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Analyse

Brasilien: Maisanbau geht zurück, dennoch viel Exportmais

von , am
22.10.2014

Brasiliens Farmer bauen in diesem Jahr weniger Mais an als im letzten Jahr. Trotz des erwarteten moderaten Produktionsrückgangs dürfte das Exportpotential der Brasilianer sehr hoch bleiben

© Mühlhausen/landpixel
Brasiliens Farmer bauen in diesem Jahr weniger Mais an als im letzten Jahr. Dies betrifft hauptsächlich den zeitgleich mit Soja angebauten Sommermais. Über die Aussaatfläche des als Zweitfrucht nach Soja gepflanzten Wintermais (Safrina) entscheidet vor allem der Zeitpunkt der Sojaernte. Je früher diese erfolgt desto größer ist die Safrinafläche und damit auch die Maisernte. In den letzten Jahren hat die immer weiter nach vorne gezogene Sojaaussaat und Ernte zu einer deutlichen Ausweitung des Wintermaisanbaus (vor allem in Zentralbrasilien) geführt. Dieser steuert mittlerweile deutlich mehr als die Hälfte zur brasilianischen Maisernte bei. Der Grund für den aktuellen Anbaurückgang beim Sommermais sind die im Verhältnis zum Soja deutlich schlechteren Erlösaussichten.
 
Ernte könnte auch größer werden
Das USDA hatte die brasilianische Aussaatfläche für die Ernte 2015 im Oktober auf 15,0 Mio. h geschätzt und damit 0,8 Mio. ha kleiner als im letzten Jahr (15,8 Mio. ha). Gleichzeitig rechnet man mit ähnlich hohen Erträgen wie im letzten Jahr von etwa 5,0 t/ha. Daraus ergibt sich eine Gesamternte (Sommer und Wintermais) für 2015 von etwa 75 Mio. t. Trotzt des Produktionsrückgangs von 4,3 Mio. t zum Vorjahr wäre dies immer noch die drittgrößte brasilianische Maisernte überhaupt. Allerdings scheint auch eine größere Ernte möglich. Das brasilianische staatliche Getreideamt CONAB hat die Maisernte zuletzt sogar 77,8 Mio. t geschätzt und damit größer als das USDA.
 
Mehr als die Hälfte der Produktion ist Wintermais
Im letzten Jahr (2014) ernteten die brasilianischen Farmer von insgesamt 15,8 Mio. ha rund 79,5 Mio. t Mais. Damit wurde die bisherige Rekordernte des Jahres 2013 (81,5 Mio. t) nur knapp verfehlt. Von den 2014 insgesamt geernteten 79,5 Mio. t Mais, waren nach Angaben der brasilianischen Analysten von Safras & Mercado nur noch 42 % im Oktober/November 2013 gesäter Sommermais. Auf einen Anteil von 58 % an der Gesamtproduktion kam hingegen der nach Soja als Zweitfrucht gepflanzte Wintermais. Sommermais wird in Brasilen parallel zum Soja von Oktober (im Süden) bis November (Zentralbrasilien) gepflanzt. Wintermais kommt nach den früh geernteten Sojabohnen überwiegend im Februar in den Boden.
 
Exportpotential ist sehr hoch
Trotz des erwarteten moderaten Produktionsrückgangs dürfte das Exportpotential der Brasilianer sehr hoch bleiben. Vor allem das starke Wachstum der Bestände nach den letzten beiden sehr großen Ernten, ermöglicht weiterhin eine umfangreiche Ausfuhr. Die Konkurrenz am Weltmarkt ist wegen der Rekordernte in den USA jedoch hoch und schränkt die Ausfuhrmöglichkeiten der Brasilianer ein. Das USDA-Büro in Brasilia erwartet für das Wirtschaftsjahr 2014/15 Endbestände von 20,2 Mio. t nach 21,95 Mio. t im letzten Jahr und 14,1 Mio. t vor zwei Jahren. Damit erreichen die brasilianischen Bestände rund 44 % der Verbrauchsmenge von etwa 46,5 Mio. t und drücken enorm auf die Preise. Das USDA hat das Exportpotential zuletzt auf 22 Mio. t veranschlagt nach nur 17,5 Mio. t im letzten Jahr und 26 Mio. t vor zwei Jahren.
 
Maispreise in Brasilien niedriger als in den USA
In den USA sind die Maispreise vor dem Hintergrund der erwarteten Rekordernte bis Oktober auf ein Vierjahrestief (Juni 2010) gefallen. Am US-Terminmarkt kostete Mais der aktuellen Ernte zuletzt umgerechnet 139 USD/t (109 Euro/t). An den US-Exporthäfen (fob) wurde Mais für den Novembertermin für 194 USD/t (153 Euro) angeliefert und für Februar lagen die Preise bei 187 USD/t. (147 Euro). Brasilianischer Mais wird derzeit an den dortigen Exporthäfen für etwa 174 USD/t (137 Euro) angeboten und für Februar 2015 für 175 USD/t. Argentinischer Mais kostete derzeit an den dortigen Häfen (fob) 170 USD/t (134 Euro) und für Februar 2015 liegen die Preisforderungen bei 178 USD/t.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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