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Analyse

Europäische Maiserträge schrumpfen um ein Viertel

von , am
25.09.2015

Die europäische Crop-Monitoring-Agentur (MARS) bestätigte Ende September noch einmal ihre sehr schwache Prognose zur europäischen Maisernte 2015.

© goccedicolore/fotolia.com

 
Die europäische Crop-Monitoring-Agentur (MARS) bestätigte Ende September noch einmal ihre sehr schwache Prognose zur europäischen Maisernte 2015. Danach liegen die erwarteten Erträge mit 6,43 t/ha in etwa auf dem Niveau der vorigen Prognose. Gleichzeitig wären die für 2015 erwarteten durchschnittlichen Maiserträge etwa ein Fünftel niedriger als 2014 (8,07 t/ha) und etwa 8,5 % niedriger als im langjährigen Mittel mit 7,02 t/ha. Hinzu kommt nach den Daten der EU-Kommission noch eine Einschränkung der Anbaufläche von rund 300.000 ha auf 9,37 Mio. ha.
 
Maisernte wäre etwas höher als Analystenschätzungen
Die sich aus den erwarteten Erträgen und der Maisfläche ergebende europäische Maisernte 2015 würde etwa bei 60,2 Mio. t liegen und somit sogar etwas größer sein als die letzten Analystenschätzungen und auch die Erwartung der EU-Kommission zuletzt von einer europäischen Maisernte von nur 57,0 bis knapp 59,0 Mio. t ausgingen. Im vorigen erreichte die europäische Maisernte nach den Daten der Kommission allerdings eine Größenordnung von 77,75 Mio. t und war damit 17,55 Mio. t oder etwa 29 % größer.
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Schwache deutsche Maiserträge bestätigt
Die deutschen Maiserträge sind 2015 nach der September-Schätzung von MARS mit 9,44 t/ha etwa 11,7 % niedriger als im bisherigen Rekord-Jahr 2014 (10,69). Im Vergleich zur vorigen Prognose (9,47), hat MARS seine Ertragserwartung für Deutschland noch einmal ganz leicht gesenkt. Das langjährige Ertrags-Mittel von 10,0 t/ha würde in Deutschland damit ebenfalls um 5,6 % verfehlt. Allerdings waren die deutschen Maiserträge 2013 mit 8,83 t/ha, 2010 mit 9,03 t/ha und 2006 mit 8,03 t/ha auch schon deutlich schlechter.
 
Frankreich mit etwas besseren Erträgen
Für Frankreich liegt die aktuelle Ertragsprognose im September bei 8,90 t/ha und damit 3,0 % höher als noch im August (8,63). Im Vergleich zu den sehr hohen Erträgen aus dem Jahr 2014 (10,02) wären die für den größten Maisproduzenten der EU erwarteten Maiserträge jedoch 11,2 % niedriger. Das langjährige Mittel von 9,19 t/ha würde allerdings nur um 3,2 % verfehlt. Auch in Frankreich waren die Maiserträge zuletzt im Jahr 2013 mit 8,2 t/haauch schon deutlich niedriger.
 
Noch schlechtere Erträge in Rumänien
Für den zuletzt zweitgrößten europäischen Maiproduzenten Rumänien hat MARS die Ertragsprognose im September nochmals leicht auf 2,95 t/ha von zuvor 3,00 t/ha zurückgenommen. Im Vergleich zu den rumänischen Maiserträgen von 2014 (4,72) wären die jetzt erwarteten Maiserträge dramatisch um 37,5 % niedriger. Das langjährige Mittel (3,75) würde immerhin noch um 21,4 % verfehlt. In Rumänien waren die Maiserträge zuletzt im Jahr 2012 mit 2,2 t/ha erheblich niedriger.
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In Ungarn leicht nach oben korrigiert
Die Nummer drei unter den europäischen Maiproduzenten ist Ungarn. Hier hat MARS die Ertragsprognose im September von 5,15 t/ha auf 5,25 t/ha leicht angehoben. Im Vergleich zu den ungarischen Maiserträgen von 2014 (7,74) wären die aktuell erwarteten Maiserträge sehr deutlich um 32,1 % niedriger. Das langjährige Mittel von 5,92 t/ha würde immer noch um 11,3 % verfehlt. Niedriger als 2015 waren die Maiserträge zuletzt im Jahr 2012 mit 4,4 t/ha.
 
Italien knapp über dem langjährigen Mittel
Eine etwas kleinere Produktionsmenge als Ungarn erreichte 2014 Italien. Für Italien hat MARS die Ertragsprognose im September von 9,47 t/ha auf 9,35 t/ha gesenkt. Im Vergleich zu den italienischen Maiserträgen von 2014 (10,62) wären die aktuell erwarteten Maiserträge um 12,0 % niedriger. Das langjährige Mittel von 9,21) t/ha würde hingegen um 1,5 % übertroffen.
 
Polen mit sehr schwacher Ernte
Für Polen erwartet MARS im September (wie schon im August) Mais-Erträge von 5,42 t/ha. Im Vergleich zu den polnischen Maiserträgen von 2014 (6,59) wären die aktuell erwarteten Maiserträge 17,8 % niedriger. Das langjährige Mittel von 6,47 t/ha würde indessen sehr deutlich um 16,3 % verfehlt. Schlechtere Maiserträge als 2015 gab es in Polen zuletzt im Jahr 2006 mit 4,2 t/ha
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Für Bulgarien werden im September nur noch Mais-Erträge von 4,94 t/ha erwartet, nach 5,33 t/ha vor vier Wochen. Im Vergleich zu den Maiserträgen von 2014 (7,68) wären die aktuell erwarteten Maiserträge (ähnlich wie in Rumänien) drastisch um 35,8 % niedriger. Das langjährige Mittel (5,77) würde um 14,4 % verfehlt.
 
Für Österreich erwartet MARS im September Mais-Erträge von 9,76 t/ha und damit etwas höhere Erträge als im August (9,49). Im Vergleich zu den Maiserträgen von 2014 (10,79) wären die aktuell erwarteten Maiserträge 9,6 % niedriger. Das langjährige Mittel (10,16) würde um 4,0 % verfehlt.
 
Dr. Olaf Zinke
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