Login
Analyse

Globaler Maismarkt überraschend gut versorgt

von , am
14.08.2015

Ein sehr heftiger Preisrutsch beim Mais war die Folge des neuen USDA-Reports von August.

© Schollen/landpixel.de
 
Ein sehr heftiger Preisrutsch beim Mais war die Folge des neuen USDA-Reports von August. Dabei war die Entwicklung auf den ersten Blick nicht so eindeutig und bärisch wie der Markt sie am Ende interpretierte. Allerdings wurden die Erntemengen vor allem bei den großen Exporteuren in Nord- und Südamerika sowie am Schwarzen Meer (zum Teil recht deutlich) nach oben korrigiert. In Europa und auch in China ging es mit den erwarteten Maisernten hingegen deutlich nach unten. Auch die Endbestände werden bei den beiden TOP-Exporteuren USA und Brasilien im neuen Wirtschaftsjahr wohl deutlich größer sein als noch vor vier Wochen erwartet wurde.
 
Marktverhältnisse fast ausgeglichen, hohe Bestände
Die vom USDA in seinem August-Report erwartete globalen Maisernte 2015/16 liegt jetzt bei rund 986 Mio. t und damit rund 1 Mio. t niedriger als im Juli (987). Diese Produktion verfehlt die Rekordernte aus dem letzten Jahr von 1.006 Mio. t (!!) immerhin um 20 Mio. t. Dennoch wäre dies die drittgrößte jemals eingebrachte Maisernte, nach den Ernten 2014 und 2013. Etwas nach unten korrigiert hat das USDA im August den globalen Verbrauch auf 988 Mio. t. (Juli: 991). Damit besteht nur noch eine ganz geringe Lücke zwischen Produktion (986) und Verbrauch (988).
 
Die Endbestände schrumpfen kaum noch und werden bei etwa 195 Mio. t (Juli: 190 Mio. t). Noch vor vier Wochen war das USDA von einem Rückgang der globalen Bestände auf 190 Mio. t ausgegangen. Hauptgrund für den geringen Bestandsrückgang ist der deutlich hinter den bisherigen Erwartungen zurückbleibende Abbau der Bestände in den USA und in Brasilien. Die globale Handelsmenge 2015/16 wächst wegen der noch umfangreicheren brasilianischen Exporte auf 127 Mio. t (Juli: 125) und liegt damit 2 Mio. t höher als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 125 Mio. t.
 
Europäische Ernte schrumpft weiter, mehr Importe
Die Maisernte der Europäischen Union erwartet das USDA in seinem August-Report nur noch bei 62,3 Mio. t und damit 3,5 Mio. t kleiner als noch im Juli (65,8). Die Rekordernte aus dem Vorjahr von 75,0 Mio. t wird um 12,7 Mio. t oder 17 % verfehlt. Die Ursache für die weitere Abwärtskorrektur der Ernte sind nach der Prognose des USDA die von 6,93 t/ha (Juli) auf 6,58 t/ha (August) weiter nach unten gesetzten Erträge. Diese lagen im Jahr 2014 immerhin 7,87 t/ha. Die Erntefläche 2015 sieht das USDA bei 9,47 Mio. ha. und damit unverändert zum Juli (9,49) und etwas kleiner als im vorigen Jahr (9,54 Mio. ha).
 
Den europäischen Importbedarf von Mais hat das USDA im August auf 15,0 Mio. t nach oben gesetzt, nachdem man im Juli bereits von 14,0 Mio. t ausgegangen war und im vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 nur 9,0 Mio. t Mais und damit 6 Mio. t weniger importierte. Damit wären die Europäer knapp vor Japan (14,8) und deutlich vor Mexiko (10,3) , Südkorea (10,0) und Ägypten (8,0) der größte Maisimporteur der Welt. Die europäischen Endbestände würden nach Meinung des USDA von 9,1 Mio. t in der zurückliegenden Saison (2014/15) auf 6,4 Mio. t (2015/16) abschmelzen.
{BILD:640890:png}
US-Ernte größer als erwartet, größere Bestände
Die Maisernte 2015 für die USA hat USDA im August für die meisten Analysten ziemlich unerwartet relativ deutlich nach oben korrigiert. Das USDA schätzt die neue Ernte im August auf 347,6 Mio. t und damit 3,9 Mio. t größer als im Juni (343,7). Im letzten Jahr (2014) hatte die US-Farmer allerdings eine Rekordernte von 361,0 Mio. t eingebracht und vor zwei Jahren 351,3 Mio. t Mais geerntet. Grund für die Produktionskorrektur im August ist die Aufwärtskorrektur der erwarteten Erträge auf 10,59 t/ha von zuvor 10,47 t/ha (Juli). Im Rekordjahr 2014 lagen die US-Maiserträge allerdings bei 10,73 t/ha.
 
