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Analyse

Globale Maisernte deckt nicht den Verbrauch

von , am
26.06.2015

In den USA und in Europa sind die Maispreise in den letzten vier Wochen kräftig gestiegen.

© Kurt/pixelio
 
Ende Juni hat der Internationale Getreiderat (IGC) seine Erwartungen an die neue globale Maisernte im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 leicht nach oben korrigiert. Aufwärtskorrekturen gab es für die Erntemengen in den in Brasilien und in geringerem Umfang für die Ukraine und für die Europäische Union. Trotz der Aufwärtskorrektur bleibt die von den IGC-Analysten im neuen Wirtschaftsjahr erwartete globale Maisproduktion, im Vergleich zur Rekordernte aus dem zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15, deutlich kleiner.
 
Außerdem übersteigt der vom IGC erwartete globale Verbrauch von Mais die Produktion sehr deutlich. Deshalb rechnet der IGC auch mit einem deutlichen Abbau der globalen Bestände. In den USA und in Europa sind die Maispreise in den letzten vier Wochen kräftig gestiegen. Auch die Exportpreise sind gestiegen, sind jedoch etwa 20 % (in USD) niedriger als im vorigen Jahr.
 
Produktion leicht nach oben korrigiert
Die Ende Juni vom IGC für die das neue Wirtschaftsjahr 2015/16 erwartete Maisernte ist rund 36 Mio. t bzw. 3,6 % kleiner als die Maisernte der zurückliegenden Saison 2014/15. Mit rund 962,7 Mio. t wäre dies dennoch die bislang drittgrößte globale Maisernte. Gegenüber der Maischätzung von 960,7 Mio. t hat der IGC die erwartete Produktion um weitere 2,0 Mio. t nach oben gesetzt.
 
Die neue US-Maisernte 2015 erwartet der IGC wie bereits schon im Mai bei 332 Mio. t und damit jedoch 29 Mio. t kleiner als die Rekordernte aus dem letzten Jahr von 361,1 Mio. t. Vor zwei Jahren (2013) ernteten die US-Farmer 351,3 Mio. t Mais und damit 19 Mio. t mehr als jetzt erwartet werden. Grund für den Produktionsrückgang in den USA ist die deutliche Anbaueinschränkung bei Mais (zu Gunsten von Soja) von 36,7 Mio. ha auf nur noch 36,1 Mio. t. Die Erträge erwarte das USDA allerdings sehr hoch bei 10,47 t/ha, nach dem Rekordergebnis von 10,73 t/ha im letzten Jahr.
 
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Europäische Ernte unter 68 Mio. t
Für die Europäische Union rechnet der IGC jetzt mit einer Maisernte von 67,6 Mio. t, nach der Rekordernte von 75,6 Mio. t im Jahr 2014. Im Vergleich zum Vormonat (67,2) hat der IGC seine Schätzung allerdings leicht um 0,5 Mio. t nach oben gesetzt, bleibt damit jedoch weiterhin unter der Ernte-Prognose des USDA von 68,1 Mio. t. Den europäischen Import sieht der IGC bei 12,0 Mio. t (Mai: 11,2), nach 9,0 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr.
 
Eine Maisproduktion von 220 Mio. t erwartet der IGC derzeit für China. Dabei haben die IGC-Analysten ihre Prognose gegenüber dem Vormonat nicht verändert. Im Vergleich zur letzten Ernte (215,7 Mio. t) wäre die neue chinesische Ernte 4,3 Mio. t größer. Gleichzeitig erwartet der IGC für die Chinesen rückläufige Importe von 3,0 Mio. t, nach 4 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15.
 
Brasilianische Maisernte noch etwas größer
Anders als das USDA ordnet der IGC die aktuellen Ernten in Südamerika dem nächsten Wirtschaftsjahr 2015/16 zu, während das USDA diese Ernten noch dem Wirtschaftsjahr 2014/15 zuschlägt. Damit sind die Daten beider Prognosen nicht unmittelbar vergleichbar. Die vom IGC der neuen Saison 2015/16 zugeordnete Ernte 2015, hat der IGC für Brasilien um 1,4 Mio. t auf 80 Mio. t (Mai: 78,6 Mio. t) nach oben korrigiert. Damit erreicht die brasilianische Ernte 2015 jetzt den sehr guten Wert von 80,1 Mio. t aus dem Jahr 2014.
 
