Ernte aus dem Vorjahr größer. Nach unten ging es unter anderem mit den Produktionserwartungen für Deutschland und ganz besonders für Spanien, wo es zuletzt ebenfalls deutlich zu wenig geregnet hat. Leicht nach oben gesetzt hat Strategie Grains indessen die Prognose für Frankreich. Hintergrund ist hier eine größere Anbaufläche bei Wintergerste. Dabei erwarten die Analysten im im Vergleich zum Vorjahr sowohl einen kleinere Produktion von Sommergerste als auch einen kleinere Ernte bei Wintergerste.
 
Etwa 5 Prozent weniger Gerste als 2014
Die von Strategie Grains auf Basis der Anbaufläche und bisherigen Wachstumsbedingungen erwartete europäische Gesamternte (Sommer- und Wintergerste) liegt jetzt bei 57,8 Mio. t. Im Vergleich zu letzten Schätzung von Mai (58,6 Mio. t) wurde die Produktionserwartung um 0,8 Mio. t zurückgenommen. Gegenüber der sehr guten Ernte 2014 von 60,5 Mio. t wäre die für 2015 erwartete Produktionsmenge um 2,7 Mio. t oder knapp 4,5 % kleiner. Die EU-Kommission hatte die europäische Gerstenernte Ende Mai noch auf 59,5 Mio. t geschätzt und liegt damit immerhin 1,7 Mio. t über der aktuellen Prognose von Strategie Grains.
 
Rückgang bei Sommer- und bei Wintergerste
Im Vergleich zur Ernte 2014 erwartet Strategie Gains sowohl einen Rückgang der europäischen Sommergerstenproduktion als auch eine kleinere Erntemenge bei Wintergerste. Derzeit schätzen die Analysten die Sommergerstenernte 2015 auf 28,5 Mio. t. Im Vergleich zur Maischätzung (29,4 Mio. t) ist dies ein deutlicher Rückgang der Ernteerwartung um 0,9 Mio. t. Gegenüber der Sommergerstenernte aus dem Jahr 2014 von 29,9 Mio. t wäre die neue Ernte sogar 1,9 Mio. t oder 4,7 % kleiner.
 
Gleichzeitig schätzten die Analysten von Strategie Grains die neuen Ernte bei Wintergerste auf 29,3 Mio. t und damit ebenfalls rund 1,3 Mio. t bzw. 4,2 % kleiner als im Jahr 2014 mit 30,6 Mio. t.
 
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Deutsche Produktion schrumpft
Die deutsche Gerstenernte 2015 erwarteten die Experten von Strategie Grains im Juni bei 10,7 Mio. t und damit 0,1 Mio. t kleiner als vor vier Wochen. Im Vergleich zur Erntemenge 2014 von 11,6 Mio. t wäre die jetzt für 2015 erwartete Produktion 0,9 Mio. t oder knapp 8 % kleiner. Die deutsche Produktion von Sommergerste erwartet Strategie Grains bei 1,9 Mio. t und damit eben so groß wie im Mai sowie 0,2 Mio. t kleiner wie 2014 mit 2,1 Mio. t.
 
Bei Wintergerste könnten die deutschen Landwirte 2015 etwa 8,8 Mio. t ernten, nach 9,5 Mio. t im Jahr 2015 und damit gut 7 % weniger. Die EU-Kommission hat Ende Mai in ihrer Prognose eine deutsche Gerstenernte von 10,8 Mio. t erwartet und liegt damit auf ähnlichem Niveau wie Strategie Grains.
 
Frankreich noch mit hohen Erwartungen
Die französische Gerstenproduktion 2015 erwartet Strategie Grains bei 11,6 Mio. t und damit wegen der etwas größeren Anbaufläche bei Wintergerste rund 0,2 Mio. t größer als vor vier Wochen und nur 0,1 Mio. t kleiner als zur Ernte 2014 (11,7 Mio. t). Dabei soll in Frankreich die Produktion von Sommergerste von 3,2 Mio. t im Jahr 2014 auf 3,0 Mio. t im Jahr 2015 zurückgehen. Gleichzeitig nimmt die französische Erntemenge bei Wintergerste ganz leicht von 8,5 Mio. t im Jahr 2014 auf 8,6 Mio. t zu. Die EU-Kommission hat Ende Mai in ihrer Prognose eine französische Gerstenernte von 11,7 Mio. t geschätzt und liegt damit auf ähnlichem Niveau wie Strategie Grains.
 
Vereinigtes Königreich mit stabilen Prognosen
Nicht verändert hat Strategie Grains im Juni seine Ernteprognose für das Vereinigte Königreich. Die Gerstenernte 2015 soll nach der aktuellen Prognose 6,7 Mio. t erreichen. Das ist eben so viel wie schon vor vier Wochen geschätzt wurde und 0,2 Mio. t weniger als 2014 (6,9 Mio. t).
 
Unverändert zum Jahr 2014 wird die britische Produktion von Sommergerste erwartet, die bei 3,8 Mio. t liegen soll. Gleichzeitig geht die Erntemenge bei Wintergerste von 3,1 Mio. t im Jahr 2014 auf 2,9 Mio. t zurück. Die EU-Kommission hat Ende Mai in ihrer Prognose im Vereinigten Königreich ebenfalls eine Gerstenernte von 6,7 Mio. t erwartet.
 
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Spanische Ernte bricht deutlich ein
Größter Produzent von Sommergerste in der EU ist Spanien. Wegen Niederschlagsmangel hat Strategie Grains die Ernteprognose auf der iberischen Halbinsel im Juni sehr deutlich gesenkt. Die Gesamternte könnte 2015 nach der Einschätzung der Analysten unter den derzeitigen Bedingungen rund 7,1 Mio. t erreichen. Das wären 0,9 Mio. t bzw. 11 % weniger als noch vor vier Wochen erwartet wurden.
 
Im Vergleich zu sehr schwachen Ernte aus dem Vorjahr (6,9 Mio. t) wäre die neue Ernte indessen noch 0,2 Mio. t größer. Rund 6,2 Mio. t bzw. 87 % der erwarteten spanischen Gesamtproduktion sind Sommergerste. Die EU-Kommission hat Ende Mai in ihrer Prognose für Spanien sogar noch eine Gerstenernte von 8,3 Mio. t erwartet du wird wohl ebenfalls noch deutlich nach unten korrigieren müssen.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter Markt
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