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Analyse

Frankreich: Maisexporte brechen drastisch ein

von , am
11.09.2015

Üblicherweise gehen mehr als 90 Prozent aller französischen Maisexporte in andere EU-Länder.

© Schollen/landpixel.de
 
Eine kleinere Maisernte gab es in Frankreich zuletzt vor 9 Jahren. Das meldet das französische Landwirtschaftsamt FranceAgrimer in seinem aktuellen Marktbericht.  Dabei sind unsere westlichen Nachbarn mit großem Abstand vor Rumänien, Italien und Ungarn der größte Maisproduzent  und  Exporteur in der Europäischen Union.
 
Mit der deutlich kleineren Ernte brechen also auch die erwarteten Exporte beim größten europäischen Maisexporteur drastisch ein. Üblicherweise gehen mehr als 90 Prozent aller französischen Maisexporte in andere EU-Länder. Die Maispreise sind am französischen Binnenmarkt in den letzten Wochen (mit den Weltmarkpreisen) trotzdem kräftig gefallen. Dennoch sind die Maispreise 2015 deutlich höher als im vorigen Jahr zum gleichen Termin.
 
Ein Viertel weniger Mais als 2015
Mitte September schätzt FranceAgrimer die französische Maisernte noch auf 13,3 Mio. t. Im Vergleich zur Ernte 2014 von 17,9 Mio. t wäre dies ein Produktionseinbruch von 4,6 Mio. t oder etwa 26,1 %. Gleichzeitig wäre dies die kleinste Maisernte seit dem Jahr 2006 als die französischen Landwirte nur 12,9 Mio. t Mais von den Feldern holten.
 
Die Anbaufläche von Körnermais veranschlagt FranceAgrimer in diesem Jahr auf 1,61 Mio. ha und damit 8,8 % kleiner als im Vorjahr mit 1,76 Mio. ha. Die durchschnittlichen Erträge werden für 2015 bei 82,5 dt/ha erwartet, nach dem Rekordwert von 101,8 dt/ha im letzten Jahr (2014). Die Crop-Monitoring Agentur der Europäischen Union (MARS) hatte die französischen Erträge im August auf 86,3 t/ha geschätzt.
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Ein Drittel weniger Mais in den Export
Bei den Maisexporten erwartet die FranceAgrimer im aktuellen Wirtschaftsjahr einen sehr starken Rückgang. Mit geschätzten 5,37 Mio. t ist die für das aktuelle Wirtschaftsjahr erwartete Exportmenge etwa 2,6 Mio. t bzw. 32,9 % kleiner als die für die vorige Saison ermittelte Exportmenge von 8,0 Mio. t. Von den französischen Gesamtexporten werden etwa 5,0 Mio. t bzw. mehr als 90 Prozent in andere EU-Länder verkauft.
 
Lediglich 0,4 Mio. t Mais gehen in Drittländer. Im letzten Jahr exportierten die Franzosen immerhin 7,5 Mio.t Mais in andere EU-Länder und etwa 0,5 Mio. t in Drittländer. Damit erwartete FranceAgrmer für das aktuelle Wirtschaftsjahr einen Rückgang der Ausfuhren in andere EU-Länder um 2,5 Mio. t bzw. etwa ein Drittel.
 
Deutlich weniger Futtermais
Der Einsatz von Mais in der Tierfütterung geht wegen der deutlich kleineren Ernte von 3,7 Mio. t (2014) auf 2,9 Mio. t (2015) zurück. Ein weiterer Grund für den Rückgang dürfte neben der sehr kleinen Maisernte auch die riesige Weizenernte und das sehr große Angebot an Futterweizen sein.
 
Der Gesamtverbrauch Frankreichs (ohne Exporte) schrumpft im aktuellen Wirtschaftsjahr um knapp 12 % von 7,7 Mio. t auf nur noch 6,8 Mio. t. Im Ergebnis sollen die französischen Maisbestände jedoch nur relativ moderat schrumpfen. Während die Endbestände in der zurückliegenden Saison bei 2,96 Mio. t s lagen sollen am Ende der aktuellen Saison noch 2,57 Mio. t Mais in den Lägern liegen.
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Maispreise kräftig gefallen, aber höher als 2014
Am europäischen Terminmarkt sind die Preise für die neue Maisernte (Novemberkontrakt) von August bis September um etwa 21 Euro bzw. 11 Prozent gefallen. Nachdem die neue Ernte Mitte August noch bei 185 Euro gehandelt wurde, waren es am 10. September nur noch rund 164 Euro. Zu gleichen Zeitpunkt wurde der nachfolgende Januartermin mit 170 Euro notiert. Im Vorjahr lagen die Preise für die neue Ernte allerdings nur bei 139 Euro und damit nochmals 26 Euro niedriger als jetzt.
 
Auch am französischen Binnenmarkt sind die Maispreise zuletzt trotz der kleinen Ernte kräftig zurückgangengen. Hauptgrund waren die rückläufigen Weltmarktpreise und damit der billige Importmais. Am wichtigsten Umschlagplatz in Bordeaux kostete französischer Mais Mitte September 160 Euro. Das waren 24 Euro mehr als im letzten Jahr zum gleichen Termin als der französische Mais in Bordeaux für 136 Euro/t angeliefert wurde.
 
Dr. Olaf Zinke
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