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Analyse

Europäische Landwirte schränken Maisanbau ein

von , am
17.03.2015

Die europäischen Landwirte könnten den Anbau von Körnermais für die Ernte im Herbst 2015 kräftig einschränken.

© Tobias Marx/fotolia
Die europäischen Landwirte könnten den Anbau von Körnermais für die Ernte im Herbst 2015 kräftig einschränken. Davon geht derzeit die EU-Kommission in einer aktuellen Anbau- und Produktionsschätzung auf der Basis der bislang vorliegenden Daten aus den Mitgliedsländern aus. Damit würde auch die neue Maisernte 2015 deutlich kleiner sein als die bisherige Rekordernte aus dem Jahr 2014. Die europäische Analystenfirma Strategie Grains erwartet für 2015 zwar ebenfalls eine deutlich kleinere Maisernte als 2014, jedoch hauptsächlich wegen der deutlich niedrigeren (durchschnittlichen) Maiserträge im Vergleich zum außergewöhnlich guten Vorjahr. Die vom Markt deutlich kleiner erwartete Maisernte 2015 schlägt sich bereits in deutlich höhen Maispreisen am europäischen Terminmarkt für die neuen Ernte nieder. Während der Mais aktuell im europäischen Großhandel etwa 155 Euro kostet, wird die neue Ernte am Terminmarkt für 174 Euro gehandelt und damit knapp 20 Euro bzw. 12 % teurer
 
Maisernte schrumpft um 10 Prozent
Die diesjährige Anbaufläche von Mais veranschlagt die Kommission derzeit auf 9,22 Mio. ha. Das wären immerhin rund 0,41 Mio. ha bzw. 4,3 % weniger Anbaufläche als im letzten Jahr. Zur Ernte 2014 hatten die Landwirte auf 9,63 Mio. ha Mais angebaut. Vor zwei Jahren (2013) lag die Maisfläche bei 9,77 Mio. ha und vor drei Jahren (2012) sogar bei 9,86 Mio. ha. Gleichzeitig wäre die dies kleinste europäische Maisanbaufläche seit dem Jahr 2010 (8,27 Mio. ha). Den Maisertrag erwartet die Kommission 2015 bei 7,41 t/ha und damit  unter dem Rekordergebnis von 2014 von 7,92 t/ha. Vor zwei Jahren (2013) lag der Durchschnittsertrag   allerigs nur bei 6,86 t/ha und vor drei Jahren (2012) lediglich bei 6,06 t/ha. Auf der Grundlage von Anbau- und Ertragserwartung veranschlagt die Kommission die europäische Maisernte 2015 auf 68,3 Mio. t. Im Vergleich zur zurückliegenden Rekordernte 2014 (76,3 Mio. t) wäre die kommende Ernte 2015 damit 8,0 Mio. t oder gut 10 % kleiner. Gegenüber dem Ergebnis von 2013 (67,0 Mio. t) wäre die neue Ernte 2015 hingegen 1,3 Mio. t größer und die Maisernte von 2012 (59,8 Mio. t) wird um 8,5 Mio. t übertroffen.
 
Analysten gehen von größerer Anbaufläche aus
Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hatte veranschlagt die diesjährige Anbaufläche von Mais Mitte März  hingegen auf 9,6 Mio. ha und damit fast 0,4 Mio. ha größer als die Europäische Kommission (9,2) und etwa ähnlich groß wie im letzten Jahr. Die neue europäische Maisernte erwartet Strategie Grains wegen der deutlich niedriger angesetzten Maiserträge allerdings ähnlich groß wie die Kommission bei 68,2 Mio. t. Für den größten europäischen Maisproduzenten Frankreich erwartet Strategie Grains für 2015 eine Maisernte von 15,5 Mio. t, nach 17,9 Mio. t im letzten Jahr. Die Flächenschätzung für Frankreich liegt derzeit bei 1,7 Mio. ha, nach 1,8 Mio. ha zur Ernte 2014. Für Ungarn erwartet Strategie Grains eine Maisernte von 8,0 Mio. t (Flache 1,2 Mio. ha), nach immerhin 9,3 Mio. t im letzten Jahr und für Rumänien von 9,9 Mio. t (Fläche 2,5 Mio. ha) nach 11,3 Mio. t im Jahr 2015.
 
Maisimporte nehmen moderat zu
Bei den Maisimporten erwartet die Kommission im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 einen relativ moderaten Anstieg. Mit der derzeit für das kommende Wirtschaftsjahr 2015/16 prognostizierten Importmenge von 8,5 Mio. t sind die erwarteten Importe der Europäer rund 1,5 Mio. t kleiner als die von der Kommission für die noch laufende Saison erwarteten Einfuhren (7,0 Mio. t). Im Wirtschaftsjahr 2013/14 lag die bisherige Rekordeinfuhr bei 15,0 Mio. t. Die Maisexporte in der EU sollen nach der aktuellen Prognose der Kommission im nächsten Wirtschaftsjahr bei 2,6 Mio. t erreichen und geringfügig kleiner sein wie im aktuellen Wirtschaftsjahr (3,0 Mio. t).
 
Endbestände schrumpfen kräftig
Die erwarteten Endbestände nehmen im kommenden Wirtschaftsjahr 2015/16 hingegen deutlich ab. Bei rund 15,6 Mio. t erwartet die Kommission am Ende des nächsten Wirtschaftsjahres 2015/16 die europäischen Maisbestände. Das wären rund 5,0 Mio. t bzw. 25 % kleinere Bestände als zum Ende der laufenden Saison 2014/15 (20,6 Mio. t) erwartet werden und ähnlich große Endbestände wie im Wirtschaftsjahr 2013/14 (15,6 Mio. t).
 
Trotz kleinerer Ernte mehr Futtermais
Den Einsatz von Mais in der Tierfütterung erwartet die Kommission im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 etwa bei 62,8 Mio. t und damit sogar etwas größer als im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 59,0 Mio. t. Vor zwei Jahren (2013/14) wurden 60,6 Mio. t Mais verfüttert. Der Verbrauch von Mais in der Industrie wird stabil auf etwa 10,0 Mio. t geschätzt, davon sollen rund 4,7 Mio. t in die Herstellung von Bioethanol fließen. Der europäische Selbstversorgungsgrad bei Mais liegt im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 nur bei 87 %, nach 102 % in aktuellen Wirtschaftsjahr.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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