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Analyse

Brasilien: Regen behindert Aussaat von Wintermais

von , am
14.03.2014

Ernte und Aussaat von Mais leiden in Brasilien unter den extremen Witterungsbedingungen.

© landpixel
 
Ernte und Aussaat von Mais leiden in Brasilien unter den extremen Witterungsbedingungen. Während eine Hitzewelle im Süden und Südosten des Landes die Erträge des fast zeitgleich mit Soja geernteten Sommermais nach unten gedrückt hat, kommt der in Zentralbrasilien nach Soja gepflanzte Wintermais wegen der sintflutartigen Regenfälle erst gar nicht in den Boden. Dabei waren die bisherigen Schätzungen ohnehin von einer deutlichen (preisbedingten) Reduzierung des Maisanbaus in Brasilien zu Gunsten von Soja ausgegangen. Nach einer Anbaufläche für Mais (insgesamt) von 15,8 Mio. ha im letzten Jahr, werden jetzt nur noch auf 14,7 Mio. ha Mais angebaut. Hinzu kommen die witterungsbedingt deutlich niedrigen Erträge. Allerdings kann sich die Anbaufläche noch verändern, denn die Aussaat von Wintermais hat gerade erst begonnen. Mittlerweile trägt Wintermais fast 60 % zur brasilianischen Maisernte bei und ist vor allem für die Exportmärkte bestimmt.
 
Mehr Wintermais, weniger Sommermais
Die Analysten der staatlichen brasilianischen Agentur für Getreide und Ölsaaten (CONAB) haben ihre Erwartungen an die Maisernte in Brasilien Mitte März nur leicht nach unten korrigiert. Mit 75,2 Mio. t liegt die aktuelle Prognose nur 0,3 Mio. t niedriger als vor vier Wochen. Dabei hat CONAB die Erwartungen an die laufende Sommermaisernte um 1,2 Mio. t auf 31,4 Mio. t reduzierte und gleichzeitig die Schätzungen für die Wintermaisernte um 0,9 Mio. t auf 43,8 Mio. t nach oben gesetzt. Geerntet wird der Wintermais je nach Aussaatzeitpunkt von Mai bis Juni. Insgesamt ergibt sich damit per Saldo eine Gesamtproduktion von 75,2 Mio. t. Sollte sich diese Schätzung von CONAB bestätigen, wäre dies die bislang zweitgrößte Maisernte überhaupt. Dabei verfehlt die erwartete Erntemenge den bisherigen Rekord aus dem letzten Jahr (81,5 Mio. t) um 6,3 Mio. t bzw. fast 8 %.
 
Regen verzögert Aussaat von Wintermais
Im zentralbrasilianischen Mato Grosso werden nach  den Daten von CONAP etwa 27 % des brasilianischen Wintermais (nach Soja) angebaut. Die anhaltenden Regenfälle behindern und verzögern jedoch nicht nur die Sojaernte sondern reduzieren auch das günstigste Zeitfenster für die Aussaat und das Wachstum von Wintermais. Betroffen von den Regenfällen und Aussaatverzögerungen ist auch der Süden von Mato Grosso des Sul und der Süden von Goias. Dort werden jeweils 11 % der brasilianischen Wintermaisernte produziert. Vor dem Hintergrund dieser ungünstigen Aussaatbedingungen hat eine ganze Reihe von Analysten die brasilianische Ernte schon deutlich kleiner geschätzt. Dazu zählt auch das US-Landwirtschaftsministerium (USDA).
 
USDA erwartet kleinere Ernte
Das USDA hatte in seinem Märzreport die brasilianische Maisernte auf 70 Mio. t veranschlagt und damit über 5 Mio. t kleiner als CONAB. Die brasilianischen Mais-Ausfuhren hatte das USDA im März auf 21 Mio. t geschätzt, nach dem Ausfuhrrekord von 26 Mio. t im letzten Jahr. Damit wären die Brasilianer im laufenden Wirtschaftsjahr 2013/14 nach den USA (42 Mio. t (!!) und deutlich vor der Ukraine (18,5 Mio. t) und Argentinien (13 Mio. t) der zweitgrößte globale Exporteur. Die brasilianischen Endbestände erwartet das USDA immerhin noch bei 9,9 Mio. t nach 14,0 Mio. t im letzten Jahr.
 
Maispreise zuletzt gestiegen
Die Preise für Mais sind diese Woche (trotz des Auf und Ab an den Märkten) leicht gestiegen. Außerdem kostet der Mais in den USA  und an den Exportmärkten derzeit rund 15 % mehr als zum letzten Tiefpunkt Anfang Januar. Am Donnerstag (13.03) handelte man den Mais am US-Terminmarkt in Chicago mit umgerechnet 137 Euro/t (484,2 Ct/bu) und auch die nächste Ernte (Dezember) wurde mit 137 Euro/t (484 Ct/bu) notiert. An den Exporthäfen am US-Golf kostete Mais für die Verladung im März 238 USD/t (172 Euro) und für den Mai 228 USD/t (165 Euro). An den argentinischen Exporthäfen wird Mais  für den Märztermin für 228 USD/t (165 Euro) angeboten und für den Juni für 220 USD/t (159 Euro). An den Häfen Brasiliens kostete Mais für den Julitermin (Wintermais) 211 USD/t (153 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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