Für Argentinien melden die IGC-Analysten für 2015 weiterhin eine gute Ernte von 30,0 Mio. t (Mai: 30,0), nach 33,0 Mio. t im vorigen Jahr (2014).
Für die Ukraine hat der IGC die Ernteprognose ganz leicht nach oben gesetzt. Dennoch erwartet der IGC wegen einer kleineren Aussaatfläche (etwa 4,3 Mio. ha) und niedrigerer Erträge, einen Rückgang der ukrainischen Produktion. Für die Ernte 2015 geht der IGC nur von einer ukrainischen Erntemenge von 25,0 Mio. t (Mai 24,9) aus , nach 28,5 Mio. t im Jahr 2014.
 
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Mehr Exporte als im alten Wirtschaftsjahr
Nochmals etwas nach oben korrigiert hat der IGC seine Erwartungen an die globalen Handelsmengen bei Mais. Die Gesamtausfuhren sollen bei 121,4 Mio. t (Mai: 120,3 Mio. t) liegen und damit etwas höher sein als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr mit 120,2 Mio. t. Die Ausfuhren Argentiniens sollen für 2015/16 bei 17,0 Mio. t liegen, nach 17,1 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2014/15.
 
Die Exporte Brasiliens erwartet der IGC im  Wirtschaftsjahr 2015/16 bei 23,5 Mio. t (Mai 22,0 Mio. t) und damit 2,5 Mio. t höher als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr mit 21,0 Mio. t.
Die Exporte der USA bleiben (wegen der hohen Bestände) mit auf 46,5 Mio. t (Mai: 47,0) etwa so hoch wie im zurückliegenden Jahr mit 46,4 Mio. t.
Für die Ukraine sieht der IGC die Ausfuhrmenge im neuen Wirtschaftsjahr 2015/15 bei 17,0 Mio. t, nach 18,5 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2014/15.
 
Verbrauch wächst etwas, Bestände schrumpfen
Den Maisverbrauch erwartet der IGC im neuen Wirtschaftsjahr bei 976,1 Mio. t und damit (trotz der deutlich kleineren Ernte) größer als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr mit 973,8 Mio. t. Damit würde die globale Verbrauchsmenge die globale Produktion jedoch deutlich übersteigender. Ende Juni geht der IGC davon aus, dass die globalen Endbestände von ihrem derzeitigen Niveau von 201,1 Mio. t um rund 13,4 Mio. t auf etwa 187,7 Mio. t (Mai: 187,4) im neuen Wirtschaftsjahr schrumpfen werden.
 
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Maispreise sind kräftig gestiegen
In den USA und in Europa sind die Maispreise in den letzten vier Wochen kräftig gestiegen. Am US-Terminmarkt legten die Kurse für die alte Ernte um etwa 8 % zu und an den Exporthäfen ebenfalls um 7 %. Die Exportpreise für US-Mais lagen zum Monatswechsel am US-Golf bei 181 USD/t (Mai 168 USD/t) und damit 13 USD höher als vor vier Wochen. Die neue Ernte wurde für 190 USD (Mai: 183 USD) angeboten und damit 7 USD teuer als vier Wochen zuvor.
 
In Europa lagen die Maispreise Ende Juni am Terminmarkt bei etwa 172 Euro (Augusttermin) und damit 12 Euro bzw. knapp 8 % höher als vor vier Wochen. Die neue europäische Ernte kostete zum gleichen Zeitpunkt 172 Euro/t und damit 7 Euro mehr als vor vier Wochen (1659 und ebenso viel wie der alte Mais (August). Im Vergleich zum Vorjahr (180 Euro) sind die Maispreise am europäischen Terminmarkt derzeit 8 Euro oder 4,5 % niedriger.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter Markt
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