Die Erntefläche hat das USDA unverändert bei 32,82 Mio. ha belassen, nach 33,64 Mio. ha im Jahr 2014.. Die Exporte der USA sollen im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 bei 47 Mio. t liegen und damit wegen der straken Konkurrenz aus Südamerika 1,0 Mio. t niedriger sein als in der Juli-Prognose (48,00), jedoch 1,0 Mio. t höher als in der zurückliegenden Saison mit 46,0 Mio. t. Die US-Maisbestände sollen 2015/16 auf 43,5 Mio. t schrumpfen und damit weitaus weniger kräftig als im Juli erwartet (40,6 Mio. ) und damit am Ende nur 1,5 kleiner sein als im vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 (45,0 Mio. t) .
 
Ukraine mit noch mehr Exportmais
Für die Ukraine, den im Wirtschafsjahr 2014/15 drittgrößten globalen Maisexporteur, hat das USDA in seinem August-Report für 2015 die Maisernte von 27 Mio. t (Juli) auf 28,0 Mio. t nach oben gesetzt. Damit wäre die Produktion fast so groß wie die bislang zweitgrößten ukrainischen Ernte von 28,5 Mio. t aus dem Vorjahr (2014). Damit erwartet das USDA in diesem Jahr die bislang drittgrößte ukrainische Ernte (und damit auch ausreichend Mais für den Export nach Europa).
 
Die ukrainische Maisfläche veranschlagt das USDA im August allerdings nur noch auf 4,1 Mio. ha nach noch 4,3 Mio. ha im Juli. Im letzten Jahr (2014) war die ukrainische Maisfläche mit 4,63 Mio. ha sogar 0,53 Mio. ha größer. Die erwarteten Erträge fallen mit 6,59 t/ha hingegen deutlich höher aus als noch im Juli mit nur 6,05 t/ha erwartet wurde auch deutlich höher aus als 2014 mit 6,15 t/ha. Das ukrainische Exportpotential sieht das USDA für das neue Wirtschaftsjahr 2015/16 unverändert bei 17,5 Mio. t, nach 16,0 Mio. t im Juni und 19,0 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 .
{BILD:640891:png} 
Brasilien 2015 mit Rekordernte und mehr Exporten
Für Brasilien korrigiert das USDA die Erwartungen an die nächste Maisernte (2016) auf 79,0 Mio. t (Juli: 77) nach oben. Gleichzeitig erreichte die gerade zu Ende gehende brasilianische Ernte aus dem Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 84,0 Mio. t (Juli: 82,0) einen neuen Rekordwert. Die Aussaat für die Ernte 2016 beginnt in Brasilien erst im Oktober/November. Dabei liegt die erwartete Aussaatfläche für die Ernte 2016 nach Einschätzung des USDA bei 15,3 Mio. ha (Juli: 15,0 Mio. ha) und wäre damit nur 0,2 Mio. ha kleiner als zur Ernte 2015 mit 15,5 Mio. ha.
 
Das brasilianische Exportpotential sieht das USDA im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 bei 28,0 Mio. ha (Juli: 26,5 Mio. t), nach 22,0 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15. Ein Grund für die wachsenden Exporte sind die sehr hohen Lagerbestände von fast 19,7 Mio. t (Juli: 18,8) im Wirtschaftsjahr 2014/15 und immer noch 16,6 Mio. t (Juli: 14,6 Mio. t) im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16.
 
Argentiniens aktuelle Ernte noch größer
Für Argentinien erwartet das USDA für die Ernte 2016 eine moderate Anbauausweitung von 3,0 Mio. ha auf 3,1 Mio. ha. Die für 2016 erwartete Produktion bleibt mit 25 Mio. t (Juli: 25 Mio. t) unverändert. Die aktuell (Mitte August) zu 85 % abgeschlossen Ernte 2015 wurde hingegen nochmals auf 26,5 Mio. t (Juli: 25,0) nach oben korrigiert. Das Exportpotential Argentiniens schätzt das USDA für die neue Saison 2015/16 auf 15,5 Mio. t (Juli: 15,0) nach 19,0 Mio. t (Juli: 18,0) im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15. Das wäre eine etwas kleinere Exportmenge wie die der Ukraine (17,5). Die argentinischen Endbestände schrumpfen indessen von 1,5 Mio. t auf 1,0 Mio. t.
 
China weiter mit Rekordernte und Rekordbeständen
Für China hat das USDA die Ernteprognose (wegen etwas niedrigerer Erträge) von 229 Mio. t auf 225 Mio. t zurückgenommen. Auch das wäre für die Chinesen jedoch noch ein neuer Produktionsrekord. Im vorigen Jahr lag die chinesische Erntemenge bei 216 Mio. t und vor zwei Jahren bei 218 Mio. t. Die derzeitige Importprognose für China liegt bei 3,0 Mio. t nach ebenfalls 3,0 Mio. t im zurückliegenden Jahr. Die chinesischen Lagerbestände wachsen wegen der großen Ernte um knapp 9 Mio. t auf den Rekordwert von 90,2 Mio. t (Juli: 91,9) bzw. 46 % (!!) der globalen Maisbestände.
 
Dr. Olaf Zinke
Auch interessant