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Analyse

EU: Riesige Maisernte sorgt für Riesenbestände

von , am
07.10.2014

Die Europäische Kommission hat zum Monatswechsel noch einmal ihre Rekordprognose für europäische Maisernte bestätigt.

© marshi/aboutpixel.de

Die Europäische Kommission hat zum Monatswechsel noch einmal ihre Rekordprognose für europäische Maisernte bestätigt. Mit 71,8 Mio. t liegt die Kommissions-Schätzung unverändert deutlich über der 70-Mio.-t-Marke. Gleichzeitig ist erwartete Erntemenge erheblich größer als 2013 und auch der bisherige Produktionsrekord aus dem Jahr 2011 wird deutlich übertroffen. Den europäischen Importbedarf hat die Kommission wegen der größeren Ernte und des reichlich verfügbaren Futterweizen kräftig reduziert. Auch der Einsatz von Futtermais geht  trotz der sehr großen Ernte zurück. Gleichzeitig nehmen die Endbestände im neuen Wirtschaftsjahr sehr kräftig um 40 Prozent zu. Die Maispreise haben sich Anfang Oktober dennoch von ihren jüngsten Tiefständen erholt.
 
Neuer Produktionsrekord, andere Analysten ähnlich hoch
Die EU-Kommission veranschlagt die europäische Maisernte 2014 zum Monatswechsel auf 71,8 Mio. t. Das ist etwas weniger als die Analysten der Kommission noch im August (73,4 Mio. t) erwartet hatten. Im Vergleich zur Ernte 2013 von 65,4 Mio. t wäre dies jedoch ein Produktionszuwachs von 6,4 Mio. t oder etwa 10 %. Gleichzeitig würden die Landwirte in der EU eine neue Rekordernte einbringen. Der bisherige Rekord von 68,6 Mio. t stammt aus dem Jahr 2011/12. Die Erntefläche von Mais veranschlagt die Kommission im September auf 9,54 Mio. ha und damit deutlich kleiner als noch im August (August: 9,79 Mio. ha) und ebenfalls kleiner als im Vorjahr (9,74). Die durchschnittlichen Erträge werden unverändert bei 7,5 t/ha erwartet, nach ebenfalls 7,5 t/ha in der August-Schätzung und nur 6,7 /ha im letzten Jahr (2013). Mittlerweile liegt die Kommission mit ihrer Schätzung zur neuen Maisernte sehr nahe bei den letzten Prognosen anderer europäischer und intentionaler Analysten wie etwa von Strategie Grains (71,3 Mio. t), Töpfer/ADM (70,5 Mio. t), dem IGC (70,7 Mio. t), die zuletzt alle nach oben korrigiert wurden.
 
Importe deutlich kleiner, Bestände wachsen um 40 Prozent
Bei den Maisimporten erwartet die Kommission im aktuellen Wirtschaftsjahr einen kräftigen Rückgang um etwa 40 Prozent. Dennoch fällt der Rückgang kleiner aus als man vor dem Hintergrund der großen Ernte und des reichlichen Angebots an Futterweizen erwarten konnte. Grund für die relativ hohen Importe dürften die niedrigen internationalen Maispreise sein. Mit geschätzten 9,0 Mio. t (August: 9,0 Mio. t) ist die erwartete Importmenge jedoch 6,0 Mio. oder 40 Prozent kleiner als die Rekordmeng die die Kommissions-Experten letzte Saison ermittelte (15,0 Mio. t). Das USDA erwartet für die neue Saison (wegen der kleineren Ernteprogose) hingegen Importe von 10,0 Mio. t (August 11,0 Mio. t), während der IGC nur noch von 7,5 Mio. t ausgeht (August: 9,0 Mio. t). Nach Einschätzung der Kommission sollen jedoch die Endbestände von 14,9 Mio. t in der letzten Saison um fast 40 Prozent auf 20,0 Mio. t (August: 18,4 Mio. t) zum Ende der aktuellen Saison anwachsen.
 
Trotz größer Ernte weniger Mais ins Tierfutter
Der Einsatz von Mais in der Tierfütterung schrumpft - trotz der deutlich größeren Ernte - auf 58,8 Mio. t (August: 60,7 Mio. t) und wäre damit sogar kleiner als in der letzten Saison mit 60,6 Mio. t. Grund dürfte die sehr große Weizenernte und der höhere Verbrauch von Futterweizen sein. Der Export von Mais aus der EU erreicht nach Meinung der Kommission im aktuellen Wirtschaftsjahr 2,0 Mio. t nach 3,1 Mio. t in der letzten Saison. Für die Herstellung von Bioethanol werden nach der aktuellen Prognose der Kommission 3,6 Mio. t Mais eingesetzt und damit 0,3 Mio. t mehr als im Vorjahr.
 
Maispreise Anfang Oktober deutlich erholt
Am europäischen Terminmarkt sind die Maispreise im September von etwa 152 Euro bis auf 131 Euro gefallen. Anfang Oktober haben sich die Maispreise jedoch wieder erholt und lagen am 06. Oktober wieder bei 144 Euro und damit 13 Euro über dem letzten Tiefpunkt von Ende September. Im letzten Jahr (2013) kostete der Mai am Terminmarkt Anfang Oktober 178 Euro und damit rund 34 Euro oder 19 Prozent mehr als in diesem Jahr. Am südwestdeutschen Großmarkt in Mannheim lagen die Maispreise am 06. Oktober fob-Oberrhein zwischen 138 und 139 Euro und damit deutlich niedriger als vor vier Wochen (176 und 178 Euro/t). Inländischer Mais zur Anlieferung im Oktober kostete in Mannheim 130 Euro bis 135 Euro. In Frankreich bewegten sich die Maispreise im Großhandel (fob Bordeaux) Anfang Oktober bei 140 Euro/t und waren damit trotz der jüngsten Preiserholung noch immer 11 Euro niedriger als vor vier Wochen (151 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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