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Analyse

Europäische Maisernte bricht alle Rekorde

von , am
17.10.2014

Für die europäische Maisernte werden die Prognosen immer weiter nach oben geschraubt.

© Mühlhausen/landpixel
Für die europäische Maisernte werden die Prognosen immer weiter nach oben geschraubt. Das bestätigt Mitte Oktober noch einmal das europäische Analystenhaus Strategie Grains mit seiner Prognose und setzt die Ernteerwartung auf Basis der aktuellen Erntedaten weiter nach oben. Die europäischen Maispreise hatten diese Entwicklung offenbar schon eingepreist und sind zuletzt (mit Unterstützung aus Übersee) am Terminmarkt wieder über die Marke von 140 Euro/t gestiegen. Der europäische Importbedarf wird wegen der erwarteten Rekordernte nochmals kräftig reduziert. Dabei könnte die erwartete Rekordernte (erstmals seit 2008) rein rechnerisch fast den Maisbedarf (Verbrauch) der Europäer decken.
 
Prognose noch weiter nach oben geschraubt
Das europäische Analystenhaus Strategie Grains schätzte die europäische Maisernte im Oktober auf 73,3 Mio. t und damit nochmals 2,0 Mio. t größer als in der September-Prognose (71,3, Mio. t) und gut 5 Mio. t größer als im August (68 Mio. t). Gleichzeitig wäre das für die Europäer die bislang mit Abstand größte Maisernte überhaupt, deutlich über dem bisherigen Produktionsrekord aus dem Jahr 2011 (68,6 Mio. t). Die europäische Maisernte des Jahres 2013 (64,4 Mio. t) wird mit der erwarteten Erntemenge sogar um 8,9 Mio. t bzw. um 14 % übertroffen.
 
Erntemenge erreicht fast Verbrauch
Die EU-Kommission liegt mit ihrer letzten Ernte-Prognose von 71,8 Mio. t etwas unter der Schätzung von Strategie Grains und das USDA ging Anfang Oktober von 71,0 Mio. t aus. Der Bedarf/Verbrauch von Mais am europäischen Binnenmarkt liegt nach den  Berechnungen der EU-Kommission bei rund 73,1 Mio. t und damit etwa auf dem Niveau der erwarteten Erntemenge. Die europäischen Endbestände würden damit um gut 5 Mio. t auf etwa 20 Mio. t anwachsen. Den europäischen Importbedarf schätzt die Kommission (wegen der sehr niedrigen Weltmarktpreise) dennoch auf etwa 9,0 Mio. t, während das USDA nur noch von 7,0 Mio. t ausgeht. Im Wirtschaftsjahr 2013/14 hatten die Europäer die bisherige Rekordmenge von 16,0 Mio. t Mais importiert.
 
Frankreich und Ungarn mit Rekord
Für Frankreich, den größten Maisproduzenten (und Exporteur) der Europäischen Union, erwartet Strategie Grains im Oktober eine Maisernte von 17,2 Mio. t und damit nochmals 0,3 Mio. t mehr wie zur September-Prognose (16,9) und sogar 3,0 Mio. t mehr als 2013 (14,9 Mio. t). Diese Erntemenge würde auch für Frankreich einen neuen Produktionsrekord bedeuten. Die Analysten von ADM/Töpfer hatten Ende September in ihrer Prognose eine französische Maisernte von knapp 17 Mio. t erwartet und das USDA ging Anfang Oktober ebenfalls von 17,0 Mio. t aus. Für Ungarn setzte Strategie Grains die erwartete Maisernte auf 9,1 Mio. t nach oben (September 8,5 Mio. t). Im Vergleich zur Erntemenge von 2013 (6,7 Mio. t) wäre die jetzt für Ungarn erwartete Produktion 2,3 Mio. t oder etwa 34 % größer. Die Analysten von ADM/Töpfer hatten Ende September in ihrer Prognose eine ungarische Maisernte von nur 8,0 Mio. t erwartet und das USDA ging von 8,5 Mio. t aus.
 
Rumäniens ebenfalls mit Rekordernte
Nochmals leicht nach oben korrigiert haben die Analysten von Strategie Grains die Erwartungen an die Maisernte für den zweitgrößten europäischen Maisproduzenten Rumänien. Nach der aktuellen Oktoberprognose erreicht die rumänische Maisproduktion einen Umfang von rund 10,8 Mio. t und damit einen neuen Produktionsrekord. Gleichzeitig sind dies 0,2 Mio. t mehr als im September erwartet wurden (10,6 Mio. t) und 0,4 Mio. t mehr als die bisherige Rekordernte aus dem Jahr 2013 (10,4 Mio. t). Die Analysten von ADM/Töpfer hatten die rumänische Maisernte in ihrer Prognose Ende September ebenfalls auf 10,8 Mio. t geschätzt und das USDA auf 10,6 Mio. t.
 
Italien und Deutschland besser als 2013
Eine größere Maisernte als 2013 erwarten die Analysten von Strategie Grains weiterhin für Italien. Die italienische Maisproduktion könnte nach der aktuellen Prognose 8,2 Mio. t erreichen. Das ist ebenso so viel wie schon im September erwartet wurde (8,2 Mio. t) und zudem 0,6 Mio. t mehr als 2013 (7,6 Mio. t). Die Analysten von ADM/Töpfer haben die italienische Maisernte nur auf 7,9 Mio. t geschätzt und das USDA geht von 8,2 Mio. t aus. Für Deutschland erwarteten die Analysten von ADM/Töpfer zuletzt eine Maisernte von rund 4,9 Mio. t (Sept.: 5,0 Mio.t) und liegt damit etwas über der letzten Ernteschätzung des Statischen Bundesamtes von 4,7 Mio. t. Im letzten Jahr ernteten die deutschen Landwirte nur 4,4 Mio. t.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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