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Analyse

Deutsche Maisernte kleiner als erwartet

von , am
10.10.2014

© Schollen/landpixel.de
Die deutsche Maisernte wird möglicherweise nicht so groß wie der Markt bislang erwartet hat. Davon geht Anfang Oktober das Statistische Bundesamt in einer aktualisierten Ernteprognose aus. Ernteschätzungen europäischer Analystenhäuser lagen für die deutsche Maisernte zuletzt hingegen etwas höher als die Prognose des Statistischen Bundesamtes. Zuvor hatte das deutsche Landwirtschaftsministerium die aktuelle deutsche Maisernte im September sogar noch etwas kleiner eingeschätzt als die deutschen Statistiker. Die Preise für Körnermais sind in diesem Jahr dennoch etwa ein Viertel niedriger als 2013
 
Wird die Maisernte zu klein eingeschätzt?
Die vom Statistischen Bundesamt erwartete Erntemenge liegt bei 4,74 Mio. t und damit etwas über der Ernteschätzung des BMEL von 4,6 Mio. t. Im Vergleich zur schwachen Ernte des letzten Jahres (4,39 Mio. t) wäre dies ein Anstieg der Produktion um 8 Prozent bzw. 0,36 Mio. t. Der langjährige Durchschnitt (2008/13) von 4,82 Mio. t wird mit der aktuellen Prognose ganz leicht um 2 % oder knapp 0,1 Mio. t verfehlt. Im Vergleich zur bisherigen deutschen Rekordernte aus dem Jahr 2012 (5,5 Mio. t) wäre die vom Statistischen Bundesamt erwartete Maisernte sogar um 14 Prozent oder 0,76 Mio. t kleiner. Die EU-Kommission veranschlagte die deutsche Maisernte 2014 zum Monatswechsel hingegen etwas größer auf 5,0 Mio. t. Dagegen lag die Ernteprognose des Analystenhauses ADM/Töpfer Anfang Oktober mit 4,9 Mio. t nur wenig über der Schätzung des Statistischen Bundesamtes.
 
Erträge deutlich höher als 2013, Fläche kleiner
Ursache für die vergleichsweise kleine deutsche Maisernte ist die im Vergleich zum Vorjahr nochmals geschrumpfte Erntefläche. Mit rund 480.000 ha erwartet das Statistische Bundesamt die Erntefläche nochmals 17.000 ha bzw. 3,5 % kleiner. Im Vergleich zur Maisfläche von 2012 mit 526.000 ha, beträgt der Rückgang sogar 9 Prozent oder 46.000 ha und auch das langjährige Mittel von 494.000 ha wird 2014 nicht erreicht. Die Durchschnittserträge liegen nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes hingegen bei 98,7 dt/ha, und damit 11 Prozent höher als im letzten Jahr mit 89,1 dt/ ha. Gleichzeitig wird der langjährige Ertragsdurchschnitt von 98,5 dt/h in etwa erreicht. Im Jahr 2012 waren die Mais-Erträge mit 105,5 dt/ha deutlich höher.
 
Produktion konzentriert sich auf vier Bundesländer
Aktuelle Erntedaten nach Bundesländern liegen zu diesem Termin noch nicht vor. Die vier mit Abstand größten Maisproduzenten in Deutschland sind Bayern, NRW, Niedersachsen und Baden-Württemberg. Im letzten Jahr brachten diese vier Länder zusammen mehr als 80 Prozent der deutschen Maisernte ein. In diesem Jahr müssten die deutschen Haupterzeuger von Mais eigentlich deutlich größere Ernten einfahren als 2013. Völlig anders als bei Silomais dürfte die Ertragsentwicklung 2014 auch bei Körnermais nicht sein. In Bayern nahm die Silomaisproduktion in diesem Jahr Jahr um 45 % zu, in Niedersachsen um 23 %, in NRW um 13 % und in Baden-Württemberg um 17 %. Im Jahr 2013 lagen die Erntemengen bei Körnermais in Bayern bei 1,2 Mio. t, in NRW bei 1,1 Mio. t und in Niedersachsen bei 0,74 Mio. t und in Baden-Württemberg bei 0,69 Mio. t.
 
Deutscher Importbedarf bei Mais ist hoch
Nach den Berechnungen der BLE lag der deutsche Bedarf/Verbrauch von Mais in den letzten Jahren zwischen 6,6 Mio. t rund 7,0 Mio. t. Bei jährlichen deutschen Maisausfuhren (in andere EU-Länder) von etwa 1,5 bis 1,7 Mio. t, sind Maisimporte nach Deutschland von 3,7 bis 4,0 Mio. t nötig. Das entspricht rund 80 Prozent der deutschen Erntemenge. Der Einsatz von Mais in der Tierfütterung bewegte sich in den letzten Jahren zwischen 4,2 Mio. t und 4,5 Mio. t. In den Nahrungssektor flossen etwa 1,6 Mio. t Mais und zur energetischen Nutzung wurden in Deutschland etwa 0,4 Mio. t Körnermais eingesetzt.
 
Maispreise ein Viertel niedriger als 2013
Die Preise für Körnermais sind in diesem Jahr deutlich niedriger als 2013. Während der Körnermais für die Ernte 2013 im deutschen Großhandel mit 175 bis 185 Euro/t gehandelt wurde, liegen die aktuellen Preisangebote für die neue Ernte 2014  zwischen 130 und 140 Euro/t und damit rund 45 Euro bzw. 25 % niedriger. Aus Frankreich wurden Anfang Oktober am wichtigsten Handelsplatz in Bordeaux Maispreise für die neue Ernte von 136 Euro gemeldet. Am europäischen Terminmarkt pendelten die Preise zuletzt ebenfalls um die Marke von 140 Euro je t. In den USA kostete der Körnermais der neuen Ernte am Terminmarkt zum gleichen Termin umgerechnet 107 Euro/t (344,6 Ct/bu) und an den US-Exporthäfen lagen die fob-Preise bei 190 USD/t (150 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
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